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Gedanken zu Weihnachten

Es begab sich aber in jenen Tagen, dass ein Befehl ausging von dem Kaiser Augustus, dass der ganze Erdkreis sich erfassen lassen sollte. Diese Erfassung war die erste und geschah, als Kyrenius Statthalter in Syrien war. Und es zogen alle aus, um sich erfassen zu lassen, jeder in seine eigene Stadt. Es ging aber auch Joseph von Galiläa, aus der Stadt Nazareth, hinauf nach Judäa in die Stadt Davids, die Bethlehem heißt, weil er aus dem Haus und Geschlecht Davids war, um sich erfassen zu lassen mit Maria, seiner ihm angetrauten Frau, die schwanger war. Es geschah aber, während sie dort waren, da erfüllten sich die Tage, dass sie gebären sollte. Und sie gebar ihren Sohn, den Erstgeborenen, und wickelte ihn in Windeln und legte ihn in die Krippe, weil für sie kein Raum war in der Herberge.

Und es waren Hirten in derselben Gegend auf dem Feld, die bewachten ihre Herde in der Nacht. Und siehe, ein Engel des Herrn trat zu ihnen, und die Herrlichkeit des Herrn umleuchtete sie; und sie fürchteten sich sehr. Und der Engel sprach zu ihnen: Fürchtet euch nicht! Denn siehe, ich verkündige euch große Freude, die dem ganzen Volk widerfahren soll. Denn euch ist heute in der Stadt Davids der Retter geboren, welcher ist Christus, der Herr. Und das sei für euch das Zeichen: Ihr werdet ein Kind finden, in Windeln gewickelt, in der Krippe liegend. Und plötzlich war bei dem Engel die Menge der himmlischen Heerscharen, die lobten Gott und sprachen: Herrlichkeit ist bei Gott in der Höhe und Friede auf Erden, und unter den Menschen Gottes Wohlgefallen!

Und es geschah, als die Engel von ihnen weg in den Himmel zurückgekehrt waren, da sprachen die Hirten zueinander: Lasst uns doch bis nach Bethlehem gehen und die Sache sehen, die geschehen ist, die der Herr uns verkündet hat! Und sie gingen eilends und fanden Maria und Joseph, dazu das Kind in der Krippe liegend. Nachdem sie es aber gesehen hatten, machten sie überall das Wort bekannt, das ihnen über dieses Kind gesagt worden war. Und alle, die es hörten, verwunderten sich über das, was ihnen von den Hirten gesagt wurde. Maria aber behielt alle diese Worte und bewegte sie in ihrem Herzen. Und die Hirten kehrten wieder um und priesen und lobten Gott für alles, was sie gehört und gesehen hatten, so wie es ihnen gesagt worden war.

Lukas 2,  - 20

 

Diese sogenannte Weihnachtsgeschichte kennen wir alle. Wir hören oder lesen sie wohl jedes Jahr auf irgendeine Weise. Der Text ist uns so vertraut, gehört so sehr zu Weihnachten dazu, dass man ihn sich nur schwer aus diesen Tagen wegdenken kann. Und das ist ja auch gut so, denn hier lesen wir (wieder), warum wir eigentlich Weihnachten feiern.

Aber in dem Vertrauten liegt auch eine Gefahr. Alles, was wir schon so gut kennen, hören oder lesen wir nur noch mit halbem Herzen. Es gibt ja nichts Neues darin – jedes Jahr dasselbe. Oder?? Möglicherweise geht euch das anders – aber ich muss jedenfalls zugeben, dass es mir oft so geht, und das trifft auch auf diesen Text zu.

Deshalb möchte ich euch zu Weihnachten ein paar Gedanken weitergeben, die ich mir um genau diese vielleicht bekannteste Geschichte aus der Bibel gemacht habe.

In Gedanken können wir uns mal in die Situation der Hirten vor knapp 2000 Jahren versetzen. Die hockten auf einem Feld – mitten in der Nacht. Wahrscheinlich war es ziemlich kalt, und vor allem war es – wie in jeder Nacht – ziemlich gefährlich. Wilde Tiere waren auf der Suche nach einem späten Abendessen – oder frühen Frühstück, ganz wie man’s nimmt. Frisches Lamm war ein begehrtes Mahl auf ihrem Speiseplan.

Die Aufgabe der Hirten bestand nachts vor allem darin, das Wildtier-Restaurant geschlossen zu halten. Keine ganz so einfache Aufgabe … Aber eben auch Routine. Jede Nacht dasselbe. Nichts Neues unter der Sonne … pardon, unter dem Mond.

Und dann – plötzlich und ohne Vorwarnung – wird es taghell, besser gesagt noch viel heller, gleißend hell – aber trotzdem nicht unangenehm. Gleichzeitig taucht da eine Gestalt wie aus dem Nichts auf und spricht die Hirten an, während im Hintergrund ein Chor zu singen beginnt.

Wir kennen die Begebenheit heute aus der Perspektive des Rückblicks. Die Hirten damals aber erlebten all dies hautnah und ohne „Vorwarnung“. In der biblischen Überlieferung lesen wir in wenigen Sätzen, die ganz sachlich und „cool“ klingen, dass der Engel des Herrn zu den Hirten trat, mit ihnen sprach und die „Menge der himmlischen Heerscharen“ (also zahllose weitere Engel) am Himmel erschienen.

Könnt ihr euch vorstellen, wie die Hirten sich erschrocken haben? Sie werden ganz schön verwirrt gewesen sein. Es war noch nicht die Zeit für die Dämmerung – außerdem kam die langsamer und zudem normalerweise ohne musikalische Begleitung. Und wer war der Typ, der da plötzlich merkwürdige Dinge zu ihnen sagte? Die meisten von ihnen werden vom „Engel des Herrn“ vorher noch nicht viel gehört haben. Die Hirten waren einfache Leute – Juden zwar, wie beinahe jeder in Israel, und dazu gehörte auch der Glaube an Gott, aber mit den tieferen religiösen Dingen befassen sich normalerweise nur die Gelehrten.

„Euch ist heute der Retter geboren!?“ Israel wartete auf den Messias, den Retter – ohne Frage. Und möglicherweise war diese Erwartung durchaus auch das eine oder andere Mal Gesprächsthema bei den Hirten, die nachts beieinander am Feuer saßen und ihre Herden bewachten. Doch niemand in Israel erwartete einen neugeborenen Säugling als den Messias. Jeder dachte an einen mächtigen König, einen Herrscher, der das Volk Israel von seinen Feinden, von seiner Unterdrückung, befreien würde und triumphierend alle feindlichen Völker ringsumher dem Erdboden gleichmachen würde. Ein hilfloses kleines Baby passte so gar nicht in diese Vorstellung.

Ein mächtiger König war aber derzeit weit und breit nicht in Aussicht, und deshalb rechnete wohl auch kaum jemand damit, dass in dieser Nacht irgendetwas Außergewöhnliches geschehen könnte. Schon gar nicht mit himmlischen Heerscharen, die lautstark die Stille der Nacht durchbrachen.

Also nichts mit „Stille Nacht, heilige Nacht“ … Still war diese Nacht ganz bestimmt nicht. Heilig war sie sicher schon – aber wohl auch ganz anders, als wir es uns heute vorstellen. Die Geburt eines Kindes hat so gar nichts an sich von dem, was wir im Allgemeinen unter „heilig“ verstehen. Schmerzen, Blut, ein hilfloser Ehemann  - und das alles nicht etwa in einem modernen, sterilen Kreißsaal mit ausgebildeten Fachärzten und Hebammen, sondern in einem Kuhstall. Kaum vorstellbar für uns – oder!?

Weder Maria noch Josef werden also irgendwelche „heiligen“ Gefühle gehabt haben in dieser Nacht. Und doch wussten sie mehr als jeder andere, was hier in Wirklichkeit abging. Denn das Kind, das hier gerade geboren wurde, war tatsächlich heilig. Heilig deshalb, weil es Gottes Sohn war. Heilig deshalb, weil es von Anfang an bis zum letzten Moment seines Lebens auf der Erde ganz und gar eins war mit Gott, seinem Vater im Himmel. Eins sein mit dem Vater im Himmel bedeutet, völlig einer Meinung zu sein mit ihm. Hundertprozentig. Ohne Ausnahme. Heilig deshalb, weil dieses Kind ebenso von Anfang an bis zu seinem Tod am Kreuz etwa 33 Jahre später völlig und komplett ohne jede Schuld gegenüber Gott war. Heilig deshalb, weil es ganz und gar mit Gottes Willen übereinstimmte – und deshalb vollkommen eins war mit Gott, dem Vater.

Das ist Heiligkeit. Nicht das, was die menschliche Tradition in langen Jahrhunderten daraus gemacht hat. Möglichst still, möglichst sanft, möglichst unauffällig – das ist das, was viele Menschen heute als heilig bezeichnen. Aber so war Jesus nicht. Weder bei seiner Geburt noch im Laufe seines irdischen Lebens. Und so ist er heute noch nicht.

Doch gehen wir noch einmal zurück zu den Hirten auf dem Feld. Da war diese Gestalt, die sie mitten in der Nacht ansprach. Was war das genau, was sie ihnen sagte?

Fürchtet euch nicht!
Denn siehe, ich verkündige euch
große Freude, die für das ganze Volk
sein wird. Denn euch ist heute der Retter geboren,
der ist Christus, der Herr,
in Davids Stadt.

Zuerst einmal ist der Engel des Herrn, als den wir die unbekannte Gestalt ja aus der schon erwähnten Rückblickperspektive kennen gelernt haben, auf die ganz menschlichen und überhaupt nicht heiligen Gefühle der Hirten eingegangen. „Fürchtet euch nicht!“ war das erste, was er zu ihnen sagte.

Hirten waren ganz bestimmt keine Angsthasen – das ließ ihr Job überhaupt nicht zu. Und doch erfahren wir nur einen Satz vorher, dass sie sich „sehr fürchteten“. Keine heilige Ehr¬furcht, sondern ganz menschliche blanke Angst. Vor wilden Tieren hatten sie keine Angst, mit denen hatten sie gelernt umzugehen. Mit Gestalten, die mitten in der Nacht aus dem Nichts heraus auftauchten, die ganze Umgebung in gleißendes Licht tauchten und einfach aus dem Himmel heraus mühelos direkt auf die Erde traten, nicht. Vielleicht hatte der eine oder andere Hirte irgendwann einmal in der Synagoge vom „Engel des Herrn“ gehört – begegnet aber waren sie ihm noch nie.

Und der Engel wusste das. Vermutlich war es auch nicht schwer zu erkennen in ihren entsetzten Gesichtern. Aber der Engel machte ihnen keinerlei Vorwürfe. Vielleicht hätten wir jetzt insgeheim erwartet, dass er sie zurechtweisen würde. Schließlich kam er direkt von Gott, da konnte man schon etwas mehr Ehrfurcht erwarten … Nein. Er spricht sie freundlich an und erklärt ihnen, dass sie keine Angst haben müssen. Dann, als sie sich beruhigt haben, fährt er fort.

„Ich verkündige euch große Freude!“

Nun war auch das letzte Fünkchen Angst verschwunden, denn vor einem Freudenboten muss man sich nicht fürchten. Der Engel fügte hinzu: „Diese Freude wird für das ganze Volk sein. Denn heute ist der Retter geboren – Christus, der Herr!“

Wie verwirrend muss trotz allem auch diese Aussage für die Hirten gewesen sein! Der Retter – der Messias – gerade erst geboren?? Kein König, der im Triumphzug ein¬marschiert? Dies warf alle ihre Vorstellungen und Erwartungen über den Haufen. Doch was taten sie dann?

Und es geschah, als die Engel von ihnen weg in den Himmel zurückgekehrt waren, da sprachen die Hirten zueinander: Lasst uns doch bis nach Bethlehem gehen und die Sache sehen, die geschehen ist, die der Herr uns verkündet hat! Und sie gingen eilends und fanden Maria und Joseph, dazu das Kind in der Krippe liegend.

Sie gingen nach Bethlehem. Das heißt, sie ließen ihre Herden allein zurück – vielleicht noch unter der Aufsicht eines einzigen Wächters, aber der hätte im Ernstfall alleine gegen ein wildes Tier nicht viel ausrichten können. Dass die Hirten dies taten, zeugt davon, dass sie zutiefst davon überzeugt waren, dass das, was sie gerade eben gehört hatten, die volle und ganze Wahrheit war. Andernfalls hätten sie sich wieder an ihr Lagerfeuer gesetzt und sicherlich den Rest der Nacht über die merkwürdige Begebenheit diskutiert – niemals aber hätten sie ihre Tiere alleine gelassen und wären mitten in der Nacht vom Feld einen längeren Weg in die Stadt hinein gegangen, um nach etwas zu suchen, das sie von vornherein nicht geglaubt hatten.

Vielleicht aber haben auch die Hirten sich damals schon die Frage gestellt, die auch heute noch viele Menschen haben: Wovon eigentlich soll uns Christus retten? Spätestens beim Anblick des wenige Stunden alten Babys war den Hirten restlos klar, dass sie sich von ihrer Erwartung an einen mächtigen und triumphierenden König als Messias verab¬schieden mussten. Die Rettung, die sie zusammen mit dem ganzen Volk Israel erwartet hatten, würde in der Form nicht stattfinden.

Aber wovor – und vor allem wie – sollte denn ein Säugling eine ganze Nation retten? Wie konnte das möglich sein?

Wenn sie an Jesus – dem neugeborenen Kind – drangeblieben sind, werden sie es ver¬folgt haben und einige von ihnen haben vielleicht auch noch seine Kreuzigung mit¬bekommen. Und die Auferstehung drei Tage später. Und vielleicht haben sie verstanden, dass Weihnachten und Ostern zusammengehören. Untrennbar. Ohne Karfreitag und Ostern wäre Weihnachten sinnlos.

Denn dieses Kind, das die Hirten nun in der Nacht seiner Geburt besuchten, war kein gewöhnliches Kind. Es war der Sohn Gottes, der Heiland, der Christus – der Retter. 30 Jahre später begann sein öffentlicher Dienst. Er zog durch Israel und erzählte den Menschen von seinem Vater im Himmel.

Und weitere drei Jahre später erfüllte sich dann seine Bestimmung. Indem er – der einzige jemals lebende Mensch ohne jede Sünde – die Schuld, die jeden Menschen von Gott trennt, auf sich genommen hat und sich ans Kreuz schlagen ließ, um für meine und deine Schuld zu bezahlen, vollendete er seine Aufgabe als Retter.

Jesus rettet uns davor, die Ewigkeit getrennt von Gott verbringen zu müssen. Unsere Seele ist unsterblich, und wenn der Körper stirbt, bleibt unser Bewusstsein – unsere Seele – erhalten. Und sie muss für alle Ewigkeit irgendwo weiterleben. Weil Gott heilig – wirklich heilig – ist, kann keine menschliche Seele in seiner Gegenwart sein, denn kein einziger Mensch auf dieser Erde kann völlig, komplett und vollkommen ohne Sünde sein.

