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24.3.2010 von Lisa Holtzheimer.
Viele Christen sind sich bezüglich der Gabe des Sprachengebets unsicher. Einige lehnen sie aus Unsicherheit ganz ab, weil sie in ihrer Gemeinde oder in anderen Kreisen gelehrt wurden, dass diese Gabe – ebenso wie andere Geistesgaben – heute nicht mehr vorkommen. Dafür aber gibt es keinen biblischen Beleg – ganz im Gegenteil. Die Bibel ist voll von Belegen für die unaufhörliche Existenz aller Geistesgaben für alle Nachfolger Jesu zu allen Zeiten – bis an das Ende dieses Weltzeitalters.
Andere Christen glauben zwar, dass das Sprachengebet auch heute noch existiert und angewendet werden soll, doch sie beschränken es lehrmäßig auf die Aussage, dieses Gebet könne nur eine in dieser Welt existierende Sprache sein, also keine „nicht menschliche“ Sprache.
Richtig ist, dass die Sprachenrede (auch Zungenrede, Sprachengebet, Zungengebet genannt) oft eine in dieser Welt existierende Sprache ist - der bekannteste Beleg dafür ist sicher die Erzählung vom “Pfingstwunder” in Apostelgeschichte 2. Dort tritt die Gabe der Sprachenrede zum ersten Mal auf, als die Jünger nach Jesu Himmelfahrt vom Heiligen Geist erfüllt wurden und begannen, in anderen Sprachen, die sie im Natürlichen nicht beherrschten, zu sprechen. Hier ist tatsächlich nur von Fremdsprachen, die in dieser Welt existieren, die Rede (Apg 2, 5 – 11: Damals lebten in Jerusalem gottesfürchtige Juden aus vielen verschiedenen Ländern. Als sie das Brausen hörten, liefen sie herbei. Bestürzt hörte jeder von ihnen die Versammelten in seiner eigenen Sprache reden. Außer sich vor Staunen riefen sie: »Wie kann das sein? Diese Leute stammen alle aus Galiläa, und doch hören wir sie in den Sprachen der Länder sprechen, in denen wir geboren wurden! Da stehen wir - Parther, Meder, Elamiter, Leute aus Mesopotamien, Judäa, Kappadozien, Pontus, der Provinz Asien, Phrygien, Pamphylien, Ägypten und den Gebieten von Libyen aus der Gegend von Kyrene, Besucher aus Rom, Juden sowie zum Judentum Übergetretene, Kreter und Araber - und wir alle hören diese Leute in unseren eigenen Sprachen über die Taten Gottes reden.« ).
Darüber hinaus belegt die Bibel aber auch, dass das Beten in Sprachen auch in nicht in dieser Welt exisitierenden Sprachen geschehen kann. Ich möchte hier gerne einen kleinen “Grundabriss” über das Thema “Sprachengebet” generell geben, in dem diese Aussage auch belegt wird.
Das griechische Wort für Sprachengebet heißt “Glossolalie” und bedeutet soviel wie “Sprachen- oder Zungenrede”. Menschen, die mit der Zungenrede noch keine Erfahrung haben, verstehen diesen Begriff oft falsch und denken, dass ihre Zunge sich sozusagen “selbständig” macht und außer Kontrolle gerät, wenn sie sich auf die Gabe der Zungenrede einlassen würden. Aber das ist absolut nicht der Fall. Der Betende kann vollkommen selber bestimmen, ob er in Sprachen betet oder nicht, ebenso bestimmt er selbst, wann er damit beginnt und wann er wieder aufhört - genau wie bei einem Gebet in seiner natürlichen Sprache. Wenn jemand in Sprachen betet, bestimmt er also selbst den Anfang und das Ende des Sprachengebets (und völlig normal kann das Sprachengebet auch mit Gebet in der natürlichen Sprache kombiniert werden), aber er bestimmt nicht den Inhalt bzw. die Worte des Gebets. Hierin überlässt er sich dem Wirken des Heiligen Geistes, dem er erlaubt, seine Sprachwerkzeuge zu gebrauchen. Der Heilige Geist tritt nie gewaltsam in unser Leben ein, sondern er respektiert unsere Persönlichkeit und klopft sehr zart an, ob er willkommen ist. Alles, was zwanghaft geschieht, ist nicht das Wirken des Heiligen Geistes, sondern kann ganz unterschiedliche Gründe haben (z. B. psychische Gründe, aber auch andere).
Keinesfalls ist das Sprachengebet ein Stöhnen oder Lallen, wie Unkundige manchmal behaupten. Vielmehr ist es ein Reden in einer nicht erlernten Sprache, die dem Rhythmus und der Melodik einer Fremdsprache ähnelt. Auf Unvoreingenommene wirkt das Sprachengebet normalerweise wie eine ganz normale Fremdsprache.
In der Bibel wird das Sprachengebet vor allem bei Paulus erwähnt. Er spricht an sehr vielen Stellen über dieses Thema - was ein Hinweis darauf ist, wie wichtig diese Gabe Gott ist. Generell spricht Gott in der Bibel über die Dinge, die er für besonders wichtig hält, besonders viel - während er über Dinge, die nicht so entscheidend wichtig sind, nur wenig (oder sogar gar nicht) spricht. Es gibt Themen, die unter Christen einen hohen, manchmal beinahe „heilsnotwendigen“ Stellenwert erlangt haben, über die Gott aber in der Bibel kein einziges Wort verloren hat. Dies sollte uns zu denken geben und dazu bringen, die Wertung und Wertigkeit der Themen im Leben mit Jesus neu zu überdenken.
Das Sprachengebet ist unzweifelhaft ein Thema, dem Gott viel Aufmerksamkeit widmet. Deshalb sollten wir dies auch tun.
In 1 Kor 13, 1 nennt Paulus das Sprachengebet ein “Reden in Menschen- und Engelssprachen” (1 Kor 13, 1: Wenn ich in den Sprachen der Menschen und der Engel rede, aber keine Liebe habe, so bin ich ein tönendes Erz geworden oder eine schallende Zimbel.) - das ist einer der Hinweise darauf, dass es sich bei der Zungenrede nicht nur ausschließlich um eine auf der Welt existierende Sprache handeln muss. Es gibt himmlische Sprachen, die auf der Welt nicht verständlich sind - das erfahren wir u. a. in 2 Kor 12, 3 + 4. Dort heißt es: “Und ich kenne denselben Menschen - ob er im Leib oder außer dem Leib gewesen ist, weiß ich nicht; Gott weiß es -, der wurde entrückt in das Paradies und hörte unaussprechliche Worte, die kein Mensch sagen kann.” Daraus wird sehr deutlich, dass es auch Sprachen gibt, die Menschen auf natürliche Weise - also von sich und ihrem Verstand aus - nicht sprechen können. Wenn der Heilige Geist einem Menschen aber diese Worte in den Mund legt, dann können sie sie sprechen.
Paulus erklärt, wer in Sprachen betet, spricht im Geist zu Gott. Für alle anderen außer Gott - auch für sich selbst - spricht er Geheimnisse aus; niemand sonst versteht, was er sagt (1 Kor 14, 2). Man weiß also in der Regel auch selbst nicht, was man betet, wenn man in Sprachen betet - doch man darf dem Heiligen Geist vollkommen vertrauen, dass er einem die wirklich richtigen Worte gibt. Paulus gibt auch Anhaltspunkte über den Inhalt von Sprachengebet: In der Regel ist dieses Gebet ein Ausdruck des Dankens und Lobpreises Gott gegenüber. Deshalb kann es durchaus - wie z. B. ein Psalm - gesungen werden (1 Kor 14, 15 - 17). Man kann aber auch ein eigenes Thema auf dem Herzen haben und dann in Sprachen beten - z. B. in der Fürbitte, in der Anbetung, in einer Phase, in der man Gott fragt zu bestimmten Themen usw. usw. Es sind keine Grenzen gesetzt, wo die Bibel es “verbietet”, das Gebet in Sprachen einzusetzen. Ganz im Gegenteil - das gesamte Neue Testament ermutigt uns, diese Gabe oft und ausgiebig anzuwenden.
Wenn wir einmal die Bibel thematisch danach “untersuchen”, stellen wir schnell fest, dass Paulus das Sprachengebet sehr schätzte. Das lag zum einen daran, dass das Sprachengebet ein Charisma - also eine Gnadengabe des Heiligen Geistes - ist (1 Kor 12, 10). Wenn der Heilige Geist Menschen beschenkt, so ist das grundsätzlich etwas Positives. Darüber hinaus aber hat Paulus auch sehr gute Erfahrungen mit dieser Art des Betens gemacht. Er sagt, wer in Sprachen redet, erbaut sich selbst (1 Kor 14, 4). Das Sprachengebet tut ihm gut und stärkt ihn im Glauben. Und was für Paulus galt, gilt für alle Nachfolger Jesu durch alle Zeiten hinweg natürlich ebenso.
Und noch ein Argument bringt Paulus ein. In Römer 8, 26f schreibt er: “Desgleichen hilft auch der Geist unsrer Schwachheit auf. Denn wir wissen nicht, was wir beten sollen, wie sich’s gebührt; sondern der Geist selbst vertritt uns mit unaussprechlichem Seufzen. Der aber die Herzen erforscht, der weiß, worauf der Sinn des Geistes gerichtet ist; denn er vertritt die Heiligen, wie es Gott gefällt.” Hier spricht er auch auf das Sprachengebet an, wenn er sagt “der Geist hilft unserer Schwachheit auf, denn wir wissen nicht, was wir beten sollen …”. Das ist eine Erfahrung, die wir alle kennen - oder? So oft weiß man schon nach wenigen Sätzen nicht mehr wirklich, was und wie man noch beten soll, ohne sich immer wieder im Kreis zu drehen und die Dinge nur ein wenig anders zu formulieren. Wenn wir uns aber dem Heiligen Geist ganz überlassen und ihm erlauben, uns die richtigen Worte des Gebets in den Mund zu legen, können wir plötzlich stundenlang beten, ohne überlegen zu müssen, wie wir es am besten ausdrücken können. Auf unserem Herzen liegt vielleicht ein Thema - Anbetung, Fürbitte oder was immer - und wir sprechen Worte, die wir nicht verstehen, und spüren gleichzeitig, dass unser Herz berührt und auf eine Art von der Last, die auf ihm liegt, befreit wird. Der Geist Gottes kennt uns gut - sehr viel besser sogar, als wir selber, und im Sprachengebet kann er sogar die Dinge unseres Herzens vor Gott bringen, die vor uns selbst noch verborgen sind. Ebenso sind wir in der Lage, genau die richtige Fürbitte für Leute zu tun, deren Not wir auch gar nicht oder nicht genau kennen.
Wer nun die Gabe des Sprachengebets praktiziert, hat keine besondere Auszeichnung von Gott bekommen, und wer es (noch) nicht tut, ist kein minderwertiger Christ. Jedoch steht das Sprachengebet jedem Christen zur Verfügung - wir brauchen es nur zu wollen (denn es liegt - wie bei allen anderen Dingen auch - in unserer eigenen Entscheidung, ob wir dieses Geschenk annehmen oder nicht). Gott schenkt seinen Kindern diese Gabe, um die persönliche Beziehungspflege mit ihm zu erleichtern und ihren Glauben zu stärken. Diese Gabe ist jedem Christen zu wünschen und kann von jedem erbeten werden.
Zum Schluss möchte ich noch “10 gute Gründe für das Sprechen in anderen Sprachen” nennen, die ein befreundeter Pastor einmal zusammengestellt hat.
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10 gute Gründe für das Sprechen in anderen Sprachen |
Vom Wesen her ist das Sprechen in anderen Sprachen ein Kennzeichen der neuen Schöpfung oder des Neuen Bundes, indem der Geist ausgegossen wird auf alles Fleisch - im Gegensatz zum Alten bund. Menschen sprechen inspiriert vom Heiligen Geist. Gott legt seine Worte in unser Herz und unseren Mund. Damit erfüllen sich alle Prophetien des Alten Testaments über den Neuen Bund, in welchem Gott sein Wort durch seinen Geist in unser Herz gibt. Und wovon das Herz voll ist, davon läuft der Mund über.
Grund 1
Apg 2, 16f = Joel 3, 1 – 5
Jes 44,3
1 Kor 14, 21 = Jes 28, 11.12
Also ist das Sprechen in anderen Sprachen (inspiriert vom Heiligen Geist) die Erfüllung der Verheißungen über die Erfüllung mit dem Heiligen Geist. So begründet es Petrus in der Pfingstpredigt (Apg 2, 16f) und Paulus in 1 Kor 14, 21.
Grund 2
Joh 4, 23.24
2 Kor 3, 3.4
Gott möchte angebetet werden im Geist. Der Diesnt des Neues Bundes ist in seiner Gesamtheit ein Dienst des Geistes, der lebendig macht.
Grund 3
Mk 16, 14
Jesus erwartet es von uns. In Markus 16, 17 sagt er: “Die Zeichen aber, die denen folgen werden, die da glauben, sind diese: In meinem Namen werden sie böse Geister austreiben, in neuen Zungen reden …”
Grund 4
1 Kor 14, 4
Judas 20
Es erbaut uns. Viele sagen, es brächte ihnen nichts, in anderen Sprachen zu sprechen, und sie tun es nicht, obwohl sie es können. Nicht unsere Seele (Denken, Fühlen, Wollen), sondern unser Geist, unser Herz, wird erbaut. Unser Verstand kann damit nichts anfangen, aber unser Herz sehr wohl.
Grund 5
Röm 8, 26.27
Wir können in einer vollkommenen Weise beten, die rein ist und sowohl dem Willen Gottes als auch unserem Herzen (innersten Verlagen) entspricht.
Grund 6
Jak 3, 2 – 12
Die Hingabe unserer Zunge, die schwerer zu bändigen ist, als jedes andere Teil unseres Körpers, ist ein großer Schritt in die Richtung, uns ganz Gott auszuliefern.
Grund 7
Röm 8, 26
Apg 10, 26
1 Kor 14,2Eph 6, 18
Wir bleiben uns der Gegenwart Gottes besser bewusst, leben mehr in der geistlichen Realität, was unseren Glauben und unsere Gemeinschaft mit Gott stärkt.
Grund 9
1 Kor 12, 4 = 14, 26
1 Pt 4, 10Wie auch die anderen Gnadengaben des Geistes ist die Sprachenrede Gottes “Gnade in Aktion”, was für die Erbauung der Gemeinde ein unverzichtbarer Dienst ist. Sprachenrede mit Auslegung ist ein Dienst.
Grund 10
Apg 4, 24
Apg 19, 6
Röm 15, 5 – 6
Es gibt weniges, das wir wirklich in totaler Einheit gemeinsam tun können. Wenn wir gemeinsam in Sprachen singen, werden wir “ein Herz und ein Mund, ein Sinn und ein Verlangen”. Es gibt dem Heiligen Geist Raum und lässt seine Kraft frei werden, um zu wirken. Meistens treten die anderen Geistesgaben erst in einer solch geistlichen Atmosphäre auf.
© Lisa Holtzheimer
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24.3.2010 von Lisa Holtzheimer.
Wenn Christen von Gott sprechen, meinen sie im Allgemeinen den dreieinigen Gott, bestehend aus Vater, Sohn und Heiligem Geist. Doch die dritte Person Gottes wird sehr oft ziemlich „stiefmütterlich“ behandelt und gar nicht richtig wahr- oder ernst genommen.
Dabei ist es gerade diese Person der dreieinigen Gottheit, die in uns Menschen Wohnung bezieht, wenn wir uns bekehrt, also unser Leben in Gottes Hände gelegt haben (vgl. 2Tim 1,14 Dieses kostbare Gut, das dir anvertraut ist, bewahre durch den Heiligen Geist, der in uns wohnt).
Der dreieinige Gott
Die Bibel stellt uns Gott als den „dreieinigen Gott“ vor – und viele Menschen (Christen eingeschlossen) haben Probleme damit, sich dies wirklich vorzustellen. Wie kann das gehen – ein Gott und doch drei Personen? Deshalb gibt es auch manche – zum Teil recht abenteuerliche – Vorstellungen davon, wie diese Dreieinigkeit aussehen könnte. Die am weitesten verbreitete Erklärung ist wohl die, dass Gott eine einzige – also einzelne - Person ist, die drei unterschiedliche Wesenszüge hat.
Wenn man darüber aber genauer nachforscht, kommt man mehr und mehr zu der Überzeugung, dass dies nicht den Tatsachen entspricht. Dagegen würde schon sprechen, dass Gott von Anfang an sehr viel Wert auf Beziehung gelegt hat und allen seinen geschaffenen Wesen diese Sehnsucht nach Beziehung ins Herz gelegt hat. Eine einzelne Person jedoch hat keine Beziehung – selbst, wenn sie unterschiedliche Wesenszüge in sich trägt. Da Gott ohne Anfang und ohne Ende ist, hat er schon sehr lange existiert, bevor er die Welt und die Menschen erschaffen hat, und selbst die Himmelswesen (Engel, von denen später einige sich von Gott abgewandt haben (gefallen sind – der erste war Luzifer)) von ihm geschaffen wurden, also auch nicht von Anfang an existiert haben, wäre Gott als einzelne Person über eine lange Zeit komplett alleine gewesen – einsam.