Doch weil Jesus an unserer Stelle unsere Schuld schon bezahlt hat, sind wir in Gottes Augen vollkommen. Die Rechnung ist bezahlt, der Schuldschein zerrissen. Unter einer Voraussetzung: wir müssen Jesus erlauben, das für uns ganz persönlich zu tun. Wenn wir ihn darum bitten, tut er es gerne. Er wartet nur darauf, dass er es tun darf.

Doch das ist nur ein Aspekt dessen, wovor Jesus uns rettet – wenn auch sicher der wichtigste.

Aber die Rettung wird nicht erst nach unserem körperlichen Tod gültig. Jesus rettet den Menschen, der ihm sein Leben anvertraut, auch schon jetzt im ganz alltäglichen Leben. Er hat mit seinem Opfer am Kreuz einen Tausch vollzogen. Darauf jetzt noch genauer einzugehen, würde für dieses Mal zu weit führen – doch in einem Satz lässt sich dieser Tausch am Kreuz zusammenfassen: Das Böse kam auf Jesus, damit uns das Gute zur Verfügung stehen würde. Das gilt für jede noch so kleine Einzelheit in unserem ganz persönlichen Leben.

Das ist die gute Botschaft von Weihnachten. Der Retter ist geboren! Gott, der Sohn, selbst kam als Mensch auf diese Erde, um unsere Verlorenheit mit der ewigen Annahme zu tauschen!

© Lisa Holtzheimer
www.herz-toene.de

Der göttliche Tausch am Kreuz

Als ich mir Gedanken gemacht habe über dieses Seminar und diesen Gottesdienst, bin ich beim Lesen eines guten Buches auf etwas gestoßen, das mir dann sehr ins Auge sprang. Zuerst dachte ich: nun, das kennen wir alle schon, wir sind ja alle Christen, und die meisten von uns vermutlich nicht erst seit gestern … Außerdem wollte ich doch zum Thema „Leidenschaft“ predigen … und dies scheint auf den ersten Blick so gar nichts damit zu tun zu haben …

Als ich mich aber ein bisschen tiefer in das Thema eingelesen habe, schien Jesus mir zu sagen, dass es zwar stimmt, dass alle Christen dies in irgendeiner Form schon einmal gehört haben, aber dass eben sehr oft nur an der Oberfläche gekratzt wird, aber kaum jemand sich schon einmal wirklich tief damit beschäftigt hat. Ich konnte ihm nur Recht geben – ich selbst bin auch nicht erst seit gestern Christ, und trotzdem hatte ich diese Botschaft in all den Jahren noch nicht in dieser Tiefe und Ausführlichkeit gehört.

Darum möchte ich euch heute etwas tiefer mit in den „göttlichen Tausch“ hineinnehmen.

Der göttliche Tausch – was ist denn das??

Wir wissen wohl alle, dass die gesamte Botschaft der Bibel sich letztlich um ein einzigartiges historisches Ereignis dreht – nämlich den Opfertod Jesu am Kreuz. Der Schreiber des Hebräerbriefes sagt dazu:

Hebr 10, 14

Denn mit einem Opfer hat er (Jesus) die, die geheiligt werden, für immer vollkommen gemacht.

Hier wird also deutlich gemacht, dass durch den Tod Jesu alle Menschen, die an ihn glauben, vollkommen gemacht wurden – und dies gilt für immer, also für alle Zeiten – von Anfang der Welt bis hin in die Ewigkeit. Dieses Opfer Jesu gilt für jede Not der gesamten Menschheit. Es gibt keine Ausnahme. Keine Ausnahme der Not und keine Ausnahme eines Menschen. Es gilt für alle!

Paulus schreibt in Phil 4, 19:

Phil 4, 19

Mein Gott aber wird all euer Bedürfnis nach seinem Reichtum in Herrlichkeit erfüllen in Christus Jesus.

Durch die Zeiten hinweg gab und gibt es unzählige Menschen auf der Erde – und jeder dieser Menschen hat seine ganz eigenen Probleme. Jedes dieser Probleme erfordert eine individuelle Lösung, würden wir sagen. Doch Gott hat für diese unzähligen Probleme nicht viele verschiedene Lösungen.

Er bietet uns eine Lösung an, die in sich völlig ausreichend ist und mit der jegliches Problem beantwortet wird. Egal, aus welchem Hintergrund wir kommen – egal, welcher Art unser spezielles Problem ist – egal, aus welcher Kultur wir kommen, aus welchem Land, welchen Bildungsstandard wir haben … um Gottes Lösung annehmen zu können, müssen wir alle zu ein- und demselben Ort kommen: zum Kreuz Jesu.

Den umfassendsten Bericht in der Bibel über das, was am Kreuz wirklich passierte, gibt uns der Prophet Jesaja – 700 Jahre vor der Geburt Christi. In Jes. 53, 10 heißt es:

Jes 53, 10

Aber dem Herrn gefiel es, ihn zu zerschlagen; er ließ ihn leiden. Wenn er sein Leben zum Schuldopfer gegeben hat, so wird er Nachkommen sehen und seine Tage verlängern; und das Vorhaben des Herrn wird in seiner Hand gelingen

Hier zeichnet der Prophet das Bild eines Knechtes Gottes, dessen Seele Gott als Schud­opfer dargebracht werden soll. Wir gehen später noch näher darauf ein.

Die Verfasser des Neuen Testamentes sind sich einig darüber, dass dieser Knecht, dessen Name nicht genannt wird, Jesus ist.

Der göttliche Zweck, der durch sein Opfer erfüllt wird, wird in Jesaja 53, 6 zusammengefasst:

Jes 53, 6

Wir alle gingen in die Irre wie Schafe, jeder wandte sich auf seinen Weg; aber der Herr warf unser aller Schuld auf ihn.

Hierin wird gleichzeitig auch das grundlegende Problem der Menschheit deutlich: Jeder wandte sich auf seinem eigenen Weg. Nicht jeder hat dasselbe „Maß“ an Sünde – die meisten von uns haben sicher noch keinen Menschen ermordet, ausgeraubt oder die Ehe gebrochen. Doch selbst derjenige, der ein „tadelloses“ Leben führt und immer rechtschaffen gehandelt hat, sich noch nicht einmal „dunkler“ Gedanken bewusst ist, fällt unter diesen Punkt. Denn wir alle haben uns unserem eigenen Weg zugewandt und dadurch Gott den Rücken gekehrt. Niemand – ohne Ausnahme – kann sich davon frei sprechen.

Gut – dies aber nur am Rande, denn ich denke, wir alle wissen dies – ohne diese Selbsterkenntnis hätten wir uns wahrscheinlich nie zu Jesus bekehrt.

Warum ich darüber spreche, hat ja den tieferen Hintergrund, diesen göttlichen Tausch näher zu erklären.

Zusammenfassend könnte man den göttlichen Tausch in folgendem Satz wiedergeben:

Das Böse kaum auf Jesus, damit uns das entsprechende Gute angeboten würde.

Doch diese Zusammenfassung hat viele einzelne Aspekte, von denen ich auf einige hier näher eingehen möchte.

Die ersten beiden Aspekte dieses Tauschs finden wir in Jesaja 53, 4 – 5 deutlich hervorgehoben:

Jes 53, 4- 5

Fürwahr, er hat unsere Krankheit getragen und unsere Schmerzen auf sich geladen; wir aber hielten ihn für bestraft, von Gott geschlagen und niedergebeugt.

Doch er wurde um unserer Übertretungen willen durchbohrt, wegen unserer Missetaten zerschlagen; die Strafe lag auf ihm, damit wir Frieden hätten, und durch seine Wunden sind wir geheilt worden.

Hierin sind zwei Wahrheiten zusammengefügt: Die erste bezieht sich auf den geistlichen Bereich, die zweite auf den körperlichen.

Auf geistlicher Ebene hat Jesus die Strafe, die uns zustehen würde, auf sich genommen, damit wir Vergebung empfangen und Frieden mit Gott haben können.

Auf der körperlichen Ebene hat Jesus unsere Krankheiten und Schmerzen getragen, damit wir durch seine Wunden geheilt würden. Dies wird im Neuen Testament weiter bestätigt. In Mt 8, 16 – 17 wird in Bezug auf Jesaja 53, 4 über Jesus gesagt:

Mt 8, 16 - 17

… er heilte alle Leidenden, damit erfüllt würde, was durch den Propheten Jesaja geredet ist, der spricht: ‚Er selbst nahm unsere Schwachheiten auf sich und trug unsere Krankheiten.’

Und Petrus sagt in seinem 1. Brief über Jesus:

1 Pt 2, 24

Er hat unsere Sünden selber mit seinem Leibe an das Marterholz hinaufgetragen, damit wir, von den Sünden freigemacht, der Gerechtigkeit leben möchten: durch seine Wunden seid ihr geheilt worden.

Auch Petrus lehnt sich hier eng an Jesaja 53 an.

Diese beiden Aspekte des Tauschs könnte man also zusammenfassen mit den Worten:

Jesus wurde bestraft, damit wir Vergebung empfangen können.

und

Jesus wurde verwundet, damit wir Heilung empfangen können.

Ganz wichtig ist mir an dieser Stelle, dass dieser Tausch nicht erst im Himmel „gültig“ wird, sondern schon hier und heute auf der Erde Gültigkeit hat. Es heißt nicht: durch seine Wunden werdet ihr (einst im Himmel) geheilt werden. Sondern es heißt: durch seine Wunden seid ihr geheilt worden.

Vollendete Vergangenheit. Es ist schon passiert. Jesus hat uns schon Heilung geschenkt, er hat unsere Krankheiten schon am Kreuz getragen. Wir können es hier und heute in Anspruch nehmen.

Dies aber nur am Rande, das würde jetzt eine weitere Predigt erfordern, dies näher auszuführen.

Denn es gibt noch weitere Aspekte in diesem Tausch, auf die ich noch eingehen möchte.

Den dritten Aspekt finden wir wieder in Jesaja 53, 10. Dort heißt es, dass der Herr das Leben Jesu zu einem „Schuldopfer“ machte. Aus dem frühen Alten Testament kennen wir das mosaische Gesetz, in dem es verschiedene Vorschriften für Sündopfer gab.

Wer gesündigt hatte, musste dem Priester als Opfergabe einen Schafbock, einen Stier oder ein anderes Tier bringen. Dann bekannte er seine Sünde über dem Opfertier, der Priester übertrug diese Sünde symbolisch auf das Tier, das dann getötet wurde und damit für die Sünde des Menschen bezahlte. Daher stammt der Begriff „Sündenbock“, den wir auch heute noch gerne benutzen. Wer eine Sünde begangen hatte, brauchte einen Sündenbock, der anstelle des Sünders getötet wurde. Deutlich wird darin, dass es immer nötig war, Blut zu vergießen, um eine Sünde bezahlen zu können.

Diese Sündopfer des mosaischen Gesetzes dienten schon dazu, auf den Opfertod Jesu hinzuweisen, der dann für immer ausreichend war – im übrigen auch rückwirkend für die Gläubigen des Alten Bundes. Am Kreuz wurde die Sünde der ganzen Welt auf die Seele Jesu übertragen, und Jesus wurde an unserer Stelle getötet und leistete damit die Sühne für alle Sünde der gesamten Menschheit aller Zeiten.

In Anlehnung an 2 Kor 5, 21 können wir also sagen:

Jesus wurde mit unserer Sündhaftigkeit zur Sünde gemacht, damit wir mit seiner Gerechtigkeit gerecht würden.

und

Jesus starb unseren Tod, damit wir an seinem Leben teilhaftig würden.

Einen weiteren Aspekt – es ist der fünfte übrigens :-) - finden wir in 2 Kor 8, 9:

2 Kor 8, 9

Denn ihr kennt die Gnade unseres Herrn Jesus Christus, dass er, da er reich war, um euretwillen arm wurde, damit ihr durch seine Armut reich werdet.

In diesem Vers hört man den Tausch schon besonders gut heraus. Jesus wurde arm, damit wir reich würden.

Dazu muss man vielleicht erst einmal definieren, was genau Armut eigentlich ist. Wenn man sich das Leben Jesu ansieht, könnte man auf den ersten Blick meinen, Jesus sei sein Leben lang arm gewesen. Aber war er das wirklich?

Nun, er hatte – soweit wir wissen – nie viel Bargeld bei sich (und Geldautomaten gab es am See Genezareth meines Wissens nach keine … :-) ). Aber war er deshalb wirklich arm?

Ich denke nicht. Zwar sagt er sogar an einer Stelle, dass der Menschensohn nichts habe, wo er sein Haupt hinlegen könne – aber trotzdem war Jesus nicht arm, und er sah sich auch nicht so. Denn wenn wir ihn weiter beobachten, merken wir, dass er immer alles hatte, was er gerade brauchte – all seine Bedürfnisse wurden immer erfüllt. Seinen Jüngern ging es genauso. Als er sie in Lk 22, 35 fragt, ob sie jemals Mangel gelitten hätten, als er sie ohne Geldbeutel und ohne Tasche aussandte, mussten sie ehrlich antworten: „Niemals!“

Jemand, der nun immer all das hat, was er zum derzeitigen Zeitpunkt zum Leben braucht, kann man sicher nicht als arm bezeichnen. Im Gegenteil. Jesus hatte genug für sich selbst und er konnte auch jederzeit noch etwas geben. Und würde irgendjemand einen Menschen als arm bezeichnen, der 5000 Männer plus Frauen und Kinder satt machen kann? Zu diesem Zeitpunkt brauchte Jesus Nahrung für 12- bis 15.000 Menschen – und problemlos war sie da, und das ganz ohne Supermarkt …

Armut ist also sicherlich etwas anderes als der reine Mangel an Bargeld. Eine gute Definition von Armut, die wohl auch heute noch jeder unterschreiben würde, finden wir in 5 Mo 28, 48. Dort wird „Armut“ mit vier Worten zusammengefasst: Hunger, Durst, Blöße, Mangel an allem.

Und diese vier Aspekte hat Jesus am Kreuz in vollem Ausmaß erlitten. An diesem Punkt wurde Jesus arm für uns.

  • Jesus war mit Sicherheit hungrig, weil er gut 24 Stunden nichts mehr gegessen hatte.

  • Eins seiner letzten Worte am Kreuz war: „Mich dürstet!“

  • Jesus war nackt. Die Soldaten hatten ihm seine Kleidung ausgezogen, und es war üblich, dass die Verurteilten nackt ans Kreuz gehängt wurden. Für Jesus wurde sicherlich keine Ausnahme gemacht, auch wenn das aus Pietätsgründen in heutigen Darstellungen anders aussieht.