Gott von Anfang an brauchte und hatte also ein Gegenüber „auf Augenhöhe“. Dies letztlich ist sogar der entscheidende Unterschied des christlichen Glaubens zum Islam, wo großer Wert darauf gelegt wird, dass Gott (Allah, der freilich nicht mit dem biblischen Gott gleichzusetzen ist) keinen Sohn hat.
Doch der wahre und einzige Gott hat einen Sohn – und er hat ein weiteres Gegenüber: den Heiligen Geist. Gott Vater, Gott Sohn und Gott Heiliger Geist sind drei eigenständige Personen. Vollständige Personen, nicht nur Wesensarten. Dreieinig sind sie trotzdem – nämlich in ihrem Willen vollkommen in Einheit verbunden. Es gibt keinen Unterschied in ihrem Willen, in ihren Entscheidungen usw. Jesus (also Gott, der Sohn) diskutiert nicht mit Gott, dem Vater, aus, ob dies oder jenes richtig oder falsch war oder man es evtl. doch hätte anders machen können J. Nein, alle drei Personen sind sich vollkommen einig. Und das nicht erzwungenermaßen - also in einer Art Hierarchie, dass einer entscheidet und die anderen sich mehr oder weniger zähneknirschend seinem Willen beugen, sondern wirklich einig. Sie denken und fühlen exakt dasselbe. Drei Personen und doch eins – der dreieinige Gott.
Der Heilige Geist ist eine Person
Zuerst einmal müssen wir uns bewusst machen, dass der Heilige Geist tatsächlich ebenso eine Person ist wie Gott, der Vater, und Gott, der Sohn. Sein Name verleitet uns gerne dazu, uns etwas „Gespensterhaftes“, nicht wirklich Greifbares, vorzustellen. Doch diese Vorstellung ist geprägt von dem, was die Menschen viel später in Erzählungen, Märchen usw. erfunden haben. Dort sind Gespenster irgendwelche gardinenartigen Wesen, die durch die Luft schweben und – je nach Wesensart – die Menschen erschrecken oder belustigen. Diese Wesen werden in Geschichten auch als Geister bezeichnet – und so sind wir zu unserer Vorstellung von Geistern jeder Art gekommen.
Die real existierenden Geister in der unsichtbaren Welt, von der die Bibel an vielen Stellen berichtet, sind jedoch keine schwebenden Gardinen, sondern allesamt Personen – das gilt für die Dämonen, also die bösen Geister, ebenso wie für den Heiligen Geist. Sie alle haben eine eigene Persönlichkeit, Gefühle, einen Willen, eine Intelligenz und sind handlungsfähig.
Der Heilige Geist wird im griechischen Urtext der Bibel – der Sprache, in der das Neue Testament ursprünglich geschrieben wurde, weil Griechisch in der damaligen Zeit die „Weltsprache“ war, die jeder sprach und verstand – als „Paraklet“ bezeichnet; das bedeutet übersetzt: der Beistand, der Fürsprecher, der Tröster. Deshalb wird der Heilige Geist auch zu Recht als unser „Anwalt“ bezeichnet – was sehr anschaulich in Röm 8,26 beschreiben wird: „Desgleichen hilft auch der Geist unsrer Schwachheit auf. Denn wir wissen nicht, was wir beten sollen, wie sich’s gebührt; sondern der Geist selbst vertritt uns mit unaussprechlichem Seufzen.“
Der Heilige Geist vertritt uns mit „unaussprechlichem Seufzen“ – anders ausgedrückt: Er tritt vor Gott, dem Vater – aber auch dem gerechten Richter – für uns ein. Und das nicht nur, weil es seine Aufgabe ist (so wie bei einem Strafverteidiger, der dafür bezahlt wird), sondern weil er uns liebt. Liebe tritt immer für den Geliebten ein, Liebe findet immer noch etwas Gutes an einer Person, auch wenn sie sich in vielen Punkten falsch verhält; sogar, wenn sie schlimme Straftaten verübt hat.
Gott liebt jeden Menschen (Joh 3,16: So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben); gleichzeitig ist er der gerechte Richter:
· 1Mo 18,25: Das sei ferne von dir, dass du das tust und tötest den Gerechten mit dem Gottlosen, sodass der Gerechte wäre gleich wie der Gottlose! Das sei ferne von dir! Sollte der Richter aller Welt nicht gerecht richten?
· Ps 7,12: Gott ist ein gerechter Richter und ein Gott, der täglich strafen kann.
· Jer 11,20: Aber du, HERR Zebaoth, du gerechter Richter, der du Nieren und Herzen prüfst, lass mich sehen, wie du ihnen vergiltst; denn ich habe dir meine Sache befohlen.
· 2Tim 4,8: hinfort liegt für mich bereit die Krone der Gerechtigkeit, die mir der Herr, der gerechte Richter, an jenem Tag geben wird, nicht aber mir allein, sondern auch allen, die seine Erscheinung lieb haben.
Der gerechte Richter nun kann – im Gegensatz zu menschlichen Richtern – nicht anders als gerecht richten. Wobei die Gerechtigkeit Gottes teilweise auch mit anderen Maßstäben gemessen wird als irdische Gerechtigkeit, doch das ist ein anderes Thema. Nach der absoluten Gerechtigkeit Gottes ist jeder Mensch schuldig vor ihm – ohne Ausnahme. Damit Menschen trotzdem mit Gott versöhnt werden können, kam die zweite Person Gottes – Jesus Christus, der Sohn – als Mensch in diese Welt.
Welche Aufgabe hat nun der Heilige Geist? Diese dritte Person Gottes ist zum Einen die Person Gottes, die in einem Menschen Wohnung bezieht. Der Mensch besteht aus Körper, Seele und Geist – und der menschliche Geist kommuniziert mit dem Heiligen Geist.
Der Heilige Geist ist auch die Person, die unsere Anliegen vor Gott bringt. Wenn wir beten, wissen wir so oft nicht, wie wir richtig beten sollen. Doch der Heilige Geist kennt unser Herz und „übersetzt“ unsere Anliegen für Gott.
Doch er tut noch viel mehr für uns. Der Heilige Geist ist die Person Gottes, die uns mit Gaben beschenkt. Die Bibel kennt viele Geistesgaben, besonders der 1. Korintherbrief ist voll davon.
Die erste Gabe, die der Heilige Geist Menschen gab, war die Gabe des Zungenredens – auch Sprachengebet genannt. Kurz vor seiner Himmelfahrt gab Jesus seinen Jüngern den Trost: „ aber ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen, der auf euch kommen wird …“ (Apg 1,8). Bisher war der Heilige Geist auf der Erde noch nicht in Erscheinung getreten, obwohl er – ebenso wie Gott, der Vater, und Gott, der Sohn – ohne Anfang war und seit allen Zeiten existiert hatte. Nun war die Zeit gekommen, dass Jesus wieder in den Himmel zurückging, wo auch er seit allen Zeiten gewohnt hatte, bevor er als Mensch auf die Erde kam. Doch die Menschen sollten nicht mehr ohne Gottes direkte Nähe auf der Erde leben müssen. Deshalb wurde einige Tage später der Heilige Geist ausgegossen. (Apg 2). Wir nennen dies heute Pfingsten.
Der Heilige Geist kam mit einem Brausen vom Himmel und erfüllte das ganze Haus, in dem die verängstigten Jünger beieinander saßen. „Und es erschienen ihnen Zungen, zerteilt wie von Feuer; und er setzte sich auf jeden von ihnen, und sie wurden alle erfüllt von dem Heiligen Geist und fingen an zu predigen in anderen Sprachen, wie der Geist es ihnen gab auszusprechen“ (Apg 2, 3.4).
Die Menschen rund um sie herum konnten das erst nicht begreifen und dachten, die Jünger seien betrunken. Petrus musste dies dann aufklären (Apg 2, 14ff).
Nun war der Heilige Geist ausgegossen auf die Menschen – zuerst auf die direkten Jünger Jesu, doch nach wie vor wird er weiterhin auf alle Menschen ausgegossen, die ihr Leben Jesus übergeben.
Jeder Christ hat also den Heiligen Geist in sich, denn mit der Bekehrung zieht er in den Menschen ein. Unser Körper wird auch als „Tempel des Heiligen Geistes“ (1Kor 6,19) bezeichnet, mit dem wir entsprechend umgehen sollen.
Die Gaben des Geistes
Die Bibel berichtet uns davon, dass der Heilige Geist uns mit Gaben beschenkt. Die erste schon erwähnte Gabe ist die Zungenrede. Diese wird in der Bibel als die „geringste Gabe“ bezeichnet – womit freilich nicht gemeint ist, dass diese Gabe nichts wert ist (wie könnte man das überhaupt jemals von einer Gabe des Heiligen Geistes behaupten?), sondern dass sie die „kleinste“ Gabe ist, die jedem Christen zur Verfügung steht.
Es gibt viele unterschiedliche Geistesgaben, von denen nicht jeder Christ jede Gabe hat, doch die Zungenrede ist eine Gabe, die jedem Christen zur Verfügung steht. Sie ist das Zeichen des Heiligen Geistes (vgl. Apg 19,1 – 6). Als Paulus den neubekehrten Christen die Hände auflegte, kam der Heilige Geist auf sie und sie redeten in Zungen (Sprachen) und weissagten. Wer also mit dem Heiligen Geist getauft ist, dem folgt das Zeichen der Sprachenrede ganz automatisch.
Es gibt weitere Gaben des Heiligen Geistes, die nicht unbedingt jedem Christen zu jeder Zeit zur Verfügung stehen. Manche Gaben bleiben ein Leben lang bei einem Menschen, manche werden ihm zu einem bestimmten Zweck für eine bestimmte Zeit anvertraut. Doch jeder Christ hat Gaben, die ihm der Heilige Geist geschenkt hat.
So gibt es die Gabe der Prophetie (Weissagung), die Gabe der Krankenheilung, die Gabe des Gebetes (hier ist eine besondere Ausdauer im Gebet gemeint – denn „normal“ beten kann und sollte jeder Christ), die Gabe des Dienens, die Gabe der Auslegung von Sprachengebet, die Gabe der Geisterunterscheidung und viele mehr.
Alle diese Gaben kommen von Gott, dem Heiligen Geist. Und alle diese Gaben stehen uns auch heute noch zur Verfügung. Wir können Gott bitten, uns eine bestimmte Gabe zu schenken – noch besser fragen wir ihn selbst, welche Gabe er für uns hat und uns schenken will.
Wir können als Christen anderen Christen die Hände auflegen und sie damit zeichenhaft im Heiligen Geist taufen. Zeichenhaft deshalb, weil natürlich nicht wir jemanden taufen, sondern Gott selbst dies tut. Doch auch hier ist es für viele Menschen hilfreich, ein sicht- und spürbares Zeichen zu haben – eben die Handauflegung. Das direkt folgende geistliche Zeichen ist dann, dass der im Geist getaufte Mensch ab sofort in der Lage ist, in einer ihm unbekannten Sprache zu reden – einer menschlichen oder einer himmlischen Sprache.
Wenn die Bibel in Rö 8, 26 sagt, dass wir nicht wissen, wie wir beten sollen, aber der Geist unserer Schwachheit aufhilft, ist damit genau dies gemeint. Wohl jeder von uns kennt die Situation, in der man beten möchte – sei es in der Anbetung, in der Fürbitte oder jeder anderen Art von Gebet – und nach wenigen Sätzen im Grunde am Ende ist, weil man eben nicht weiß, was man eigentlich beten soll. Man dreht sich im Kreis, wiederholt seine Worte und Anliegen in verschiedener Weise – aber letztlich bleibt es bei zwei, drei Grundgedanken.
Der Heilige Geist aber weiß, was zu jedem Zeitpunkt und bei jedem Anliegen das richtige Gebet ist. Wenn wir uns ihm überlassen und dann in Sprachen zu beten beginnen, können wir oft eine Stunde oder länger problemlos „reden“, also beten, ohne nicht mehr weiterzuwissen. Das Geheimnis darin liegt natürlich darin, dass wir nicht mehr selbst unseren begrenzten Verstand einsetzen müssen, um unser Anliegen oder unsere Anbetung in passende Worte zu formen, sondern dass der Heilige Geist in, durch und mit uns betet. Dies zu erfahren, ist eine unendliche Befreiung!
Zusammenfassend kann man also sagen: Der Heilige Geist ist eine eigenständige Person mit einer Persönlichkeit, Gefühlen, Intelligenz und Handlungsfähigkeit, der in seinem Willen, in seinen Gedanken und Gefühlen vollkommen eins ist mit den beiden anderen Personen der Gottheit – dem Vater und dem Sohn.
Der Heilige Geist ist der Tröster, der uns sanft berührt und uns vor Gott, dem gerechten Richter, vertritt als Anwalt.
Der Heilige Geist lebt in dem Menschen, der sein Leben Gott zur Verfügung gestellt hat, und leitet diesen Menschen ganz persönlich.
Der Heilige Geist beschenkt Menschen mit Gaben, die dazu da sind, den Menschen und/oder andere Menschen aufzuerbauen, zu helfen, zu heilen.
Der Heilige Geist ist real und lebendig und spricht heute jeden Tag zu uns – durch unsere Herzen, auch durch unseren Verstand. Wer lernt, seine Stimme aus vielen anderen Stimmen in uns drin herauszuhören, wird eine ganz neue Qualität geistlichen Lebens im ganz normalen Alltag kennen lernen (vgl. dazu auch den Artikel: „Dialog mit Gott“).
© Lisa Holtzheimer
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24.11.2008 von Lisa Holtzheimer.
“Und es geschah, als die Menschen begannen, sich zu vermehren auf der Fläche des Erdbodens, und ihnen Töchter geboren wurden, da sahen die Söhne Gottes die Töchter der Menschen, dass sie gut waren, und sie nahmen sich von allen zu Frauen, welche sie wollten. Da sprach der HERR: Mein Geist soll nicht ewig im Menschen bleiben, da er ja auch Fleisch ist. Seine Tage sollen 120 Jahre betragen. In jenen Tagen waren die Riesen auf der Erde, und auch danach, als die Söhne Gottes zu den Töchtern der Menschen eingingen. Das sind die Helden, die in der Vorzeit waren, die berühmten Männer.“
[1. Mose 6, 1 - 4]
Gottessöhne sind keine leiblichen Söhne Gottes, sondern gehören zum „Umfeld“ Gottes, so wie das „Gefolge“ zu einem König gehört. Beide Wörter sind in unserer heutigen modernen Sprache nicht mehr so bekannt, wir sprechen auch heute bei Königshäusern nicht mehr von Gefolge, sondern von Angestellten. Das trifft natürlich den Kern der Sache bei Gott auch nicht so ganz, denn Gott hat keine Angestellten
. Was aber klar werden soll, ist, dass wir auch hier die Wandlung der Sprache mit einbeziehen müssen.
In früheren Zeiten wurden als Söhne nicht immer nur die leiblichen Kinder bezeichnet, sondern oft auch Personen, die von jemandem ausgebildet wurden und evtl. später mit ihm zusammen auch den Dienst taten. In 1. Tim 1,2 spricht Paulus von Onesimus, den er „gezeugt“ habe. Das bedeutet auch hier keinesfalls, dass Onesimus Paulus’ leibliches Kind war, sondern dass Paulus ihn im Glauben unterrichtet hat und ihm dabei geistlich so nahe gekommen ist, dass sie geistlich eine Einheit bilden, so wie es Vater und Sohn tun. Und wie der leibliche Sohn die Arbeit des alt gewordenen Vaters normalerweise weiterführte, so führte ein „geistlicher“ Sohn die geistliche Arbeit seines Lehrers weiter. In der Bibel finden sich eine Reihe von Beispielen dieser Art, z. B. Elia und Elisa (2 Könige).
Auf diese Weise sind auch die Gottessöhne zu verstehen. Sie sind keine von Gott leiblich gezeugten Söhne, sondern Engelwesen, die um Gott herum als sein Gefolge sind und die nach seinen Anweisungen handeln. Zu ihnen gehörte auch der Satan (vgl. Hiob 1, 6). Das zeigt uns, dass auch himmlische Geschöpfe, die keine echten „Nachfolger“ Gottes mehr sind, sondern gegen Gott rebelliert haben und ihren eigenen Weg gegangen sind, trotzdem noch zu den Gottessöhnen gerechnet werden. Die meisten Ausleger sind sich darüber einig, dass Satan ein gefallener Engel ist. Im Ursprung waren alle Engel in Einheit, im Einklang mit Gott. Aber wie alle geschaffenen Wesen verfügen auch Engel über einen eigenen freien Willen und können in diesem freien Willen die Entscheidung treffen, Gott zu vertrauen und zu gehorchen oder gegen ihn zu rebellieren.