  • Jesus hatte Mangel an allem. Er hatte keinerlei Besitz mehr. Nach seinem Tod wurde er in ein geliehenes Leinentuch gewickelt, und das Grab, in das er gelegt wurde, war nicht sein eigenes. Damals war es nicht unüblich, dass Menschen ihre Grabstätten schon hatten bauen lassen (normalerweise in den Fels gehauene Höhlen) – deshalb konnte Joseph von Arimathia Jesus in das Grab legen, das er für sich selbst gekauft hatte.

Weil nun Jesus für uns arm wurde, zeigt uns Paulus in 2 Kor 9, 8 die andere Seite des Tauschs auf:

2 Kor 9,8

Gott aber vermag auf euch überströmen zu lassen jede Gnade, damit ihr in allem allezeit alles Genüge habt und überströmt zu jedem guten Werk.

Paulus macht sehr deutlich, dass die einzige Grundlage dieses Tausches die Gnade Gottes ist. Niemand kann sich diesen Tausch verdienen. Man kann ihn nur im Glauben annehmen.

Weil also Jesus für uns arm wurde, sind wir mit seinem Reichtum reich.

Das bedeutet – wie wir gesehen haben – nicht immer, jederzeit ein gut gefülltes Bankkonto zu haben. Vielmehr wird unser „Überfluss“ oft genauso aussehen wie es bei Jesus war. Wir werden nicht viel Bargeld – oder kein ständig überfließendes Bankkonto – haben; aber wir werden jeden Tag genug haben, um unsere Bedürfnisse zu stillen, die Miete zu zahlen, etwas zu essen zu kaufen … und wir werden immer noch etwas übrig haben für die Bedürfnisse der anderen.

Wir sollen unseren Zehnten geben – und wir können wirklich Arme unterstützen, indem wir spenden, sie zum Essen einladen oder was auch immer.

Wenn wir Jesu Tat am Kreuz in dieser Tiefe verstanden haben und auf uns anwenden, werden wir immer genügend Geld oder andere notwendige Mittel haben, um dies alles tun zu können, ohne in den finanziellen oder existenziellen Abgrund abzurutschen. Einen wichtigen Grund, warum Gott uns gerade auf diese Art und Weise versorgt, finden wir in Apg 20,35:

Apg 20, 35

Geben ist seliger denn nehmen.

Ein sehr einfaches, aber wirksames Prinzip. Ich selbst kann ein langes Lied davon singen. Eine genauere Ausführung würde den Rahmen dieser Predigt sprengen, aber ich erlebe tatsächlich gerade in meiner aktuellen Situation, dass Gott mich versorgt, dass ich wirklich alle meine Bedürfnisse stillen kann und tatsächlich immer noch etwas übrig ist – und das, obwohl ich rein menschlich wirklich beinahe zu wenig Geld habe.

Gott möchte, dass alle seine Kinder den größeren Segen genießen können! Deshalb versorgt er uns so reichlich, dass wir neben unseren eigenen – ganz unterschiedlichen – Bedürfnissen auch noch anderen abgeben können.

Einen letzten Aspekt – oder zwei Aspekte, die eng miteinander verwoben sind – dieses Tauschs möchte ich noch weitergeben.

Der Tausch Jesu am Kreuz erstreckt sich auch auf alle Formen emotionalen Leidens, die infolge der menschlichen Schuld entstehen. Auch hier hat Jesus das Böse ge- und ertragen, damit wir stattdessen das Gute genießen können.

Zwei der furchtbarsten Wunden, die uns unsere Schuld zufügt, sind Schmach und Ablehnung. Beide kamen am Kreuz auf Jesus.

Schmach gibt es in unterschiedlicher Intensität – weil es schon so spät geworden ist, lasse ich die Einzelheiten hier mal weg … Das Gefühl reicht auf jeden Fall von übermäßiger Verlegenheit bis hin zu einem Gefühl zermarternder Unterwürfigkeit, das den Menschen von einer sinnerfüllten Beziehung mit Gott und auch mit anderen Menschen abschneidet.

Die Hinrichtung am Kreuz war die schmachvollste aller Todesarten der damaligen Zeit. Nichts wurde dem Verurteilten erspart – wie schon erwähnt, hing er völlig nackt mit wahnsinnigen Schmerzen am Kreuz und war den Blicken der meist in Schaaren auftretenden neugierigen Menschen schutzlos ausgeliefert, wurde in aller Regel verspottet und nicht selten angespuckt.

Jesus ertrug unsere Schmach – in jeder Form, deshalb ist es Gottes Absicht, diejenigen, die ihm vertrauen, an seiner ewigen Herrlichkeit teilhaben zu lassen.

In Hebr 2, 10 heißt es.

Hebr 2, 10

Denn es geziemte ihm (Gott) … indem er viele Söhne zur Herrlichkeit führte, den Urheber ihrer Errettung (Jesus) durch Leiden vollkommen zu machen.

Die Schmach, die Jesus am Kreuz ertragen hat, hat allen, die ihm vertrauen, den Weg zur Befreiung von ihrer eigenen Schmach geöffnet – und darüber hinaus teilt Jesus mit uns auch noch die Herrlichkeit, die ihm aufgrund des ewigen Rechts zusteht!

Und auch dieser Tausch – wie alle vorherigen auch – hat seine Gültigkeit hier und jetzt, für mich und für dich heute! Wir müssen keine Schmach mehr fühlen, denn wir sind zur Herrlichkeit berufen!

Sehr Ähnliches gilt für die Ablehnung. Ablehnung verursacht oft noch viel größeres Leid als Schmach. In der Regel rührt sie von irgendeiner zerbrochenen Beziehung in der Kindheit her, in der frühesten Form tritt sie auf, wenn eine Frau ihr noch ungeborenes Kind ablehnt. Diese Gefühle werden schon dann auf das Kind übertragen, und im schlimmsten Fall quält sich dieses Kind bis ans Ende seines Lebens damit, nicht gewollt zu sein. Dies wird dann auf andere Menschen und nicht selten auch auf Gott übertragen.

Es gibt weitere Gründe dafür, dass ein Mensch mit Ablehnung kämpft – hier soll es nun wieder mehr um die Heilung davon gehen als um die Gründe. In Mt 27, 46 und 50 können wir nachlesen, wie Jesus in der schlimmsten Stunde seines Lebens die Ablehnung pur ertragen musste:

Mt 27, 46

Um die neunte Stunde aber schrie Jesus mit lauter Stimme auf uns sagte: ‚Eli, Eli, lemá sabachtháni?’ Das heißt: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?

Zum ersten Mal in der Geschichte des Weltalls rief der Sohn Gottes zu seinem Vater und bekam keine Antwort. Jesus war so sehr eins mit der Schuld der Menschen, dass Gott in seiner kompromisslosen Heiligkeit sogar seinen eigenen Sohn verwerfen musste.

Jesus litt also unter der Ablehnung in ihrer qualvollsten Form – vom eigenen Vater abgelehnt zu werden. Beinahe unmittelbar darauf starb er, und Psalm 69, 20 sagt uns, dass er nicht in erster Linie an den Wunden der Kreuzigung starb, sondern an einem gebrochenen Herzen.

Und dann passierte es! Der Vorhang des Tempels zerriss in zwei Stücke, von oben bis unten!

Der Vorhang des Tempels war ein riesiges, zentnerschweres Stück Stoff, mehrere Meter hoch und mehrere Zentimeter dick. Kein Mensch hätte es je einfach so zerreißen können – schon gar nicht von oben nach unten.

Durch dieses symbolhafte Geschehen wurde deutlich, was in diesem Moment, in dem Jesus starb, wirklich passierte: Die Tür für eine direkte Beziehung des Menschen zu Gott war geöffnet worden – besser gesagt: sie war herausgerissen und weggeworfen worden.

Der Vorhang im Tempel hing vor dem Allerheiligsten – dieses dufte kein Normalsterblicher betreten. Allein der Hohepriester durfte nur einmal im Jahr dort hinein. Und wenn er hineinging, trug er ein Gewand mit Glöckchen, so dass man draußen hören konnte, wenn er sich bewegte – und er hatte ein Seil um seinen Fuß gebunden, damit man ihn – sollte er ausgerechnet im Allerheiligsten sterben – an diesem Seil herausziehen konnte, denn niemand anders durfte ja diesen Raum betreten.

Nun war dieser Vorhang, der mächtiger war als eine Gefängnismauer, zerrissen – der Zugang zum Allerheiligsten war ein- für allemal frei!

Die Ablehnung Jesu hat dazu geführt, dass wir von Gott als seine Kinder angenommen werden konnten und wurden!

Die jetzt erwähnten Aspekte des göttlichen Tausches sind längst nicht alle. Es gibt im Grunde keine Not, keinen Mangel, der sich nicht aus der Rebellion des Menschen gegen Gott ableiten lässt. Deshalb gilt für jede Not und jeden Mangel dasselbe Prinzip des göttlichen Tausches:

Das Böse kam über Jesus, damit uns das Gute angeboten würde.

Wenn wir lernen, dieses Prinzip in unserem Leben anzuwenden, wird Gottes Fürsorge für all unseren Mangel freigesetzt.

Die letzten Worte Jesu am Kreuz waren: „Es ist vollbracht!“

Es ist vollbracht – das war ein Schrei des Triumphes! Jesus hatte jegliche schlimme Konsequenz, die die Rebellion über die Menschen gebracht hatte, auf sich genommen. Er hatte jeden Fluch des gebrochenen göttlichen Gesetzes ausgeschöpft. Er tat all das, damit wir stattdessen jeden Segen empfangen könnten, der ihm für seinen Gehorsam zustünde.

Und hier schließt sich der Kreis zum Thema „Leidenschaft“. All das, was Jesus für uns am Kreuz getan hat, ist Leidenschaft in Vollendung.

Leidenschaft – Passion – etwas aus ganzem Herzen tun … Das hat Jesus getan. Er hat sich ans Kreuz schlagen lassen, hat all diese Dinge erduldet, um uns Befreiung davon zu verschaffen, um uns Heilung, Herrlichkeit, Annahme, Reichtum und Leben im Überfluss zu ermöglichen. Und er tat es aus ganzem Herzen, aus reiner Liebe! Das ist Leidenschaft in ihrer pursten Form.

Ich möchte euch ermutigen, auch leidenschaftlich darauf zu antworten. Nicht mir, sondern Jesus. Ich möchte euch ermutigen, in Jesu Opfer am Kreuz mehr als die „reine Errettung“ zu sehen. Ich bin viele Jahre lang gelehrt worden, nur diesen einen Aspekt zu sehen – Jesus starb für mich, damit ich errettet bin. Das ist absolut richtig – aber wie wir heute gesehen haben, reicht Jesu Opfer viel weiter. Und es ist nicht erst auf die Ewigkeit bezogen, sondern meint unser Leben heute, hier und jetzt.

Amen

 

 

© Lisa Holtzheimer

Bei Jesus in die Schule gehen 2 - Höhere Schule

Diese Predigt hier hören

Wisst ihr noch, worüber ich das letzte Mal gesprochen habe?

Richtig, wir waren in der Schule. Und was eine richtige Schule ist, die ist nicht an einem Sonntagvormittag vorbei … Sie dauert viele Jahre. Keine Angst, ich habe nicht vor, die nächsten 10 Jahre nur noch über Schule zu predigen … aber heute möchte ich noch einmal anknüpfen an das letzte Mal. Vielleicht sollte ich besser sagen, Jesus möchte noch einmal anknüpfen, denn ihm ist dieses Thema offenbar sehr wichtig.

Letztes Mal haben wir uns über neugeborene Christenbabys unterhalten und über die Grundschule, in die ein Mensch nach seiner Wiedergeburt eintritt. Heute geht es in die höhere Schule – in die oberen Klassen sozusagen, denn den ersten Schritt in die höhere Schule hatten wir ja letztes Mal auch schon getan. Aber eine gute höhere Schule dauert viel länger als die Grundschule – und wenn Jesus uns mit in die Schule nimmt, dann können wir erwarten, dass es die beste höhere Schule ist, die es gibt. Eine höhere Schule hat auch einen höheren Anspruch als die Grundschule – und mit dieser höheren Schule ist es natürlich ganz genauso.

Den Grundstock in unserem Leben als Christ haben wir schon gelegt. Wir sind wiedergeboren und haben uns auch schon ein paar Gedanken über manche Dinge gemacht. Wir gehen ziemlich regelmäßig in den Gottesdienst und vielleicht auch noch in den Hauskreis.

Wenn das allerdings schon alles ist, was unser Leben als Christ ausmacht, dann haben wir Gottes höhere Schule noch nicht durchlaufen, sondern sind noch in der Grundschule.

Wenn ein Kind geboren ist, ist es noch hilflos und vollständig darauf angewiesen, dass seine Eltern die Verantwortung für sein Leben übernehmen. Genauso übernimmt Jesus vollständig die Verantwortung für dich, wenn du ganz frisch wiedergeboren bist. Du bist ja dann in eine für dich völlig neue und unbekannte Welt hineingeboren, die du erst kennen lernen musst. Somit reicht es zu Anfang natürlich, dich in Gottes Liebe zu „sonnen“ und erst einmal mit staunenden Augen um dich herumzuschauen, um all das Neue kennen zu lernen. So machen es neugeborene Babys ja auch. Die erste Zeit genügt es ihnen vollkommen zu spüren, dass die Mutter sich um alles kümmert. Trinken und schlafen ist ihre Lieblingsbeschäftigung. Doch das bleibt nicht lange so. Schon bald entdecken sie die Welt mit ihren eigenen Augen – und sehr bald auch mit ihren eigenen Händen und Füßen.

Und mit jedem Schritt, den ein Kind mehr in die Selbständigkeit des Lebens macht, wächst auch die eigene Verantwortung in dem Maß mit. Ein Kleinkind kann nur ein Minimum an Eigenverantwortung übernehmen, aber es kann schon sehr bald selbst entscheiden, wann es Hunger oder Durst hat und ein Weilchen später auch schon alleine essen und trinken. Dafür kann es die Verantwortung schon in einem gewissen Maß übernehmen. Alleine über die Straße gehen kann es dann noch lange nicht. Aber auch das kommt nach einer angemessenen Zeit des Aufwachsens und Lernens.

Zu dieser Zeit gehören auch Versuche und „auf die Nase fallen“. Ein Kind versucht viele Dinge, und manchmal müssen die Eltern eingreifen, wenn der Entdeckerdrang gefährlich wird. Aber es kommt der Tag, an dem ein Kind gelernt hat, mit einer Schere umzugehen, und dann kann es auch lernen, mit dieser Schere verantwortlich umzugehen. Und es wird es lernen.

Kinder wollen auch lernen. Kinder wollen sich von den Eltern abnabeln und ihre eigenen Wege gehen und ihre eigenen Erfahrungen machen. Und dies ist ein normaler, gesunder und notwendiger Prozess.