Wahrscheinlich war Satan der erste Engel, der gegen Gott rebelliert hat und sich entschieden hat, seinen eigenen Weg zu gehen. Satan war vorher einer hochrangiger Engel gewesen, der Anbetungsleiter – d. h., der Engel, der die anderen Engel darin anleitete, Gott anzubeten. In Jesaja 14, 12ff finden wir Hinweise darauf, dass Satan sich gegen Gott erhoben hat und ihm gleich werden wollte. Dafür wurde er aus dem Himmel ausgestoßen. Doch das blieb nicht ohne Folgen. Satan hatte auch andere Engel mit seiner Rebellion angesteckt.
Wenn nun in 1 Mose 6 von Gottessöhnen gesprochen wird, ist die Rede von ungehorsamen – also gefallenen – Engeln. Hilfreich ist auch noch zu wissen, dass vor allem das Alte Testament nicht chronologisch geschrieben ist – also nicht alles, was weiter hinten im Alten Testament steht, ist auch zwangsläufig erst viel später geschehen als etwas, das weiter vorne steht. Der Fall Satans und weiterer Engel muss auf jeden Fall lange vor der Erschaffung des Menschen gewesen sein, denn schon die ersten beiden Menschen wurden ja von Satan verführt. Und das konnte nur passieren, weil Satan sich schon von Gott abgewandt hatte und zu seinem Feind geworden war.
Hinweise auf den Fall Satans und anderer Engel finden wir aber erst viel später in der Bibel. Das lässt sich dadurch erklären, dass die Bibel in erster Linie Gottes Weg mit den Menschen beschreibt und die Dinge im übernatürlichen Bereich nur insoweit mit hineinbringt, wie es für diesen Zusammenhang wichtig ist und verstehbar ist. Doch sowohl Gott als auch die Engel – und damit auch Satan und sein Gefolge – gibt es schon sehr viel länger als die Erde und die Menschen. Gott hat keinen Anfang und kein Ende – er ist von Ewigkeit zu Ewigkeit. Unser menschliches Denken kann das nicht mehr fassen, darum können wir es „nur noch“ glauben.
Engel sind von Gott geschaffene Wesen und natürlich „jünger“ als Gott selbst – aber sie sind auf jeden Fall älter als die Menschheit. Wann genau Engel geschaffen wurden, warum Gott später „trotzdem“ noch Menschen schuf usw., darauf finden keine bzw. nur spärliche Hinweise in der Bibel. Engel sind „Diener“ Gottes, während Gott die Menschen zu seinem Abbild als seine Kinder, sein Gegenüber schuf. Mit dieser Beziehungsbasis hängt die Erschaffung der Menschen zusammen – Gott wollte nicht nur Diener um sich herum, sondern Kinder, mit denen er eine echte liebevolle Beziehung eingehen kann. Warum dies mit Engeln offenbar anders ist, darüber sagt die Bibel nichts, aber dass es einen Unterschied in Gottes Beziehung zu Menschen und zu Engeln gibt, ist deutlich.
Der „normale“ Lebensraum von Engeln und Engelwesen ist der Himmel. Im übrigen gibt es nicht nur den einen Himmel, sondern mindestens drei Himmel (vgl. 2 Korinther 12, 2). Im griechischen Urtext des Neuen Testamentes werden unterschiedliche Wörter für „Himmel“ gebraucht, während wir in der deutschen Sprache mit „Himmel“ sowohl den für uns sichtbaren Himmel als auch den unsichtbaren Himmel, den Wohnsitz Gottes, meinen. Die englische Sprache unterscheidet hier auch schon zwischen „sky“ und „heaven“.
Nach Ansicht von glaubwürdigen Bibellehrern ist der dritte Himmel der Wohnsitz Gottes und seiner Heiligen. Dort lebt auch seine Gefolgschaft, die gehorsamen und treuen Engel Gottes.
Der zweite Himmel ist der Aufenthaltsort Satans und seiner Anhänger. Satan wohnt nicht – wie oft angenommen – in der Hölle. Das ist der Ort, an den er einst ganz verbannt sein wird und wo schon jetzt die ungläubigen Verstorbenen sich aufhalten. Von dort gibt es keine Verbindung mehr zum Himmel, dem Wohnsitz Gottes, wie wir aus dem Bericht über den reichen Mann und den armen Lazarus (Lukas 16, 19 - 31 – hier genau Vers 26) wissen. Doch der derzeitige „Wohnort“ Satans und seiner Engel – die wir heute als Dämonen kennen – ist dieser zweite Himmel. Und von dort gibt es offenbar eine Möglichkeit, auch den dritten Himmel zu betreten, denn sonst hätte Satan in Hiob 1 nicht unter den Gottessöhnen vor Gott erscheinen können. Auch Daniel 10, 12ff gibt uns Hinweise darauf, dass zwischen dem göttlichen Himmel (dem Aufenthaltsort Gottes und seiner Engel) und der Erde, ein anderes Reich liegt – nämlich das Reich Satans und seiner Dämonen. Als Daniel gebetet hatte, dauerte es ganze drei Wochen, bis sein Gebet aus seiner Sicht erhört wurde. Doch als der von Gott geschickte Engel bei ihm eintraf, sagte er zu Daniel, dass sein Gebet sofort am ersten Tag erhört wurde und er auch sofort von Gott losgeschickt wurde mit der Erhörung. Doch auf seinem Weg aus dem „göttlichen Himmel“ haben sich ihm Dämonen in den Weg gestellt und er musste 21 Tage lang gegen sie kämpfen. Erst dann konnte er seinen Weg auf die Erde fortsetzen. Er musste also das satanische Reich – den zweiten Himmel – durchqueren.
Der erste Himmel ist die Atmosphäre um uns herum, die wir sehen, wenn wir in die Wolken schauen.
Dass Engel ihren Lebensraum im Umfeld Gottes verlassen, um den Menschen Botschaften zu bringen u. ä., passiert vermutlich täglich. In der Bibel gibt es neben der o. g. unzählige Stellen, an denen Engel im Auftrag Gottes zu Menschen kommen, um ihnen zu dienen. Dies passiert heute noch genauso wie in der Zeit, in der die Bibel geschrieben wurde bzw. zu den Zeiten, von denen die Bibel uns berichtet. Entscheidend dabei ist aber, dass Engel ihren normalen Lebensraum nur dann verlassen sollen, wenn Gott sie dazu beauftragt.
Wenn Engel den Himmel verlassen, ohne dafür von Gott beauftragt zu sein, dann sind sie ungehorsam. Ein anderes Wort dafür ist „abgefallen“. In 1 Mose 6 ist genau das passiert. Ob diese Engel schon vorher abgefallen waren oder sich erst zu diesem Zweck – nämlich, um sich mit den schönen Menschentöchtern einzulassen – entschieden haben, Gott den Gehorsam zu verweigern, geht aus meiner Sicht nicht ganz klar aus der Stelle hervor – wenn auch in 2 Petrus 2, 4 noch einmal darauf Bezug genommen wird und man daraus entnehmen könnte, dass diese Tat ihre erste Sünde war und sie erst dann die Strafe traf, die sie aus dem Himmel Gottes verwies.
Das, was die Engel mit den Frauen taten, nennt Gott Hurerei. Das ist in seinen Augen ein Gräuel – und nicht nur unter Menschen, sondern auch unter Menschen und Engeln. Ganz offensichtlich sind Engel in der Lage, sich fortzupflanzen. Matthäus 22, 30 erklärt, dass Engel nicht heiraten können – aber wie auch unter Menschen, macht nicht erst eine Heirat eine Person fortpflanzungsfähig. „Biologisch“ ist dazu keine Heirat nötig. Ohne Heirat aber ist es Hurerei.
Dies war die zweite Sünde dieser Gottessöhne. Sie hatten in ihrem eigenen Willen ihren normalen Lebensraum verlassen, um auf die Erde zu gehen, weil sie dort Frauen gesehen hatten und offenbar sexuelle Lust verspürt hatten. Dann sind sie dieser Lust nachgegangen und haben die Frauen verführt, vielleicht sogar gegen deren Willen. Das lesen wir hier nicht, aber unmöglich ist es nicht.
Aus dieser unnatürlichen sexuellen Begegnung nun – Mutter = Mensch; Vater = Engel – sind Kinder entstanden. Weil Gott diese Praxis nicht gefiel, hat er auch für die Menschen die Konsequenz gezogen, nämlich eine Altersbeschränkung eingeführt. Vorher wurden Menschen viele hundert Jahre alt, manche von ihnen beinahe 1000. Doch von nun an sollten das natürliche Alter der Menschen auf 120 Jahre beschränkt sein.
Ob nun die Riesen, von denen im gleichen Atemzug (1 Mose 6, 4) die Rede ist, die Kinder, die aus der unnatürlichen Begegnung Engel – Mensch entstanden sind, ist nicht eindeutig. Die „Riesen“ werden auch als zeitliche Beschreibung ins Spiel gebracht. „In jenen Tagen … und auch später noch, als die Gottessöhne zu den Menschen kamen …“. Möglich ist aber auch, dass auch diese Kinder als Riesen bezeichnet werden. Klar scheint zu sein, dass es auch vorher schon sogenannte „Riesen“ gab. Dort, wo in vielen deutschen Bibelübersetzungen „Riesen“ steht, steht im hebräischen Urtext das Wort „nephilim“. Dies bedeutet einmal „Fehl- bzw. Missgeburten“ und könnte darauf hinweisen, dass diese Kinder aus der unnatürlichen sexuellen Begegnung keine normalen Kinder waren, sondern besonders groß wurden. Eine zweite Bedeutung von nephilim ist „fallen oder gefallen“, was darauf hindeuten kann, dass diese Männer besonders stark (und besonders groß) waren und über andere herfielen und sie überwältigten. Deshalb sind sie als die berühmten Helden der Vorzeit bekannt geblieben.
Auch in 4 Mose 13, 33 ist noch einmal von Riesen die Rede, als das Volk Israel aus Ägypten ausgezogen war und in das ihnen von Gott verheißene Land Kanaan gehen wollten. Die Kundschafter dort trafen auf starke und große Männer und flüchteten voller Angst. Dem Volk Israel erzählen sie dann, sie hätten Riesen getroffen (die aber mit denen in dem Bericht in 1 Mose 6 nichts zu tun haben – denn dazwischen lag die Sintflut) und das Land wäre uneinnehmbar. Dieses Misstrauen gegenüber Gott hat dem Volk Israel letztlich 40 Jahre Wüstenwanderung eingehandelt, denn ab diesem Zeitpunkt erst ist das Volk 40 Jahre durch die Wüste gezogen. Der Weg aus Ägypten nach Kanaan war nicht wo weit, dass es 40 Jahre gedauert hätte.
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8.11.2008 von Lisa Holtzheimer.
Woher nahmen eigentlich Kain und Abel ihre Frauen – wenn doch ihre Eltern die ersten Menschen auf der Erde waren?
Um die Antwort auf diese Frage zu verstehen, muss man ein bisschen umdenken - nämlich “weg”denken von den üblichen Dingen, Gesetzen usw., die uns vertraut sind. Nach unserem heutigen Denken, Verstehen und nach unseren heutigen Gesetzen hier in Deutschland bleibt uns nur eine Möglichkeit, wenn das erste Mosebuch lesen - besonders die ersten Anfänge der Menschheit: wir müssten es für ein Märchen halten, denn nach unserem heutigen Denken ist das alles nicht möglich.
Damals aber - schätzungsweise vor ca. 6.000 Jahren - gab es weder Gesetze noch die Notwendigkeit zu manchen Gesetzen, die wir heute haben. Unsere heutigen Gesetze sind gut und notwendig, um Schlimmes zu verhindern. Aber sie haben sich entwickelt, weil sie im Laufe der Zeit notwendig wurden - aber es gab nicht von Anfang an eine Veranlassung dazu, bestimmte Regeln und Umgangsformen allgemeingültig “von höherer Stelle her” zu regeln. Ich komme später nochmal darauf zurück.
Als Gott Adam und Eva geschaffen hatte, war erst einmal alles “gut”. Wirklich gut. Adam und Eva lebten mit Gott zusammen im Paradies - einem Garten, den Gott auf der Erde für die Menschen angelegt hatte. Sein Plan war, dass die Menschen sich hier vermehren konnten und in Frieden mit ihm leben konnten. Da er den Menschen aber auch einen eigenen Willen gegeben hatte, ließen schon diese beiden ersten Menschen sich von Satan verführen - und den Rest der Geschichte kennen wir. Sie wurden aus dem Paradies verwiesen. Erst zu diesem Zeitpunkt übrigens wurden sie “sterblich”. Im Paradies - in der völligen Übereinstimmung mit Gottes Willen - gab es weder Krankheit noch die Folgen (Tod) davon (1. Mose 3, 19b … bis du zurückkehrst zum Erdboden, denn von ihm bist du genommen. Denn Staub bist du, und zum Staub wirst du zurückkehren!).
Die Übertretung von Gottes zu dem Zeitpunkt einzigem Gesetz (nicht vom Baum der Erkenntnis des Guten und des Bösen zu essen), hat Gottes Fluch nach sich gezogen (1. Mose 3, 16 Zu der Frau sprach er: Ich werde sehr vermehren die Mühsal deiner Schwangerschaft, mit Schmerzen sollst du Kinder gebären! Nach deinem Mann wird dein Verlangen sein, er aber wird über dich herrschen! 17 Und zu Adam sprach er: Weil du auf die Stimme deiner Frau gehört und gegessen hast von dem Baum, von dem ich dir geboten habe: Du sollst davon nicht essen! - so sei der Erdboden deinetwegen verflucht: Mit Mühsal sollst du davon essen alle Tage deines Lebens; 18 und Dornen und Disteln wird er dir sprossen lassen, und du wirst das Kraut des Feldes essen! 19 Im Schweiße deines Angesichts wirst du dein Brot essen, bis du zurückkehrst zum Erdboden, denn von ihm bist du genommen. Denn Staub bist du, und zum Staub wirst du zurückkehren!). Vorher gab es also weder Mühsal bei der Schwangerschaft noch Schmerzen bei der Geburt; ebenso war die Arbeit auf dem Feld (im Garten) leicht und mühelos. Alles war leicht.
Nach dem Sündenfall änderte sich dies - und erst danach wurden auch Gesetze notwendig. Später lesen wir davon, wie Gott Gesetze einsetzt (die zehn Gebote) und viele Regeln gibt, wie die Menschen sich verhalten sollen.
All das aber gab es noch nicht zu der Zeit, als Adam und Eva lebten und ihre ersten Kinder bekamen. Zwar wurden schon die ersten Kinder von Adam und Eva nicht mehr im Paradies geboren und standen demzufolge schon unter dem Fluch der Sünde, aber die vielen Folgen der Sünde waren nicht alle mit einem Schlag da, sondern haben sich nach und nach entwickelt - immer mehr und mehr. Und eine der ersten Folgen der Sünde war der Mord Kains an seinem Bruder Abel.
Wenn wir einmal genauer im 1. Buch Mose nachlesen, stellen wir sehr schnell fest, dass Adam (und ziemlich sicher auch Eva, auch wenn es da nicht explizit aufgeschrieben ist) sehr viel älter wurden als wir uns das heute überhaupt vorstellen können. Als Adam starb, war er 930 (!) Jahre alt - und damit einer der ältesten Menschen, die jemals auf der Erde gelebt haben. 1. Mose 5, 3 Und Adam war 130 Jahre alt und zeugte einen Sohn, ihm gleich und nach seinem Bilde, und nannte ihn Set; 4 und lebte danach 800 Jahre und zeugte Söhne und Töchter, 5 dass sein ganzes Alter ward 930 Jahre, und starb. Der älteste Mensch war Metuschelach (umgangssprachlich noch heute Metusalem genannt) mit 969 Jahren. ( 1. Mose 5,25 Metuschelach war 187 Jahre alt und zeugte Lamech, 26 und lebte danach 782 Jahre und zeugte Söhne und Töchter, 27 dass sein ganzes Alter ward 969 Jahre, und starb.)
Wenn wir uns diese Bibelstellen noch mal anschauen, sehen wir auch, dass dort steht, dass Adam den Set mit 130 Jahren gezeugt hat und danach noch 800 Jahre gelebt hat - und in der Zeit hat er Söhne und Töchter gezeugt. Wieviele, steht dort nicht, aber es werden jede Menge gewesen sein.
Auch vor Sets Geburt gab es mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht nur Kain und Abel, sondern Adam und Eva hatten auch in den ersten 130 Jahren ihres Lebens mehr als 2 Kinder. Nicht alle spielten aber eine entscheidende Rolle für die Entwicklung der Menschheit, deshalb werden sie nicht alle erwähnt. Kain und Abel hatten eine besondere Geschichte, die das weitere Leben der Menschen auf der Erde entscheidend mit beeinflusste - deshalb werden sie besonders erwähnt. Durch den ersten Mord aller Zeiten wird deutlich, dass die Sünde die Herrschaft über die Menschen errungen hatte - etwas, was im Paradies nicht möglich gewesen wäre. Dies war der zweite entscheidende Einschnitt in der Geschichte und Entwicklung der Menschheit.