Dieser Prozess ist aber nur dann gesund und kann normal verlaufen, wenn das Kind für seine eigenen Wege auch zunehmend die Verantwortung übernimmt. Unser deutsches Gesetzbuch teilt ja das Leben von Kindern und Jugendlichen auch in verschiedene Geschäftsmündigkeits- und Strafmündigkeitsstufen ein. Diese Einteilung orientiert sich am Alter des Kindes und der in diesem Alter zu erwartenden Verantwortungsfähigkeit. Sie steigert sich nach und nach.

Kind zu sein, bedeutet also nicht nur, sich auf das Trinken und Schlafen zu beschränken und ansonsten alles die Eltern tun zu lassen. Kind zu sein, bedeutet – ganz automatisch – Wachstum. Wachstum in Körpergröße sowieso, aber eben auch in den Lebensprozessen. Wachstum in Verständnis und daraus resultierend Wachstum in Eigenverantwortung.

Kind Gottes zu sein, durchläuft einen sehr ähnlichen Prozess. Über die Anfänge haben wir letztes Mal gesprochen, das will ich hier jetzt nicht alles wiederholen. Heute geht es um die Verantwortung, die wächst, je mehr ich als Christ wachse.

Denn auch als Kind Gottes wachse ich – nun vielleicht nicht mehr an Körpergröße, aber durchaus an Verständnis und Reife. Und an diese Punkte knüpft sich die Verantwortung für unser tägliches Leben als Christ.

Verantwortung ist ja immer auch geknüpft an ein Gegenüber. Wir haben Verantwortung ganz allgemeiner Art – gegenüber der Natur oder der Umwelt oder Verantwortung persönlicher Art gegenüber den Nachbarn, den Eltern, den Kindern … Verantwortung ist nie ein „luftleerer“ Begriff, der ins Nichts greift.

Unsere Verantwortung als Christ ist geknüpft an das Gegenüber Jesus. Ihm sind wir verantwortlich, und er wird eines Tages Rechenschaft von uns fordern über unser Leben. Er wird uns fragen, was wir aus unserem Leben gemacht haben und wie wir mit seinen Gaben, aber auch mit seinen Geboten umgegangen sind.

Wenn wir also die himmlische Grundschule verlassen haben, geht es mehr in die Tiefe. Letztes Mal habe ich gesagt, dass es am Anfang der höheren Schule u. a. darum geht, mehr Vertrauen und Glauben zu lernen. Eine Folge davon ist auch wieder mehr Verantwortung.

Und – mal zwischendurch – all dies ist nicht optional, nicht unserem so oft hochgehaltenen freien Willen überlassen. Als Kinder Gottes untersteht unser Wille dem Willen Gottes. Nicht mehr länger wir selbst bestimmen, wo es lang geht. Gott bestimmt unseren Weg. Gott will uns führen. Weil er ein überaus gnädiger Gott ist, lässt er uns manchmal eine Zeitlang an einer sehr langen Leine laufen – aber das andere Ende der Leine hat immer noch er in der Hand.

Wir können uns also nicht einfach entscheiden, ob wir die Verantwortung, die das Leben als Christ mit sich bringt, wirklich übernehmen wollen. Indem wir Jesus unser Leben anvertraut haben, haben wir diesen Vertrag unterschrieben, in dem steht, dass wir bereit sind, unser Leben nach Gottes Willen auszurichten und die Verantwortung dafür auch zu übernehmen.

So viele Christen bekehren sich (okay, wenn sie Christen sind, haben sie diesen Schritt schon hinter sich J ), gehen Sonntags in die Kirche oder Gemeinde, vielleicht noch einmal in der Woche in den Hauskreis, geben ein paar Euro in die sonntägliche Kollekte – und damit denken sie, ihrer Verantwortung als Christ voll und ganz nachgekommen zu sein. Den Rest der Woche gehen sie ihren eigenen Dingen nach.

Jesus hat mich an Salomo erinnert. In 1. Könige 6 und 7 können wir nachlesen, wie Salomo den Tempel und seine eigenen Paläste gebaut hat. Zuerst hat er mit dem Bau des Tempels begonnen, so wie Gott es seinem Vater David gesagt hatte. David wollte dem Herrn einen Tempel bauen, aber Gott hat es ihm verwehrt – auf die Gründe hier genauer einzugehen, würde den Rahmen dieser Predigt sprengen. Ihr könnt es im 2. Samuel und weiter in 1. Könige nachlesen.

Stattdessen hat Gott David gesagt, dass sein Sohn Salomo ihm den Tempel bauen würde. Und Salomo hat diese Verantwortung sehr ernst genommen. Es war im Grunde noch nicht einmal seine eigene Entscheidung. Gott hat dies entschieden. Er hat Salomo nicht vorher gefragt: „Hast du vielleicht Lust, mir einen Tempel zu bauen?“ Nein, er sagt zu Salomos Vater, dass dessen Sohn diesen Tempel bauen wird.

Salomo hat diese Verantwortung ohne Zögern angenommen, weil Gott es gesagt hat. Das war für ihn Grund genug, keinen Moment lang daran zu zweifeln, dass es richtig ist, sich dieser Aufgabe zu stellen.

Salomo hat 11 Jahre lang am Tempel gebaut – und 13 Jahre lang an seinen Palästen. Im ersten Augenblick sieht das so aus, als hätte er sich doch mehr um seine eigenen Angelegenheiten gekümmert als um den Tempel Gottes. Aber der Umkehrschluss kommt der Wahrheit sehr viel näher. Noch bevor Salomo mit dem Bau des Tempels und der Paläste begann, bat er Gott in 1. Könige 3 um Weisheit. Gott hatte ihn aufgefordert, um das zu bitten, was er Salomo geben sollte. Und Salomo bat nicht um Reichtum, Macht, Gesundheit oder andere Dinge, die das Herz begehrt, sondern er bat um Weisheit und um ein gehorsames Herz. Mal ehrlich – wie leicht wäre uns so ein Gebet von den Lippen gekommen, wenn Gott uns fragt: „Bitte, um was immer du willst, und ich werde es dir geben.“?

Salomo bat um ein gehorsames Herz. Und Gottes Antwort darauf finden wir in

1. Könige 3, 11 – 13:

1. Kö 3,

11 - 13

Und Gott sprach zu ihm: Weil du darum bittest und bittest weder um ein langes Leben noch um Reichtum noch um deiner Feinde Tod, sondern um Verstand zu hören und recht zu richten,

siehe, ich gebe dir ein weises und verständiges Herz, so dass deinesgleichen vor mir nicht gewesen ist und nach dir nicht aufkommen wird.

Und dazu gebe ich dir, worum du nicht gebeten hast, nämlich Reichtum und Ehre, so dass deinesgleichen keiner unter den Königen ist zu deinen Zeiten.

Deshalb konnte Salomo noch länger an seinen Palästen bauen als er am Tempel gebaut hat. Gott hat ihm all dies wortwörtlich hinzugetan. Warum? Weil Salomo gehorsam war und seine Verantwortung vor Gott sehr ernst genommen hat.

Was hat das nun mit uns zu tun? Eine ganze Menge. Wir haben eine Verantwortung für unser Leben als Christ. Ob wir wollen oder nicht. Wie gesagt – nicht optional. Wir haben die Verantwortung, Jesus ernst zu nehmen. Wirklich ernst zu nehmen. Als Gegenüber, als Ansprechpartner in allen Fragen und als Herr unseres Lebens! Wir haben die Verantwortung, Jesus beim Wort zu nehmen. Die Verantwortung, mit Jesus Kontakt zu halten und sein Wort immer besser kennen zu lernen. Die Verantwortung, diese Dinge und Erkenntnisse, die daraus resultieren, in unserem ganz persönlichen Leben umzusetzen. Und wir haben die Verantwortung, uns zu allererst um das Reich Gottes zu kümmern.

Gott hat mich an die Geschichte mit Salomo und dem Tempelbau erinnert und mir gesagt: „Ihr macht es genau umgekehrt. Ihr sorgt euch erst um euer eigenes Haus, um euer Auto, um euren Urlaub, um die Stromrechnung, die Wasserrechnung, die Telefonrechnung, den Lebensunterhalt. Wenn dann noch etwas übrig bleibt, bekomme ich vielleicht noch etwas davon ab.“

Und ich jedenfalls muss mir die Frage gefallen lassen, ob ich es nicht genauso mache. Mein Verstand kann ja rechnen. Es fällt mir oft schwer genug, den Zehnten am Anfang des Monats zu geben, obwohl ich weiß, dass meine Miete und so viele andere Dinge bezahlt werden müssen. Und es gab immer wieder Zeiten, in denen ich mich von meinem Verstand austricksen lassen habe und dann, wenn das Geld knapp wurde, als erstes am Zehnten gespart habe. Ich habe mir vorgenommen, das nicht wieder einreißen zu lassen – weiß aber auch sehr gut, dass diese Entscheidung immer wieder neu getroffen werden muss.

Der Verantwortung Gott gegenüber gerecht zu werden, ist aber genau das Umgekehrte. Der Zehnte gehört Gott. Das ist auch nicht optional. Wenn wir Gott den Zehnten vorenthalten, bestehlen wir ihn. Und was sagt die Bibel über Diebstahl?`

1. Kor 6, 9. 10

Oder wisst ihr nicht, dass die Ungerechten das Reich Gottes nicht ererben werden? Lasst euch nicht irreführen! Weder Unzüchtige noch Götzendiener, Ehebrecher, Lustknaben, Knabenschänder,

Diebe, Geizige, Trunkenbolde, Lästerer oder Räuber werden das Reich Gottes ererben.

Dies bezieht sich in erster Linie auf ganz irdische Fehltritte – und nur einen Vers weiter sagt Paulus auch deutlich, dass wir als wiedergeborene Christen durch den Namen Jesu reingewaschen und geheiligt sind.

Aber gerade diese Tatsache, dass wir durch das Blut Jesu nicht mehr zu dem Personenkreis gehören, der das Reich Gottes nicht ererben wird, führt uns unsere Verantwortung nur umso mehr vor Augen. Wenn wir schon keine Mitmenschen bestehlen sollen, wie viel weniger dürfen wir Gott bestehlen?

Ziemlich am Anfang der Bibel und auch ziemlich am Anfang der Menschheitsgeschichte hat Gott relativ klar festgelegt, wie wir mit den Gaben, die letztlich alle von ihm kommen, umgehen sollen.

5 Mo 10, 14a

(HfA)

Bringt jedes Jahr den zehnten Teil eurer Getreide-, Weintrauben- und Olivenernte sowie eure erstgeborenen Kälber, Lämmer und Ziegenböckchen an den Ort, wo der Herr, euer Gott, wohnt.

Das ist eine klare Ansage. Jedes Jahr den zehnten Teil sämtlicher Ernte. Die meisten von uns haben keinen Bauernhof mehr – und selbst wenn, wäre kein Pastor wirklich glücklich, wenn ein Bauer mit seinem Traktor vorgefahren käme und ein paar Zentner Getreide oder vielleicht ein paar Kälber und Lämmer im Hausflur abstellen würde …

Aber die veränderten wirtschaftlichen Bedingungen ändern nichts an der Grundaussage dieses Verses. Der zehnte Teil all unseres Einkommens – das heutzutage nicht mehr in Ziegenböcken und Lämmern gezählt wird, sondern in Euro – gehört Gott! Die Bibel sagt sehr deutlich, dass dieser zehnte Teil nicht uns selbst gehört. Er gehört in die Gemeinde. Eigentlich ist der Zehnte im Sinne der Bibel sogar noch nicht einmal dafür da, die Gemeinderäume zu unterhalten (was damals die Stiftshütte war), sondern der zehnte Teil allen Einkommens war dazu da, die Diener des Herrn zu bezahlen, die nämlich sonst verhungert wären, weil sie ihren Dienst für Gott ernst nahmen und deshalb keine Felder bestellen konnten und keinen Hof führen konnten. Alle anderen Dinge, die zum Unterhalt der Stiftshütte nötig waren, wurden durch zusätzliche Opfer bezahlt.

Übersetzt in unsere heutige Zeit heißt das, dass 10 % unseres monatlichen Einkommens nicht uns, sondern Gott gehören. Von diesen 10 % sollen die Diener der Gemeinde bezahlt werden.

Wenn wir uns dieser Verantwortung nicht stellen, bestehlen wir Gott. Und letztlich bestehlen wir damit auch uns selbst. Ich erinnere noch einmal an den Vers aus Maleachi 3:

Mal 3, 10

Bringt aber die Zehnten in voller Höhe in mein Vorratshaus, auf dass in meinem Hause Speise sei, und prüft mich hiermit, spricht der HERR Zebaoth, ob ich euch dann nicht des Himmels Fenster auftun werde und Segen herabschütten die Fülle.

Wenn wir den vollen Zehnten geben, dann wird Gott sein Versprechen halten und uns des Himmels Fenster auftun und uns Segen die Fülle herabschütten. Dann wird er uns mit allem versorgen, was wir brauchen – so wie er es mit Salomo getan hat.

Wenn wir aber Gott nicht gehorchen und immer unseren eigenen Maßstab an unsere Verantwortung anlegen, dann kann Gott auch seinen Segen nicht ausschütten über uns. Jesus will, dass wir sein Wort endlich ernst nehmen und ihm endlich vollkommen glauben und vertrauen. Er ist der Herr der Herren, der König der Könige und er ist der Allmächtige. Ihm gehorchen Wellen, Wind und Meer. Er hat alle Macht im Himmel und auf Erden.

Wieso glauben nur ausgerechnet wir Menschen so oft, dass wir uns aus seinem Wort nur das herauszupicken brauchen, was uns gerade gefällt? Ganz das Gegenteil ist der Fall. Je länger wir Christ sind, je länger wir im Glauben wachsen, desto größer wird auch unsere Verantwortung, uns wirklich nach Gottes Wort zu richten. Mehr Wissen ist immer auch mehr Verantwortung. Mehr Wissen und mehr Verantwortung führt zu verantwortlicherem Handeln.

Unser Handeln und unsere Verantwortung ist nicht optional. Es ist gebunden an Gottes Wort und seine klaren Anweisungen, wie wir damit umgehen sollen. Wir dürfen – nein, wir sollen sogar – ausprobieren, wir dürfen Gott prüfen und wir dürfen bei allem auch mal auf die Nase fallen. Aber eins dürfen wir nicht: liegen bleiben und die Verantwortung für unser Aufstehen jemand anders „in die Schuhe schieben“. Gott erwartet, dass wir aufstehen und weitere Schritte im Glauben und im Gehorsam machen. Dann wird er die Schleusen des Himmels öffnen und seinen Segen ohne Ende auf uns herabschütten.

Wollen wir das? Dann lasst uns heute den Entschluss fassen und uns Gott ganz neu unterstellen und ihn um Weisheit bitten, unserer Verantwortung als Christen nachzukommen.