Set wird letztlich nur als “Ersatz” für Abel erwähnt, viel mehr wissen wir von ihm gar nicht, nur noch, dass er Lamech zeugte und insgesamt 912 Jahre alt wurde (1. Moe 5,6 Set war 105 Jahre alt und zeugte Enosch 7 und lebte danach 807 Jahre und zeugte Söhne und Töchter, 8 dass sein ganzes Alter ward 912 Jahre, und starb).
Durch die ganze Bibel hindurch zieht sich letztlich auch dieses “Schema”, dass nur die Personen näher erwähnt werden, die eine entscheidende Rolle spielten; an denen sich bestimmte Dinge festmachen und die entweder besonders nahe bei Gott waren oder genau das Gegenteil - also sich gegen Gott und sein Volk aufgelehnt haben.
Auch in den Geschlechtsregistern wird immer nur ein Sohn erwähnt (z. B. Henoch aber zeugte Irad, Irad zeugte Mehujaël, Mehujaël zeugte Metuschaël, Metuschaël zeugte Lamech). All diese dort genannten Männer hatten ja nicht nur diesen einen Sohn, sondern viele Söhne und auch Töchter. Doch erwähnt wird immer nur der eine (der nicht immer der erste sein muss), mit dem die Geschichte von Gottes Volk in besonderer Weise weiter geschrieben wurde.
Deshalb wissen wir von allen weiteren Geschwistern von Kain, Abel und Set überhaupt nichts. Aber es gab sie. Wenn wir nun 930 Jahre Lebenszeit von Adam nehmen (der im übrigen ja keine “Kindheit” hatte, sondern gleich “erwachsen” geschaffen wurde), kommt schon eine stattliche Anzahl von möglichen Kindern zusammen. Und diese Kinder haben auch wieder Kinder bekommen - und sie lebten ähnlich lange wie ihre Eltern. Sehr schnell also sind wir bei einer Bevölkerungsdichte in den ersten 1000 Jahren der Erde, die wir längst nicht mehr überschauen können.
Und nun komme ich zu dem Punkt, den ich oben schon mal angesprochen hatte. Die Gesetze. Wir haben festgestellt, dass es in dieser ersten Zeit noch keine und später erst mal wenige Gesetze gab. Für uns heute ist es normal und richtig, dass ein Mann eine Frau hat (und nicht zwei oder drei oder …). Diese Regelung gab es in der Frühzeit der Erde noch nicht. Im ganzen Alten Testament gab es diese Regelung noch nicht als absolutes Gesetz (Beispiel Salomo, dem 1000 Frauen zugeordnet werden). Somit ist davon auszugehen, dass Adam mit der Zeit nicht nur mit einer Frau Kinder hatte. Dasselbe gilt für alle männlichen Nachfolger im zeugungsfähigen Alter. Erst im Neuen Testament wurde langsam eingeführt, dass ein Mann nur noch eine Frau haben soll. Einen Hinweis darauf finden wir in 1. Timotheus 3,2: Ein Bischof aber soll untadelig sein, Mann einer einzigen Frau,… . (s. a. 1. Timotheus 3,12; Titus 1,6). Wäre es völlig normal gewesen, dass ein Mann schon immer nur eine Frau gehabt hätte, hätten Timotheus und auch Titus nicht besonders darauf hinweisen müssen. Aber bis dahin war es völlig normal und vor Gott absolut in Ordnung, dass ein Mann mehrere Frauen hatte.
Dabei spielt ganz sicher auch eine große Rolle, dass in diesen frühen Zeiten der Familienclan sehr viel wichtiger war als wir es heute kennen. Ohne eine “Unzahl” von Kindern war das weitere Bestehen der Familie stark gefährdet. Und eine einzige Frau konnte diese vielen Kinder in der Regel gar nicht zur Welt bringen und versorgen. Möglicherweise ist auch dies eine Folge des Sündenfalls, denn in der Tat hat Gott dem Adam nur eine Frau zur Seite gestellt. Aber das war auch noch in der “perfekten” Situation vor dem Sündenfall, wo auch die Versorgung der Familie (die es ja auch ohne Sündenfall später gegeben hätte) überhaupt kein Problem war, weil Gott diese Versorgung längst in seinen Plan mit eingebaut hatte.
Nach dem Sündenfall trat dann sozusagen “Plan B” in Kraft - mit allen Konsequenzen. Und eine dieser Konsequenzen war die Sorge um die selbständige Versorgung und daraus resultierend die “so groß wie mögliche” Familie und eben ein Mann mit mehreren Frauen. Das bedeutet nicht automatisch, dass diese “Vielehe” Sünde war! Es war eine Folge und Konsequenz des Sündenfalls, aber die Folgen und Konsequenzen des Sündenfalls sind selbst keine Sünden (denn sonst wären Schmerzen bei der Geburt auch eine Sünde
). Wir müssen als Christen oft aufpassen, dass wir richtig unterscheiden zwischen “Sünde” und “Konsequenz von Sünde”.
Die zweite Gedanken-”Schranke”, die wir überwinden müssen, ist nun noch höher. Denn ebenso normal wie “ein Mann und eine Frau” ist es für uns hier und heute, dass ein Mann keine Kinder mit seiner Tochter oder seiner Schwester bekommen darf. Dafür haben wir heute Gesetze, und die sind gut und richtig, denn die sogenannte Inzucht bringt viele und massive Probleme wie u. a. Krankheiten mit sich.
Doch auch diese Regelung gab es in den Anfangszeiten der Menschheitsgeschichte nicht. Sie war auch nicht nötig, denn die Folgen dessen, was wir heute Inzucht nennen, sind Folgen der Sünde. Zwar standen die Menschen zu der Zeit auch schon unter der Sünde, aber - wie schon festgestellt - waren nicht alle Folgen davon sofort abrupt da, sondern haben sich in den nächsten 6.000 Jahren entwickelt. Das sehen wir ja auch heute noch - die Folgen des ersten Sündenfalls werden immer mehr, immer größer, immer schlimmer. Aber vor 5 - 6.000 Jahren waren eben auch die Folgen des Sündenfalls noch nicht so groß.
Noch war es also völlig unbedenklich in jeder Hinsicht, dass Kain, Abel, Set und ihre Brüder ihre eigenen Schwestern zu ihren Frauen nahmen. Möglicherweise hat auch Adam Kinder mit seinen Töchtern gezeugt.
Was für uns heute undenkbar ist und sich nach schlimmer Schande anhört, war am Anfang der Menschheit nicht nur normal, sondern absolut notwendig. Denn ohne diese damalige Normalität wäre die Menschheit schon nach der ersten Generation wieder ausgestorben, denn - wie du ganz richtig anmerkst - Frauen aus “anderen Geschlechtern” gab es zu der Zeit noch nicht. Und das wäre auch vor dem Sündenfall natürlich nicht anders gewesen, denn auch dann hätte sich die ganze Menschheit aus zwei Menschen entwickeln müssen.
Im übrigen ging das Ganze Schema noch einmal von vorne los, als genau 8 Menschen, die alle zu einer Familie gehörten, die Sintlfut überlebt hatten. Auch Noah wurde 950 Jahre alt (1Mo 8,13 Im sechshundertundersten Lebensjahr Noahs am ersten Tage des ersten Monats waren die Wasser vertrocknet auf Erden. • 1Mo 9,28 Noah aber lebte nach der Sintflut dreihundertundfünfzig Jahre, 29 dass sein ganzes Alter ward neunhundertundfünfzig Jahre, und starb.). Er und seine Söhne legten den Grundstein für die “neue Generation Mensch”.
Für uns, die wir im Jahre 2008 und in einer völlig anderen Kultur leben, sind diese Gedanken nur schwer zu denken. Unsere christliche Tradition tut sogar einiges dazu, dass es uns völlig abwegig ist, uns vorzustellen, dass es einst von Gott nicht nur geduldet, sondern gewollt war, dass Männer mehrere Frauen hatten und auch mit ihren Schwestern oder Töchtern Kinder zeugten. Doch wir müssen wissen, dass das, was heutzutage falsch ist und sogar unter Strafe steht, nicht zu allen Zeiten falsch war.
Gott hatte im Ursprung anderes für uns im Sinn, als unter Sünde und Gesetz zu leben - durch den Sündenfall aber kam die Sünde in unser Leben und damit wurden auch Regeln und Gesetze nötig, die sich aus den Konsequenzen des Sündenfalls entwickelt haben.
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23.10.2008 von Lisa Holtzheimer.