 

Amen

© Lisa Holtzheimer

Bei Jesus in die Schule gehen

Diese Predigt hier hören

Ich möchte euch heute mitnehmen in die Schule. Erinnert ihr euch noch an eure Schulzeit? Einige unter uns brauchen sich gar nicht zu erinnern, für sie ist es noch Alltag :-) . Aber für andere ist die Schulzeit schon ziemlich lange her – für mich ja auch. 1981 bin ich aus der Schule entlassen worden, und wenn ich zurückdenke, scheint mir das wie ein anderes Leben gewesen zu sein.

Es gab Zeiten, in denen bin ich gerne in die Schule gegangen – vor allem in den letzten beiden Jahren. Es gab aber auch Zeiten, in denen habe ich die Schule regelrecht gehasst. Das hatte ganz unterschiedliche Gründe, aber einen Anteil daran hatten ein paar Lehrer, die mir das Leben dort wirklich schwer gemacht haben. In diesen Jahren war jeder Tag, der nicht in den Ferien lag, eine echte Qual für mich – und ich kann mich noch gut erinnern, wie ich so ab Mitte der Sommerferien angstvoll die Tage gezählt habe, bis die schulfreie Zeit zu Ende war und ich wieder in die Höhle des Löwen musste.

Heute – im Nachhinein – stehe ich zwar manchen Methoden der Lehrer immer noch kritisch gegenüber, bin aber dankbar für die Zeit, die ich in die Schule gehen durfte – und ärgere mich manchmal, dass ich nicht einen höheren Abschluss machen konnte.

In den Jahren nach der Mittleren Reife habe ich dann noch so manche Schulbank gedrückt – Ausbildung, Führerschein, Umschulung, VHS, Bibelschule … diverse Seminare und Kurse nicht zu vergessen. Denn eigentlich macht mir das Lernen Spaß. Es müssen nur die richtigen Umstände sein, in denen ich lerne.

Ich vermute, das geht den meisten unter euch genauso. Etwas Neues zu lernen, mehr zu wissen, eine Sprache zu lernen oder – je nach Interessengebiet – komplizierte physikalische Gesetze zu erforschen, ist hochinteressant und steigert auch das Selbstwertgefühl. Trotzdem weckt vielleicht alleine das Wort „Schule“ bei vielen eher unangenehme Gefühle und Erinnerungen.

So ging es mir auch, als mir Jesus sagte, dass er mich in seine Schule nehmen wollte. Interessanterweise war meine erste Reaktion darauf noch nicht einmal die Erinnerung an meine eigene Schulzeit, sondern es kam noch viel schlimmer: in meinem Kopf formten sich Bilder aus uralten Erzählungen von meinem Vater, der in den 1930er-Jahren zur Schule gegangen ist. Sofort sah ich Bilder von mit Rohrstöcken bewaffneten Lehrern vor mir, die nur darauf warten, dass ich einen Fehler mache, zu spät komme oder zur falschen Zeit niese … Dann konnten sie ihre Macht demonstrieren und ohne Rücksicht auf Verluste auf die Finger oder noch andere Körperteile ihrer armen Schüler losschlagen.

Nicht sehr erstaunlich also, dass mir der Gedanke, bei Jesus in die Schule gehen zu „müssen“, nicht besonders attraktiv erschien …

Noch bevor ich das überhaupt wirklich registrieren konnte, hat Jesus mich dann genau damit überführt. Wie gut, dass er sich nicht beleidigt in die Ecke verzieht, wenn wir solche falschen Gedanken über ihn haben … Sonst wäre ich jetzt nicht in der Lage, euch eine Predigt über dieses Thema zu halten, sondern würde vermutlich auch in der Ecke sitzen und mich nicht mal an das Schultor wagen, geschweige denn, die Tür zu öffnen …

So aber hat Jesus mich mitgenommen in seine Schule und mir eine Menge darüber gesagt. All diese Dinge sind uns nicht wirklich unbekannt – wie wohl überhaupt so viele Wahrheiten, die wir im Laufe unseres Christenlebens vielleicht schon x-mal gehört haben. Ich habe gemerkt, dass es trotzdem wichtig ist, sie ab und zu wieder ganz neu zu hören und zu lernen. Wie in der echten Schule eben – da hört man den Stoff auch immer wieder, bis man ihn (hoffentlich …) wirklich gelernt hat.

Der Unterschied zwischen der irdischen und der himmlischen Schule besteht nun nicht nur in der Person des Lehrers, sondern auch in der Art und Weise des Unterrichts und vor allem im Zeitpunkt des ersten Schultags.

Zumindest in Deutschland beginnt eine Schullaufbahn meistens mit 6 Jahren – manchmal auch erst mit 7. Bis dahin ist ein Kinderleben Freiheit pur. Keine lästigen Hausaufgaben, wenn man viel lieber spielen will, nicht jeden Morgen früh aufstehen müssen, auch wenn man noch müde ist – und selbst den Kindergarten kann man mal schwänzen, wenn Mama oder Papa es erlauben. Mit dem ersten Schultag ist es mit dieser Freiheit vorbei.

Das wiederum empfinden aber nur ältere Kinder so – denn die allermeisten Kinder freuen sich auf ihren ersten Schultag und auch darauf, nun endlich zu den „Großen“ zu gehören, die in die Schule gehen dürfen. Erst später wird die Schule als eine Art „Freiheitsberaubung“ empfunden und das Lernen zur lästigen Pflicht.

Noch ein paar Jahre später ändert sich dies – meistens – zum Glück auch wieder und die nun älter gewordenen Kinder sind dankbar für das, was sie lernen durften.

Die himmlische Schule unterscheidet sich in so einigen Punkten davon. Hier beginnt der Unterricht nicht nach den ersten 6 oder 7 Lebensjahren, sondern schon am ersten Lebenstag. Jesus nimmt uns sofort mit unserer Bekehrung in die Schule. Mit unserer Entscheidung für Jesus fängt unser neues Leben an – man könnte auch sagen, unser eigentliches Leben fängt an. Denn laut Bibel sind wir vorher tot in der Sünde. Wenn wir Jesus unser Leben übergeben haben, dann sind wir vom Tod zum Leben übergegangen.

Joh 5, 24

Wer mein Wort hört und glaubt dem, der mich gesandt hat, der hat das ewige Leben und kommt nicht in das Gericht, sondern er ist vom Tode zum Leben hindurchgedrungen.

So wie das natürliche Leben mit der Geburt beginnt, beginnt das geistliche Leben auch mit einer Geburt – mit der Wiedergeburt oder Bekehrung. Und genau wie im natürlichen Leben beginnt auch der Lernprozess des – geistlichen – Babys an demselben Tag.

Viele Christen sind so geprägt, dass sie glauben, mit der Bekehrung wurde eine Art Stoppschild in ihrem Leben gesetzt. Das Stoppschild stoppt das alte Leben. Bis dahin ist dagegen auch nichts zu sagen.

Die weitere Vorstellung ist dann aber zu oft nur noch ein Stillstand. So, als würde man an der Straßenecke mit dem Stoppschild auf ewig stehen bleiben. Das alte Leben liegt hinter mir, und die Straße ist günstigerweise auch noch eine Einbahnstraße, so dass ich nicht zurückfahren kann. Vor mir steht das Stoppschild – und somit kann ich mich hier gemütlich einrichten.

Ich ziehe eine Hecke um mein Auto, pflanze ein paar hübsche Blümchen, lege eine Terrasse an und höre natürlich im Autoradio nur noch fromme CDs. Mit einem Gartenstuhl aus dem Kofferraum setze ich mich unter die Markise, die ich vom Autodach zum Stoppschild gespannt habe, und mache brav jeden Morgen nach dem Aufstehen 10 Minuten Stille Zeit. Natürlich mit geschlossenen Augen und gefalteten Händen …

Dann gehe ich meinem Alltag nach und bin ein toller Christ geworden. Manchmal schaue ich mich vielleicht noch nach hinten um und ärgere mich über all die Autos, die in der Straße „Altes Leben“ wild und scheinbar ohne Regeln kreuz und quer durch die Gegend fahren, aber dann erinnere ich mich daran, dass ich als Christ ja nicht zurückschauen soll, und entschließe mich vielleicht, lieber hinter meinem Auto eine höhere Hecke zu pflanzen, damit ich nicht in Versuchung gerate, dies doch zu tun …

Eine witzige Vorstellung von dem Leben im Auto am Stoppschild – aber genauso leben unzählige Menschen ihr Christsein, weil diese Tradition in vielen Kirchen und Gemeinden seit vielen Jahren gehegt und gepflegt wird. Doch das macht sie deshalb noch nicht richtiger.

In Wahrheit ist nämlich genau das Gegenteil der Fall. So wie ein Baby mit seiner Geburt in eine ganz neue, ihm bisher unbekannte, Welt hineinkommt, und den Umgang mit dieser Welt jetzt lernen muss, so geht es auch neugeborenen Christenbabys. Oder zurück zum Auto: Wir müssen in die neue, unbekannte Straße abbiegen, das Stoppschild hinter uns lassen und Gas geben, um weiterzukommen.

Mit einem neugeborenen Baby passiert im Grunde nichts anderes. Das Leben ist ja kein einmaliger Akt, sondern fängt mit der Geburt an und geht von dem Zeitpunkt an in einen unaufhörlichen Prozess über. Kein Mensch bleibt immer Baby – dazu braucht er sich nicht zu entscheiden oder zu überlegen, ob er überhaupt wachsen will. Das passiert von ganz alleine. Ein Kind beginnt zu wachsen – körperlich ebenso wie geistig. Stoppschilder nützen hier nichts – nichts und niemand wird ein Kind davon abhalten können zu wachsen.

Das Ganze passiert langsam und in Entwicklungsschritten. Ein neugeborenes Baby springt nicht aus seiner Wiege und macht einen Dauerlauf. Zuerst lernt ein Baby zu trinken und sich bemerkbar zu machen, wenn es irgendwelche Bedürfnisse hat. Und eine liebevolle Mutter wird darauf achten, was ihrem Kind fehlt. Wenn es Hunger hat, wird sie ihm Nahrung geben – und das ganz abgestimmt auf den Entwicklungsstand des Kindes. Keine Mutter wird ihrem 4 Wochen alten Säugling Schwarzbrot servieren. Das Baby könnte damit nichts anfangen und würde verhungern, obwohl die Nahrung vielleicht sogar in seiner Hand liegt.

Genauso macht es Jesus mit uns. Wenn wir neu geboren werden, beginnen wir zu lernen – wir gehen sofort in die Schule Jesu. Und auch er serviert uns nicht gleich Schwarzbrot, wenn wir noch nicht mal Milchbrötchen kauen können, sondern zuerst nur Milch trinken. Nein, er füttert uns auch zuerst mit Milch, denn etwas anderes können wir noch gar nicht vertragen.

Hebr 5, 13

Denn wem man noch Milch geben muss, der ist unerfahren in dem Wort der Gerechtigkeit, denn er ist ein kleines Kind.


Aber ebenso wie im natürlichen Leben ändert sich das schon recht bald. Nach ein paar Wochen kommt schon Brei dazu, dann weiche Kekse und bald darauf lernt ein Kind, Brot zu essen. Das geht nicht immer ohne Matsch und Krümel ab – und auch das lässt sich gut auf den geistlichen Lernprozess übertragen
:-) .

Jesus gibt uns zuerst Milch – das sind die Grundlagen des christlichen Lebens. Wir müssen nicht gleich sämtliche Bücher der Bibel auswendig können und die Lebensgeschichten von allen wichtigen Personen nacherzählen können. Zuerst müssen wir Milch trinken – Kraft sammeln zum Wachsen und leben lernen. In der Milch stecken die Grundnährstoffe, die ein Kind dafür braucht.

Auch ein geistliches Kind braucht zuerst die Grundnährstoffe des geistlichen Lebens. Zuerst muss es wissen, dass Jesus es liebt. Dann braucht es den Grundnährstoff zu erkennen, dass seine Schuld es für alle Zeiten von Gott trennt und dass Jesus genau dafür gestorben ist. Und es braucht den Grundnährstoff Vertrauen. Vertrauen darauf, dass es bei Jesus in den besten Händen ist und dass die Entscheidung, die es getroffen hat, die wichtigste und gleichzeitig beste seines ganzen Lebens ist.

Dies sind die ersten Nährstoffe, die Jesus dem geistlichen Baby nach der Geburt gibt. Zuerst geht es nur darum, das neue Leben zu stärken und zu kräftigen. Wenn das passiert ist, geht es in die nächste Phase. Ein Kind lernt ja nicht nur zu trinken, sondern es lernt auch sprechen, laufen, Fahrrad fahren, schreiben, lesen, rechnen … Es lernt leben.

Aber all das braucht seine Zeit. All das ist ein Prozess. Genauso ist das geistliche Wachstum ein Prozess. Auch ein geistliches Kind lernt geistlich leben. Am Stoppschild stehen zu bleiben, ist kein Prozess, sondern Stillstand. Ein Prozess ist eine Weiterentwicklung. Wer stehen bleibt, kommt nicht voran. Wer nicht vorankommt, entwickelt sich nicht weiter. Wer sich nicht weiterentwickelt, vegetiert vor sich hin.

Das machen auch Christen – sehr häufig sogar. Und Jesus blutet das Herz, wenn seine Kinder dahinvegetieren, wenn sie nicht in seine Schule kommen, um geistlich zu wachsen und sich weiterzuentwickeln. Jesus zwingt niemanden in seine Schule – grundsätzlich ist es nicht Jesu Art, irgendjemanden zu irgendetwas zu zwingen. Jesus lädt ein! Er lädt seine Kinder ein, in seiner Schule von ihm zu lernen. Wenn wir uns hartnäckig weigern, dieser Einladung zu folgen, werden wir geistlich wirklich nur dahinvegetieren. Und irgendwann sterben. Die Folge von Stillstand ist immer Tod.

Wenn wir aber der Einladung in die Schule folgen, beginnt der gesunde Entwicklungsprozess. Die Milchphase liegt nun schon hinter uns, und wenn uns geistlichen Kindern dann die ersten Zähne gewachsen sind, stellt Jesus die Nahrung langsam um. Nun kommt schon ein wenig festere Nahrung dazu, nicht mehr nur Milch. Auch noch nicht gleich Schwarzbrot, aber schon mal Milchbrötchen, Kekse, Brei. Auch mal ein paar Süßigkeiten :-) .

Das sind die ersten mutigeren Schritte im geistlichen Leben. Man wagt sich schon mal aus seinem Auto-Grundstück heraus, schleicht ans Stoppschild und schielt um die Ecke. Man wird neugierig, was das Leben da, wo man selbst noch nicht war, bietet. Man erkennt plötzlich dass auf dieser Strecke auch Autos unterwegs sind.