Über das Thema der Stellung der Frau in der Gemeinde habe ich mir lange Gedanken gemacht. Ich selbst habe 20 Jahre lang auch in dem traditionellen Schema gedacht, das mir von vielen Seiten her beigebracht wurde. Bis ich anfing, mich selbst mal genauer damit auseinanderzusetzen und manches zu hinterfragen, was zwar die christliche Tradition so sagt, aber nicht unbedingt die Bibel. Darin sehe ich inzwischen an so manchen Stellen einen echten Unterschied - und dieses Thema ist eins davon.
Die Stelle, die wohl am häufigsten dazu angeführt wird, dass Frauen in der Gemeinde nicht sprechen dürfen, ist wohl diese:
1 Kor 14, 34ff
“Die Frauen sollen in den Gemeindeversammlungen schweigen (griechisch: sigao).
Es gehört sich nicht, dass sie sprechen (griechisch: laleo). … Wenn sie Fragen haben, sollen sie zu Hause ihre Ehemänner fragen …”
Doch ist die allgemeine evangelikal-konservative und traditionelle Interpretation dieser Stelle ziemlich aus dem Zusammenhang gerissen. Vor allem wird u. a. der kulturelle Hintergrund, in den Paulus dies hineinschreibt, wenig bis gar nicht beachtet.
Eigentlich sagt diese Stelle auch auf Deutsch schon aus, worum es wirklich geht, aber im Grundtext wird es noch deutlicher. Dort steht in Vers 34 “sigao” - und dies meint ein freiwilliges Schweigen, ein “sich still/ruhig verhalten”. Es meint aber nicht das erzwungene Schweigen, also ein komplettes Redeverbot. Dies wäre das Verb “phimoo”. Das steht dort aber nicht.
“Sigao wird gebraucht, als sich die Jünger entschlossen, über die Verklärung, die sie erlebt hatten, zu schweigen (Luk. 9.36), und als Jesus sagte, die Steine würden schreien, wenn die Jünger schweigen würden.
Mit diesem Wort wird auch das Schweigen Jesu während seiner Gerichtsverhandlung (Markus 14.61) und das Schweigen der Apostel und Ältesten beschrieben, als sie den Bericht von Paulus und Barnabas anhörten (APG 15.12). Es bezeichnet eine bewusste und freiwillige Reaktion oder auch eine Bitte um Ruhe, damit eine andere Person reden kann (APG 12.17). Gemeint ist also jene Art von Stille, die inmitten von Unordnung und Tumult nötig ist. (Zitat aus “Ohne Unterschied?” von M. B. Smith & I. Kern S. 85)”
Das Wörterbuch zum NT (Bauer/Aland) übersetzt “sigao” mit: schweigen, stillschweigen, stille sein im Sinne von “sich still verhalten”, zu reden aufhören, verstummen, seinen Mund halten.
Alle Übersetzungen des Wortes “sigao” sagen also etwas wesentlich Schwächeres aus als das, was viele Christen in das Wort hineinlegen. Keine Übersetzung des Wortes hat die harte, unwiderlegbare Befehls-Bedeutung des Wortes “schweigen”, so wie es in der aktuellen deutschen Sprache gemeint ist.
Wenn man dazu den kulturellen Hintergrund der Zeit damals sieht und auch die relativ chaotischen Zustände in der Gemeinde in Korinth, an die dieser Brief ja geschrieben ist, ergibt sich eine ganz andere Aufforderung aus der Stelle, als wenn man (wie es leider getan wurde) dieses Wort nur mit “schweigen müssen” (als absoluten Befehl) übersetzt und damit meint: niemals, zu keiner Zeit, in keiner Situation und überhaupt jemals etwas zu sagen.
Das würde dem Kontext des gesamten Neuen Testaments diametral gegenüberstehen und dem, was Jesus gelehrt und gelebt hat, komplett widersprechen.
Vielmehr war es ja so, dass zur damaligen Zeit die Frauen meistens einen sehr viel geringeren Bildungsstandard hatten als die Männer. Sie hatten kaum “Allgemeinbildung”, hatten im öffentlichen gesellschaftlichen Leben keinen Stellenwert und waren zumeist völlig abhängig von ihren Ehemännern. Auch im religiös-geistlichen Bereich waren Frauen damals ungebildeter. Deshalb haben in den sich neu bildenden Gemeinden (sicherlich nicht nur in Korinth) die Frauen oft nicht viel von dem verstanden, was der Redner erzählt hat.
Und sicherlich gilt das alles auch nicht nur für die Gemeinde in Korinth - aber an diese ist der Brief halt verfasst, und diese Gemeinde gilt auch als ziemlich chaotisch und ungeordnet (bekannter ist diese Tatsache u. a. durch die Anweisungen zum Abendmahl (1 Kor 11, 20ff) - die Gründe liegen ganz ähnlich). Die Frauen, die sich nun bekehrt hatten und mit ihren Männern zusammen den Gottesdienst besuchten (der vermutlich in Privathäusern stattfand), saßen nun plötzlich mittendrin im Geschehen und wussten aber aufgrund ihrer mangelnden Bildung nicht wirklich, um was es ging. Und weil sie es nicht besser wussten und kannten und vielleicht auch nicht eben gelernt hatten, wie man sich in öffentlichen Veranstaltungen benimmt, haben sie ihre Fragen, die sie hatten, direkt gestellt - und damit den Sprecher ständig unterbrochen. Zwischenrufe in diesen Gottesdiensten waren aus diesem Grunde nicht die Ausnahme, sondern die Regel.
Dass das aber natürlich nicht geht, sondern die Versammlung stört, ist klar, denn so kommt man mit einem Thema nie zu Ende und alle anderen werden auch nur noch verwirrt. Denn es war sicher nicht nur eine Frau in diesen Gottesdiensten, sondern viele - und der größte Teil von ihnen hatte dieselbe “Problematik”: mangelnde Bildung, deshalb ein Nichtverstehen von vielen Dingen und ein direktes, sofortiges Nachfragen beim Sitz-Nachbarn.
Deshalb sagt Paulus, die Frauen sollen sich in der Gemeinde still verhalten und wenn sie Fragen zu dem Gesagten haben, später ihre Ehemänner fragen. Und das ist absolut gut und richtig - denn ansonsten ist keine vernünftige Lehre möglich.
“BRISTOW führt aus, dass die griechische Sprache dreißig verschiedene Wörter kennt, die mit “reden” übersetzt werden können - einige davon bedeuten verkündigen, sagen, sprechen, lehren. Wenn aber jemand sagen wollte: “Bitte stört das Gebet nicht durch lautes Reden”, so mußte er das Verb “laleo” wählen, und genau dieses Wort gebraucht Paulus hier. Da es in den Anweisungen von Paulus um Ordnung im Gottesdienst geht, ist es vollkommen einleuchtend, dass er darum bittet, keine Privatgespräche zu führen, so dass der Gottesdienst nicht durch lautes Gerede gestört wird. (Zitat aus “Ohne Unterschied” S. 86)”
Dass die Frauen mit ihren Fragen nun nicht jede Veranstaltung unterbrechen sollen, heißt aber nicht, dass sie zu keinem Zeitpunkt jemals etwas sagen dürfen - erst recht nicht, wenn sie selbst eine geistliche Bildung erworben haben. DANN dürfen auch sie sprechen, lehren und Gottes Wort weitergeben. An anderen Stellen spricht derselbe Paulus ja z. B. davon, dass Frauen ebenso wie Männer prophetische Worte von Gott bekommen, er spricht davon, wie Frauen sich verhalten sollen, wenn sie beten oder in der Gemeinde sprechen.
All das würde ja diesem “Befehl”, immer, zu jeder Zeit und für alle Zeiten zu schweigen, völlig widersprechen. Mehr dazu liest du in dem Artikel.
Nicht zuletzt sollten wir mal genauer analysieren, wie Jesus eigentlich die Frauen gesehen hat, wie er sie behandelt hat und welche Stellung er ihnen gegeben hat. Gegenüber den damaligen Gebräuchen und kulturellen Gepflogenheiten hat er jede Struktur und jedes System durchbrochen und “auf den Kopf gestellt” und Frauen in einer Art und Weise behandelt (positiv), die zu der damaligen Zeit und in dem damaligen (religiösen) System absolut undenkbar war.
Es gibt dazu auch einen sehr guten Artikel von Frank Viola, den man hier abrufen kann: http://www.hisman.de/pdf/die-frau-in-der-gemeinde.pdf . Dort wir noch genauer anhand der Bibel geprüft, warum die sich mit den Jahren eingeschlichene traditionelle Verständnisweise dieser Stelle nicht haltbar ist.
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