Kinder sind von Natur aus neugierig. Kinder würden sofort um die Ecke laufen, um zu sehen, was dort los ist. Uns Erwachsenen ist diese Neugier – na ja, vielleicht gar nicht wirklich abhanden gekommen, aber gründlich aberzogen worden. „Sei nicht so neugierig!” ist vielleicht einer der häufigsten Sätze in der Kindererziehung … Neugierig sein ist etwas Schlechtes. Gleichzeitig sollen wir aber lernwillig sein. Eigentlich widerspricht sich das gewaltig … Etwas lernen zu wollen, hat viel mit der „Gier“ zu tun, etwas Neues zu entdecken.

Als geistliches Kind dürfen wir also neugierig sein – sollen es sogar! Gott wird uns niemals sagen „sei nicht so neugierig!“ Ganz im Gegenteil! Er ruft uns zu: „Hier gibt es etwas zu entdecken! Komm und finde es heraus!“

Das ist auch etwas, das die himmlische Schule von der irdischen unterscheidet! Hier dürfen und sollen wir neugierig sein, auf Entdeckungsreise gehen und unzählige Fragen stellen. Und wir dürfen ausprobieren, auch mal auf die Nase fallen und uns von unserem Lehrer Jesus wieder auf die Beine stellen lassen. Wir dürfen nach Herzenslust probieren und studieren – und wir bekommen keine schlechten Zensuren, wenn etwas beim ersten Mal nicht gleich klappt.

Wenn ich eine Predigt vorbereite, stehe ich schnell an dem Punkt, an dem ich mich frage: „Was – um alles in der Welt – soll ich den Leuten denn nur sagen?“ Natürlich will ich euch das weitergeben, was Jesus euch sagen will. Aber ich gehöre zu den Menschen, die schnell denken, sie müssten alles alleine machen, die Leistung selbst erbringen und nicht „so faul sein“, einfach Jesus zu fragen und ihn reden zu lassen. Natürlich ist das grundfalsch, aber das ist ein großer Teil meiner Prägung, mit der ich auch immer noch kämpfe.

Dazu hat Jesus mir dann gesagt, wo ein weiterer Unterschied zwischen der irdischen und der himmlischen Schule besteht. In der himmlischen Schule darf man ohne Bedenken abschreiben und man darf sogar den Lehrer die Arbeit tun lassen! Jesus ist der Lehrer, er sagt, wo es langgeht – und er will sogar die Arbeit tun. Er will uns sagen, was Sache ist. Er stellt uns keine unlösbaren Rechenaufgaben, sondern er sagt uns freigiebig die Lösung. Einzige Voraussetzung: wir müssen ihn fragen und auf seine Antwort hören.

Kinder fragen ihren Eltern oft Löcher in den Bauch. Und wenn die Eltern ihnen dann eine Antwort auf die Frage geben, heißt das aber oft noch lange nicht, dass die Kinder dem Rat der Eltern dann auch folgen. Hier ähneln wir geistlichen Kinder den natürlichen Kindern wieder sehr. Wir fragen unserem Vater oft auch Löcher in den Bauch – aber mal ehrlich: wie oft warten wir wirklich auf eine Antwort und laufen nicht schon beinahe während der Frage wieder weg, weil uns irgendetwas ablenkt?

Und wenn wir tatsächlich auf die Antwort gewartet haben und sie auch wirklich gehört haben – wie oft setzen wir sie dann auch wirklich 1 : 1 in die Tat um? Ich kann da natürlich nur von mir reden – und ich kann nur sagen, dass ich viel zu oft schon weiterrenne, wenn ich Gott nach etwas gefragt habe, so dass ich gar nicht in der Lage bin, seine Antwort zu hören. Ich weiß auch nicht, ob er in solchen Fällen überhaupt eine Antwort gibt. Wenn dein Kind fragt, was es zu Mittag gibt, und noch bevor du antworten kannst, hat es die Küchentür schon wieder zugeschlagen und rennt draußen am Fenster vorbei zum Fußballplatz – dann sparst du dir die Antwort vermutlich auch. Möglicherweise macht Gott das genauso. Trotzdem wirst du dein Kind zum Essen rufen und es nicht hungern lassen – und glücklicherweise macht Gott auch das genauso.

Er ruft uns immer wieder. Er wird nicht müde, uns zu rufen, zu locken, uns einzuladen. Und er wird uns jede Antwort geben, wenn wir bereit sind zu hören. Gott sehnt sich danach, dass wir uns mit ihm zusammen auf’s Sofa setzen, uns in seinen Arm kuscheln und ihm zuhören.

Das ist Gottes Schule! In seinem Arm liegen und zuhören, was er uns an Gutem zu sagen hat. Und ihm vertrauen, dass er am allerbesten weiß, was das Richtige für uns ist. Ihm vertrauen, dass er alles für uns schon längst getan hat.

An diesen Punkten beginnt Gottes „höhere Schule“. Nachdem wir die Grundschule absolviert haben, nimmt Gott uns mit in die höhere Schule. Glauben und Vertrauen sind Fächer in der Grundschule, aber sie werden in der höheren Schule vertieft. Die Erkenntnisse werden tiefer und das Verarbeiten wird tiefer.

In dieser höheren Schule erwartet Gott mehr Vertrauen und mehr Glauben als von den Grundschülern. Übrigens gehen in der himmlischen Schule die Kinder sehr unterschiedlich lange in die Grundschule. Manche brauchen nur ein paar Monate, manche brauchen viele Jahre. Doch wenn bei jedem Menschen individuell der Punkt zur Versetzung gekommen ist, nimmt Gott dich in die höhere Schule, wo der Stoff aus der Grundschule vertieft und erweitert wird.

Jetzt kommen in den Fächern Glauben und Vertrauen schon schwierigere Übungen dazu. Mag sein, dass du in finanzieller Not bist. Gott sagt: „Gib mir konsequent deinen Zehnten.“ Das fällt uns nicht leicht – mir auch nicht. Aber in der höheren Schule lernen wir zu vertrauen, auch wenn unser Verstand nicht mehr mitkommt. „Ich kann doch rechnen!“ sagt der Verstand sofort. „Wenn ich von den paar Kröten, mit denen ich mich und die Kinder durchkriegen muss, noch 10 % abgebe, dann bleibt mir ja gar nichts mehr.“ Mag rein rechnerisch stimmen.

Gott aber sagt, dass auf dem Geben Segen liegt. Und es gab schon statistische Erhebungen, die untermauert haben, dass Menschen, die aus Glauben regelmäßig ihren Zehnten geben, am Ende des Monats mehr übrig hatten als zu den Zeiten, in denen sie das nicht getan haben – also mit 90 % besser über die Runden gekommen sind als mit 100 %. Das ist Segen.

Genau dasselbe gilt für unsere Zeit. Wie oft verschieben wir die „Stille Zeit“ – oder wie immer wir unsere Zeit mit Gott nennen.

  • Auf meinem Schreibtisch liegt noch so viel Arbeit! Wenn ich jetzt eine Stunde nichts tue, werde ich damit nie fertig.
  • Im Fernsehen läuft das Länderspiel, auf das ich mich so gefreut habe. Das kann ich doch nicht ausfallen lassen …
  • Meine Frau erwartet, dass ich den Rasen mähe, den Küchenschrank repariere und nach der defekten Dusche schaue – wann bitte soll ich mich noch hinsetzen und in der Bibel lesen?

Das ließe sich unendlich fortsetzen – jeder von uns hat mehr als genug Punkte, die er hier anhängen kann. Mein Schreibtisch bricht ständig beinahe zusammen unter den verschiedensten Dingen, die darauf warten, bearbeitet zu werden. Und noch viel zu oft lasse ich mich davon beeindrucken und gehe lieber daran, als mich mit Gott zu unterhalten.

Aber für unsere Zeit mit Gott gilt dasselbe Prinzip wie für unser Geld. Das, was wir Gott geben, gibt er uns vielfach zurück. Wenn wir Gott unsere Zeit geben, wird er unsere Zeit segnen. Wir werden nicht in Stress kommen, weil wir Zeit mit Gott verbringen. Zeit mit Gott ist nie verlorene Zeit. Es ist heilige Zeit. Und es dran, dass wir uns darüber klar werden. Wir müssen unsere Zeit mit Gott heiligen. Ebenso wie wir den Sabbat – den freien Tag mit und für Gott – heiligen müssen.

Wenn wir Gott unsere Zeit schenken, wird er uns unsere Zeit schenken. Genauso hat er das zu mir gesagt. Gott ist auch der Herr über Raum und Zeit. Und wenn wir Gott unsere Zeit schenken, werden wir auferbaut und gestärkt aus dieser Zeit heraus und in unseren Alltag gehen!

In Maleachi 3, 10 sagt Gott:

Mal 3, 10

Bringt aber die Zehnten in voller Höhe in mein Vorratshaus, auf dass in meinem Hause Speise sei, und prüft mich hiermit, spricht der HERR Zebaoth, ob ich euch dann nicht des Himmels Fenster auftun werde und Segen herabschütten die Fülle.

Hier spricht er in erster Linie vom Zehnten, aber das gilt genauso für unsere Zeit. Gott will, dass wir Zeit mit ihm verbringen, damit er uns lehren kann. Lehren zu vertrauen, zu glauben, damit wir wachsen und gedeihen können. Prüft mich, sagt Gott, ob ich mein Versprechen nicht halten werde und den Segen auf euch herabschütten, wenn ihr meinem Wort gehorcht.

Wir müssen uns entscheiden, Gott zu glauben und zu vertrauen. Wir müssen uns entscheiden, gegen unseren gesunden Menschenverstand zu handeln, der uns immer etwas anderes einflüstern will, weil er ja schließlich rechnen kann … Wir müssen uns entscheiden, dass unser Leben nicht uns, sondern Gott gehört – zu 100 %.

Und wir müssen uns entscheiden, Gott zu vertrauen, dass er seine Versprechen hält und dass er nichts Böses mit uns im Sinn hat. Er wird uns und unsere Seele nicht vergewaltigen, er wird nichts mit uns tun, das uns schadet. Im Gegenteil – er will unserer Seele Ruhe und Frieden geben und uns alle Angst nehmen – selbst in den stürmischsten Zeiten.

Stellt euch noch mal vor, ihr würdet neben Jesus auf dem Sofa sitzen und euch in seinen Arm kuscheln. Und ihr wisst ganz genau, der, der da neben euch sitzt, hat genug Geld, um jeden Monat die Miete zu zahlen. Er hat genug Einfluss, um jeden, der euch wegen der verschwendeten Zeit mit erhobenem Zeigefinger ermahnen will, in seine Schranken zu weisen. Und ihr seid untrennbar mit ihm verbunden.

Ist das nicht eine echt geniale Vorstellung? Bei so jemandem im Arm zu liegen, würde bedeuten, sich nie wieder Sorgen um irgendetwas machen zu müssen und völlig entspannt den Augenblick genießen zu können.

Und das Beste daran ist – das alles ist kein Märchen, sondern die Realität. Die eigentliche Realität. Denn wir gehören untrennbar zu Jesus, dem alles Geld der Welt gehört und der alle Macht hat.

Und wenn wir uns in seiner Schule ausbilden lassen, werden wir immer mehr von dieser Realität wahrnehmen und verstehen lernen.

Ich will das. Ich will bis zum Ende meines Lebens in die himmlische Schule gehen und immer mehr von Jesus lernen. Denn ich bin damit noch lange nicht fertig, sondern stehe vielmehr noch ziemlich am Anfang. Ich will in Jesu Schule gehen und darin bleiben. Wer kommt mit?

Amen!

© Lisa Holtzheimer


Worin liegt der Wert meines Lebens?

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Meine Freundin war vor ein paar Jahren einmal mit einigen Kolleginnen im Urlaub in der Türkei. Sehr schnell hat sie dort die Aufmerksamkeit vieler Männer auf sich gezogen, denn sie ist wirklich ausgesprochen hübsch – dazu hat sie noch lange, lockige blonde Haare. Ein besonders hartnäckiger Verehrer ließ sich überhaupt nicht abschütteln, sondern fuhr stundenlang im Auto neben den Frauen, die zu Fuß unterwegs waren, her und meinte irgendwann im Brustton der Überzeugung: „Ich gebe deinem Vater 20 Kamele und Gold.“

Ob das nun viel oder eher wenig ist, kann ich nicht beurteilen – Kamele sind in Deutschland als Zahlungsmittel nicht zugelassen. Und Gott sei Dank ist es hier auch nicht üblich, Frauen ihrem Vater abzukaufen.

Das Ganze klingt für uns witzig – und mit ein wenig Abstand konnte auch meine Freundin darüber lachen – aber letztlich kommt uns so etwas in abgewandelter Form doch gar nicht so unbekannt vor. Sicher, wir messen den Wert eines Menschen nicht in Kamelen und Gold. Aber wir messen den Wert von Menschen sehr oft in anderen – äußerlichen – Dingen. Und dazu müssen wir gar nicht „weit weg denken“. Das begegnet uns jeden Tag.

Sobald wir den Fernseher einschalten oder eine Zeitschrift durchblättern – sämtliche Werbung zielt letztlich darauf, Menschen ein bestimmtes Wertgefühl zu vermitteln. Natürlich immer eins, das ihnen suggeriert: so, wie ich bin, bin ich nicht wirklich okay. Um wertvoll zu sein – oder zu werden! - , muss ich 20 kg abnehmen; muss ich auch mit 60 noch keine einzige Falte im Gesicht haben; dürfen auch mit 70 meine Haare nicht grau sein, sondern müssen in der strahlenden ursprünglichen Farbe glänzen; muss ich gebildeter, hübscher, größer, kleiner, dicker, dünner … sein. Die Liste ließe sich bis ins Unendliche fortsetzen. Jeder findet sich in einem oder mehreren Punkten wieder. Die Werbung suggeriert uns selbst mit Sprüchen wie „ich will so bleiben, wie ich bin“, dass genau das eben nicht die richtige Einstellung ist. Denn sonst bräuchte eben diese Firma ja keine Werbung zu machen. Dahinter steht versteckt die Aussage: du bist eben nicht so, wie dieses Model in der Werbung, also kannst du nicht so bleiben, wie du bist.

Und wie reagieren wir darauf? Diese ganzen Hersteller von Diätprodukten, Haarfärbemitteln, Cremes gegen Falten, die Anbieter von Sportkursen, Abnehmkursen, Bildungskursen und ganz andere z. T. dubiose Unternehmen könnten ihre millionenteure Werbung nicht bezahlen, wenn wir nicht immer wieder auf diese Suggestion hereinfallen würden.

Doch was wird uns denn hier suggeriert – unterschwellig als Wahrheit verkauft? So, wie ich bin, bin ich wertlos. Und daran kann ich selbst auch gar nichts ändern, sondern ich brauche dazu unbedingt die angebotenen Produkte. Das führt letztlich dazu, dass ich mich als Person überhaupt nicht mehr selbst annehmen kann. Die auf den ersten Blick positiv stimulierende Werbung bewirkt unterschwellig genau das Gegenteil – und das ist die Absicht der Hersteller, denn sonst würden sie ihr Zeug ja nicht verkaufen.

Und unsere Gesellschaft steigt voll auf diesen Trend ein. Schon lange bist du nur dann wertvoll, wenn du eine ganze Reihe von Idealvorstellungen erfüllst. Das fängt ja schon bei den Kindern im Kindergarten an – wer keine Markenklamotten trägt, wird z. T. schon als Außenseiter behandelt; wer irgendeine körperliche Einschränkung hat, muss sich schon mit 3 Jahren von Gleichaltrigen anhören, dass er so, wie er ist, nichts wert ist. Kein Wunder eigentlich, dass wir uns selbst überhaupt nicht als wertvoll empfinden. Wo wir doch so genau wie kein anderer wissen, wo unsere Schwachstellen sind. Und wir wissen auch ganz genau, dass wir uns noch so sehr anstrengen können – wir werden einfach nie das Ideal erreichen. Etwas wird immer fehlen.

Aber ganz so neu scheint dieses Problem gar nicht zu sein. Wir finden es nämlich auch schon in der Bibel. Berühmte biblische Persönlichkeiten hatten schon dasselbe Problem. Salomo, der Sohn des Königs David, später selbst König über Israel, der für seine Weisheit bekannt war, schreibt:

Pred

2,11

Als ich mich aber umsah nach allen meinen Werken, die meine Hände gemacht hatten, und nach der Mühe, die ich mir gegeben hatte, um sie zu vollbringen, siehe, da war alles nichtig und ein Haschen nach Wind, und nichts Bleibendes unter der Sonne.

Pred

4,4

Ich sah auch, dass alle Mühe und alles Gelingen im Geschäft nur den Neid des einen gegen den anderen weckt. Auch das ist nichtig und ein Haschen nach Wind.

Hier aus dem Buch Prediger könnte ich einen Vers nach dem anderen zitieren – es geht „munter so weiter“. Fazit: Wir können uns sprichwörtlich ein Bein ausreißen, wir können arbeiten bis zum Umfallen, wir können uns bilden noch und nöcher, wir können immer neue Wege suchen, um unseren Wert zu steigern. Unterm Strich bleibt es immer ein „Haschen nach Wind“. Und versucht mal, den Wind zu erhaschen, zu fangen … Versucht mal, die Luft um euch her zu fangen. Egal, welches Gefäß ihr dazu benutzt – es ist auch nach Stunden des „Fangens“ noch genauso leer wie vorher. Wind lässt sich nicht fangen. So eine Übung ist also von vornherein aussichtslos.

Und Salomo sagt uns in seinem Buch Kohelet, dass alle unsere Bemühungen, unseren Wert zu steigern, genauso aussichtslos sind.

Was machen wir nun damit? Wenn wir hier stehen bleiben, stürzen wir alle in Depressionen, denn dann gibt es keine Hoffnung mehr für uns. Wir alle sehnen uns ja danach, wertvoll zu sein. Jeder von uns möchte geliebt, anerkannt und geschätzt – also wert geachtet – werden. Wohl niemand hier könnte ehrlichen Herzens von sich sagen, dass ihm das alles piepsegal ist. Jeder von uns hat ein sogenanntes Selbstwertgefühl – und beinahe allen Menschen sagt dieses Selbstwertgefühl all das, was wir gerade schon gehört haben.

Und wenn wir auf der menschlichen Ebene bleiben, dann bekommt das Selbstwertgefühl auch mehr als es gesund ist Recht. Denn wie schon gesagt, unsere Gesellschaft misst mit Messlatten, die kein Mensch erreichen kann, unsere Gesellschaft ist grausam gegenüber anderen Menschen, und das fängt schon im Kindergarten an.

Aber wir wollen hier ja nicht stehen bleiben. Keiner von uns hat vermutlich Lust, den Rest seines Lebens in Depressionen zu verbringen oder damit, immer neuen Wertemaßstäben nachzujagen, immer höheren Ansprüchen gerecht werden zu müssen – und letztlich das geforderte Ziel doch nie zu erreichen.

Gehen wir also weiter. Auf der menschlichen Ebene kommen wir nicht weiter – wie gut! Ein weiterer Blick in die Bibel eröffnet uns nämlich ganz neue Perspektiven. Da schreibt z. B. David – Salomos Vater:

Psalm

40,5

Wohl dem, der sein Vertrauen auf der Herrn setzt und sich nicht zu den Aufgeblasenen wendet und zu den abtrünnigen Lügnern.

Und weiter:

Psalms

56,5b

Auf Gott vertraue ich und fürchte mich nicht; was kann ein Mensch mir antun?

Hier werden wir auf die richtige Spur gebracht. Nicht das, was Menschen sagen, ist wichtig. Menschen blasen sich auf gegenüber anderen Menschen, sie lügen und suchen nur das Ihre. Gott aber geht ganz anders mit uns um. Er lügt nicht, er suggeriert uns nicht, dass wir irgendetwas seien, was wir nicht sind, oder dass wir irgendetwas ändern oder werden könnten, wenn wir bestimmte Dinge tun oder lassen. Gott ist die Wahrheit und er sagt uns die Wahrheit. Und seine Gedanken über dich sind die Gedanken, die wirklich wichtig sind. Und den Grundgedanken über uns hat er uns auch in seinem Wort zugänglich gemacht:

Jer 29,11

Denn ich weiß, was für Gedanken ich über euch habe, spricht der Herr. Gedanken des Friedens und nicht des Unheils (Leides), um euch eine Zukunft und eine Hoffnung zu geben.

Das ist die Kernaussage dessen, was Gott über dich denkt. Gott hat Gedanken des Friedens über dich. Gedanken des Friedens sind keine Negativwertungen über dein Aussehen, über deine Bildung, über deine Haarfarbe, dein Gewicht, deinen Kontostand oder was auch immer. All diese Dinge interessieren Gott kein Stück. Von all diesen – und vielen anderen äußerlichen Dingen – macht Gott deinen Wert nicht abhängig.

Gott macht deinen Wert von ganz etwas anderem abhängig. Und eins muss dir ganz klar werden: Nur das, was Gott von dir denkt, ist wirklich wichtig. Nur das, was Gott über dich sagt, hat eine echte Bedeutung für dein Leben.

Gott macht deinen Wert von ganz etwas anderem abhängig. Davon nämlich, dass er dich gewollt hat! Er kannte dich schon, bevor er überhaupt die Erde erschaffen hat! Und schon zu diesem Zeitpunkt, der völlig außerhalb des für uns überhaupt Vorstellbaren liegt, hat er dich erwählt. In Eph 1 können wir das nachlesen:

Eph

1,3 ff

Gepriesen sei der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns gesegnet hat mit jedem geistlichen Segen in den himmlischen Regionen in Christus,

wie er uns ihn ihm auserwählt hat vor Grundlegung der Welt, damit wir heilig und tadellos vor ihm seien in Liebe.

Er hat uns vorherbestimmt zur Sohnschaft (und auch zur Töchterschaft!) für sich selbst durch Jesus Christus, nach dem Wohlgefallen seines Willens

zum Lob der Herrlichkeit seiner Gnade, mit der er uns begnadigt hat in dem Geliebten.

Gott hat dich erwählt, bevor es diese Erde gab. Er hat dich schon zu diesem Zeitpunkt geliebt. Alle, die Kinder haben, können sich vielleicht ein winzig kleines Stück mehr in diesen Gedankengang eindenken als die, die keine Kinder haben. Vielleicht habt ihr euch schon lange Kinder gewünscht, bis sich dann das erste endlich ankündigte. Aber in euren Gedanken, in euren Gefühlen, habt ihr schon auf dieses Kind hingelebt, obwohl es noch keinen einzigen Hinweis darauf gab.

Ihr habt euch schon überlegt, wie ihr dann, wenn es endlich so weit ist, das Kinderzimmer einrichten werden, ihr habt vielleicht schon lange vor einer Schwangerschaft den schönsten aller Namen ausgesucht, ihr habt euch überlegt, wie wohl euer Kind aussehen wird, wie sein Charakter wird, ob es blonde oder schwarze Haare haben wird. Wenn es größer sein würde, was würde es gerne tun? Bestimmt haben die zukünftigen Väter sich überlegt, dass sie ihrem Kind das Fußballspielen beibringen möchten, das Kind mitnehmen zum Zelten, mit ihm ein Baumhaus bauen oder andere spannende Dinge tun.

Sicherlich wolltet ihr auch alles dafür tun, dass es dem Kind gut geht, dass es sich wohl fühlt, dass es weiß, dass es unendlich geliebt ist – und ihr würdet es vor allem Bösen beschützen wollen.

Und vermutlich ging es euch mit jedem weiteren Kind, das ihr euch gewünscht habt, ähnlich. Denn jedes Kind ist einmalig, jedes Kind hat völlig andere Eigenschaften, und auf jedes Kind, das man sich so sehr wünscht, freut man sich neu genauso sehr wie auf das erste. Oder nicht?

Gott hat sich auch gefreut. Bevor er diese Welt aus dem Nichts durch sein Wort geschaffen hat, hat er sich schon unbändig auf dich gefreut! Er hat sich den schönsten aller Namen für dich ausgedacht (und dieser Name muss nicht unbedingt der Name sein, den dir deine Eltern gegeben haben), er hat sich genau überlegt, welche Haarfarbe zu dir passen würde. Blaue Augen oder braune Augen? Oder vielleicht grüne – das passt zu ihrem Charakter. Wenn er mal erwachsen ist, wird ihm ein schwarzer Dreitage-Bart gut stehen!

Gott hat sich unbändig auf dich gefreut. Er wollte, dass du „heilig und untadelig“ vor ihm bist. So war sein Grundgedanke. In seinen Gedanken schon vor Grundlegung dieser Welt warst du heilig und untadelig vor ihm.

Als die Welt dann geboren war, dauerte es nicht sehr lange, bis ein nicht eingeplanter „Unfall“ passierte. Adam und Eva ließen sich von der Schlange verführen, und dadurch wurde dem Feind Gottes das Tor geöffnet, um die Menschen nicht mehr heilig und untadelig zu machen. Das allerdings hat immer noch überhaupt nichts mit dem Wert zu tun, den uns seit jeher unsere Mitmenschen vermitteln wollen. Auch nach dem sogenannten „Sündenfall“ interessiert es Gott noch herzlich wenig, ob du groß oder klein, dick oder dünn, Universitätsprofessor oder Hilfsarbeiter bist.

Aber etwas anderes interessiert ihn umso mehr. Deine Seele ist es, um die es ihm geht. Deine Seele ist ja letztlich dein Ich, das, wo deine Gefühle, dein Empfinden sitzt. Das, was angreifbar ist. Wenn jemand dich mit einer verletzenden Bemerkung trifft, dann verletzt er deine Seele. Wenn du depressiv wirst, ist deine Seele überlastet und sieht keinen Ausweg mehr.

Die Seele ist es auch, durch die Sünde in dein Leben kommt – in das Leben aller Menschen gekommen ist durch den Ungehorsam der ersten beiden Menschen. Satan wusste sehr genau, wo er ansetzen muss, um das zu schaffen, was er geplant hatte. Als er Eva verführte, die verbotene Frucht zu essen, hat er genau diesen Punkt gezielt getroffen. Er hat ihr suggeriert, dass Gott sie nicht für wert genug achtet, diese Frucht essen zu dürfen. Schon die ersten Menschen sind darauf hereingefallen, dass es immer noch etwas mehr gibt, das ihnen erst ihren „echten“ Wert bringt. Man könnte meinen, Satan habe sich von einem geschickten Werbeprofi beraten lassen … „Wenn ihr von dieser Frucht esst, dann – und erst dann – werdet ihr wirklich genauso viel wert sein wie Gott.“

Kennen wir das? Wenn wir diesen Joghurt essen, wenn wir jenen Saft trinken, wenn wir dieses und jenes und welches tun – dann werden wir so sein wie die „besseren“ Menschen. Manche esoterischen oder religiösen Anbieter gehen auch einen Schritt weiter und bieten direkt an, dann so zu sein wie Gott.

Gott geht es um deine Seele. Seit dieser ersten Verführung in der Menschheitsgeschichte ist unsere Seele das Einfallstor für die Sünde. Und keiner kann sich davon freisprechen. Die Bibel sagt uns, dass die Sünde durch einen Menschen in die Welt kam – und dadurch ist sie geblieben.

Aber auch hier können wir noch nicht stehen bleiben. Gott hat das ja – Gott sei Dank! nicht einfach hingenommen und es dann halt auf sich beruhen lassen. Nein, er hat einen Plan aus der Tasche gezogen. Man könnte auch sagen, Plan B. Denn ursprünglich war das Paradies nicht nur für Adam und Eva und ein paar Tiere seinerzeit gedacht – Gottes Plan war, dass alle Menschen zu allen Zeiten mit ihm zusammen in diesem Paradies leben sollten. Friedlich und ohne Sorgen. Doch der Teufel hat ihm einen Strich durch diese Rechnung gemacht. Seither ist das Paradies verschlossen, kein Mensch kann es mehr betreten. Der Ungehorsam des einen Menschen hat alle Menschen für alle Zeiten mitgezogen in die Trennung von Gott. Nur durch bestimmte Opfer konnte diese Trennung überwunden werden – immer und immer wieder. Ich will darauf jetzt nicht näher eingehen, das würde den Rahmen heute sprengen.

Plan B beinhaltete nun ein einmaliges Opfer, das für immer gültig war. Und Plan B ging soweit, dass Gott sich selbst zum Opfer machte. In Jesus, seinem Sohn. Durch dieses endgültige Opfer hat Gott die Trennung, die durch Adam und Eva begann, aufgehoben.

Durch dieses Opfer ist deine Seele wieder in der Lage, zu Gott zurückzukehren. Und nur dies ist der Grund, warum Gott seinem Sohn diesen schweren Weg zugemutet hat. Er hat dich so sehr geliebt, dass er den Gedanken nicht ertragen konnte, dass du – deine Seele, dein Ich – einmal für alle Ewigkeit von ihm getrennt sein musst. Dass du die Ewigkeit bei seinem ärgsten Feind verbringen musst. Du bist Gott so viel wert, dass er sein Leben für dich gegeben hat. Das ist auch die Grundaussage der ganzen Bibel, die in Joh 3, 16 zusammengefasst ist:

Joh

3, 16

Denn Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren geht, sondern das ewige Leben hat.

Hierin liegt der wahre Wert deines Lebens. Dass Gott dich erwählt hat, bevor er diese Welt aus den Angeln gehoben hat. Dass Gott dich bis zum Umfallen liebt und es nicht ertragen kann, dass du einmal nicht mit ihm zusammen sein könntest.

Wenn dich Gedanken einfangen wollen, die dir suggerieren, dass du so, wie du bist, nichts wert bist, dann jag sie weit weg und besinne dich auf das, was Gott über dich sagt. Ein guter Einstieg dazu ist der Psalm 139. Hier heißt es u. a.:

Psalm

139

Ich sitze oder stehe auf, so weißt du es, du verstehst meine Gedanken von ferne. Du beobachtest mich, ob ich gehe oder liege, und du bist vertraut mit allen meinen Wegen.

Du hast meine Nieren gebildet; du hast mich gewoben im Schoß meiner Mutter. Ich danke dir dafür, dass ich erstaunlich und wunderbar gemacht bin.

Deine Augen sahen mich schon als ungeformten Keim, und in dein Buch waren geschrieben alle Tage, die noch werden sollten, als noch keiner von ihnen war.

Gott hat uns gesehen und geliebt, als es diese Welt noch nicht gab, lange, lange, bevor überhaupt unser „Keim“ angelegt war. Das macht deinen – das macht meinen – Wert aus!

Amen

© Lisa Holtzheimer

 

Gott ist Herr und König

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(Grundlage: Daniel 6 – „Daniel in der Löwengrube“)

„Zoe setzte sich zum Essen, als es plötzlich an der Tür klopfte. Sie spähte durchs Fenster und entdeckte einen Fremden, der seltsam gekleidet war. Seine Kleider sahen ganz anders aus als die der Leute in ihrem Dorf Brennmoor.

Als Zoe ihm ins Gesicht blickte, setzte ihr Herzschlag für einen Moment aus. Es war der Mann aus ihrem Traum. Er hatte sogar den gleichen wilden, weißen Haarschopf und die Kleider aus Schaffell. Er klopfte erneut. Sie zögerte noch, die Tür zu öffnen, aber dann war ihre Neugier größer als ihre Vorsicht – sie musste einfach wissen, wer er war und was er wollte.

„Guten Tag“, sagte er mit einem Lächeln. „Ich bin Kieran, ein Bote des Königs. Seid Ihr Zoe Hirschfeld?“

Ihre Stirn legte sich in Falten, während sie nervös mit ihren langen, braunen Locken spielte. „Ja, das bin ich.“

„Ich habe etwas für Euch vom König.“ Er hielt ihr ein säuberlich eingewickeltes braunes Bündel entgegen, an dem vorne ein Umschlag befestigt war.

Mit großen, verwunderten Augen öffnete sie die Tür ein wenig weiter, um das Bündel entgegenzunehmen. „Vom König – für m… mich?““

********

Okay, das steht nicht in der Bibel, wie euch sicherlich schon aufgefallen ist :-) .

Wenn wir von einem König hören, haben wir meistens auch nicht solche romantischen Assoziationen – da kommt ein Fremder in merkwürdigen Kleidern und überbringt persönlich ein Geschenk und eine Nachricht vom König. Wow! Wie würden wir reagieren? Wie würden wir uns fühlen?

Vielleicht fällt uns alleine diese Vorstellung schwer, denn wir Deutschen kennen Könige ja nur aus dem Ausland – und wir bekommen in den meisten Fällen nur dann etwas über sie zu hören, wenn in irgendeinem Königshaus mal wieder jemand geheiratet hat, ein Kind bekommen oder gestorben ist. Was ein König ansonsten zu tun hat, darüber wissen wir eher wenig.

Was aber immer er zu tun hat – im Normalfall schickt er keine Boten in Schaffellen zu uns, um uns eine persönliche Einladung in sein Reich zu überbringen, so wie der König von Remira in Deborah Joyners Buch.

Heutzutage haben Könige auch in den meisten Monarchien nicht mehr wirklich etwas zu sagen. Sie dürfen repräsentieren, Sie dürfen das unterschreiben, was ihre Minister & Co. ausgebrütet haben – aber Macht haben sie im Allgemeinen nicht mehr wirklich.

Allerdings lassen sich manche Könige auch heute noch beinahe anbeten und als eine Art Gott verehren – nun weniger in Europa, aber in anderen Kontinenten kommt das auch heute noch vor, ebenso wie es in der Zeit Daniels gang und gäbe war und wie es Lukas in seinem Evangelium schreibt:

Lukas 22, 25

Die Könige herrschen über ihre Völker, und ihre Machthaber lassen sich Wohltäter nennen.

Daran hat sich seit damals nicht viel geändert. Sie lassen sich „Wohltäter“ nennen – doch in vielen Fällen sind sie genau das Gegenteil.

Menschen, die das nicht so sehen und es wagen, dies öffentlich zu sagen, leben in manchen Ländern auch heute noch gefährlich. Zwar sind die Strafen heute nicht mehr ganz so drastisch wie zur Zeit Daniels – von Löwengruben und Feueröfen hört man nicht mehr so oft … Aber von Menschen, die sich wie ein Gott verehren lassen, hört man immer wieder – und wird man immer wieder hören, solange diese Erde steht. Und ebenso lange wird man von Menschen hören, die sich dem widersetzt haben und deshalb Gefängnis, Folter oder im schlimmsten Fall Tod zu erwarten haben.

So lange ist es noch nicht her, dass in einem Teil Deutschlands Menschen durch­aus auch wegen ihres Glaubens be­nach­teiligt oder ins Gefängnis geworfen wurden. Nein, niemand hat dort den Anspruch gestellt, als Gott verehrt zu werden – und doch ähnelt es dem ein bisschen. Denn überall da, wo der wahre Gott abgelehnt wird und der Glaube an ihn unter Strafe gestellt wird, ist dieser Anspruch zumindest im Verborgenen eben doch da – und es wird eifersüchtig darüber gewacht, dass „Untertanen“ nicht jemand anders höher achten als eben diese – meist selbsternannte – höchste Instanz.

Gott sagt von sich:

Jesaja 45, 5 a

„Ich bin der Herr und sonst keiner mehr;

kein Gott ist außer mir.“

Eine ganz schöne Herausforderung – für Christen in Ländern mit weniger Meinungs- und Religionsfreiheit als bei uns allemal. Aber auch für uns bleibt es eine Herausforderung.

Wir leben in einer Demokratie, niemand in unserer Regierung erwartet, als „letzte Instanz“ gottähnlich gesehen zu werden.

Das ist auch gar nicht nötig. Denn wir basteln uns unsere Götter problemlos selbst. Einer der größten in unserer Kultur und Gesellschaft heißt „Geld“. Die Bibel nennt das „Mammon“. Geld an sich ist nicht Schlechtes. Völlig wertneutral. Der Wert aber, den wir ihm zugestehen, hebt es in höchste Höhen. Der Gott Geld bestimmt über unser Leben – und oft genug auch über unseren Glauben.

Gott sagt:

Jesaja 45, 5 a

„Ich bin der Herr und sonst keiner mehr;

kein Gott ist außer mir.“

Auch in unserer postmodernen Zeit, aufgeklärt über alles Mögliche und Unmögliche, erheben wir Menschen zu Göttern. Wir hier in Europa. Wir hier in Deutschland. Wir als Christen genauso wie unsere nichtchristlichen Nachbarn.

Je nach Alter, Interessengebiet oder Glaubensausrichtung heißen diese Götter Filmstars, Musiker, Politiker, Buch-Autoren, Pastoren – manchmal auch Eltern oder Kinder.

Wir richten unsere Ansichten nach den Meinungen von Menschen, die wir bewundern – und leider vergessen wir dann oft, danach zu fragen, ob diese Meinungen es wirklich wert sind, sich danach zu richten.

Damit will ich nicht sagen, dass es falsch ist, sich Rat zu holen oder sich an – guten – Ansichten zu orientieren. Aber wenn die Ansicht eines Menschen das „Non-plus-Ultra“ wird, über dem nichts mehr steht, dann wird es gefährlich.

Gott sagt:

Jesaja 45, 5 a

„Ich bin der Herr und sonst keiner mehr;

kein Gott ist außer mir.“

Man kann diese Aussage Gottes als „Warnung“ empfinden – nämlich dann, wenn man dem Sog der eben genannten oder ähnlichen Götter verfallen ist. Ganz frei kann sich sicherlich niemand davon sprechen – ich auch nicht.

Darum ist eine „Warnung“ auch manchmal gut und hilfreich, um bestimmte Dinge wieder ins richtige Licht zu rücken.

Aus einer anderen Perspektive aber ist diese Aussage von Gott eine der Mut machendsten überhaupt!

Lasst es euch mal einen Moment lang „auf der Zunge“ – oder besser im Herzen – zergehen:

Jesaja 45, 5 a

„Ich bin der Herr und sonst keiner mehr;

kein Gott ist außer mir.“

Wie geht es euch jetzt mit dieser Tatsache? Habt ihr ein wenig davon gespürt, welche Bedeutung hierin steckt?

Gott alleine ist der Herr – es gibt keinen anderen Gott außer ihm! Er hat alle Macht – alle Macht aller weltlichen Herrscher und Könige zusammengenommen dagegen ist wie ein einzelnes Sandkörnchen am Strand. Verschwindend gering. Ohne Bedeutung. Ein Windhauch, und es ward nie wieder gesehen.

Gott hat alle Macht. Und die gute Nachricht darin ist – er hat wirklich alle Macht, aber er missbraucht diese Macht nicht. Das hat er weder nötig, noch liegt es in seinem Interesse.

Gott spielt seine Macht nicht aus, indem er uns Menschen zu etwas zwingt, was wir nicht wollen. Wenn er das täte, könnte er sehr leicht alle Menschen „zwangsbekehren“, denn er hat ja in seinem Wort festgelegt, dass er will, dass alle Menschen gerettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit kommen (1 Tim 2,4). Aber er tut es nicht. Gott spielt seine Macht nicht aus, auch nicht im positiven Sinn.

Dennoch hat er alle Macht.

Und für uns als Christen, als Kinder dieses Gottes, bedeutet die Tatsache, dass Gott alle Macht hat, eine riesengroße Erleichterung. Wenn ich mir diese Tatsache wirklich „auf der Zunge“ zergehen lasse, ändern sich die Perspektiven. Wenn ich mir bewusst mache, dass Gott alle Macht hat, wirklich alle Macht, und nichts, aber auch gar nichts, über ihm steht, dann werden selbst ganz große Probleme ganz klein. Für Gott ist auch unser größtes Problem überhaupt kein Problem, denn seine Blickrichtung ist eine andere. Ihm muss alles gehorchen. Ein Wort von ihm, und alles ist anders.

Wir kennen alle die Geschichte von der Stillung des Sturmes. Jesus ist mit seinen Jüngern auf den See Genezareth gefahren. Sie hatten schon einen ziemlich aufregenden Tag hinter sich, Jesus hatte ein paar Leute geheilt, Geister ausgetrieben und obwohl es schon Abend war, waren immer noch Mengen von Menschen um ihn und wollten etwas von ihm. Er aber brauchte Erholung und Ruhe. Somit ging er mit seinen Jüngern in ein Boot und befahl ihnen, ans andere Ufer zu rudern. Der See Generzareth ist ziemlich groß, eine solche Aktion dauerte länger als eine halbe Stunde … Im Boot legte Jesus sich in eine Ecke und schlief. Und dann – mitten auf dem See – kam ein Sturm auf. Es war abends, also vermutlich schon dunkel, und die Stürme auf dem See Genezareth sind berühmt-berüchtigt. Die Jünger hatten alle Hände voll zu tun, das Boot vor dem Untergehen zu bewahren – von „auf Kurs halten“ war wahrscheinlich erst Recht keine Rede mehr. Meterhohe Wellen. Und Jesus schläft.

Vermutlich würde selbst der unempfindlichste Mensch in dieser Situation irgendwann wach. Aber Jesus schläft.

Als ich mir diese Situation deutlicher vor Augen geführt habe, ist mir bewusst geworden, welche Souveränität in dieser Aussage liegt. Während die Jünger mit allen menschlichen Mitteln um das Boot und um ihr Leben kämpfen, liegt Jesus ruhig in der Ecke und schläft. Bis die Jünger ihn wecken mit dem Satz:

Matthäus 8, 25

„Herr, rette uns, wir kommen um!“

Es muss wirklich dramatisch gewesen sein auf dem See, denn die Jünger waren Fischer und von Kindesbeinen an gewohnt, mit dem Boot auf dem See zu sein. Das war ihr Terrain, so leicht ließen sie sich dort nicht einschüchtern. Wenn diese gestandenen Männer dort, wo sie sich vielleicht am besten auskannten, so weit waren, dass sie ihr Leben schon aufgegeben hatten, dann muss der Sturm sehr heftig gewesen sein. Vielleicht ähnlich wie Kyrill im Januar 2007 …

Und Jesus schläft immer noch. Erst, als seine Jünger ihn wecken, wacht er auf. Und was sagt er ihnen?

„Entschuldigt, dass ich einfach verschlafen habe. Tut mir wirklich Leid, dass ihr euch hier so gequält habt und ich euch nicht geholfen habe. Was kann ich tun?“

Nicht ganz … Seine Antwort klingt ein klein wenig anders:

Matthäus 8, 26 a

„Was seid ihr so furchtsam, ihr Kleingläubigen?“

Das klingt im ersten Moment nicht wirklich freundlich. Eher nach: „Könnt ihr mich wegen so einem bisschen Wind nicht schlafen lassen? Ihr wisst doch, was ich für einen Tag hinter mir habe. Ich bin echt fertig und brauche meinen Schlaf dringend. Und nun pustet es hier ein bisschen und schon weckt ihr mich auf. Ein bisschen mehr Vertrauen könntet ihr schon haben. Habt ihr immer noch nicht kapiert, wer ich bin?“

Ich muss zumindest zugeben, dass ich solche Aussagen zuerst schnell mal auf diese Weise verstehe.

Aber beim näheren Nachdenken darüber ändert sich auch hier die Perspektive. Jesus schläft, weil ihn der Sturm kein bisschen beeindruckt. Aber den Hilferuf seiner Jünger hört er sofort. Während der Sturm tobt, schläft er friedlich, doch als seine Jünger ihn um Hilfe bitten, ist er in einem Moment hellwach.

Und tatsächlich ist seine Frage keine Anklage, sondern erinnert sie daran, dass sie eben noch große Wunder live erlebt haben, und jetzt – nur ein paar Stunden später – völlig vergessen zu haben scheinen, mit wem sie hier im Boot sitzen. Mit demselben nämlich, der kurz vorher vor ihren Augen Kranke geheilt und Dämonen ausgetrieben hat. Wie muss das ihren Glauben gestärkt haben! Doch jetzt, in dieser Situation, war ihr Glaube nur noch sandkorngroß.

Das kennen wir doch auch gut. Wenn alles gut läuft, fällt es leicht zu sagen, wir vertrauen auf Gott, er hat alles in der Hand, alles im Griff. Aber wenn dann plötzlich irgendwelche Sicherheiten einstürzen, läuft auch unser Glaube schnell ein wie zu heiß gewaschen …

Ob Gott hier wirklich noch eingreifen kann? Ich suche lieber nach einer eigenen Lösung. Und schon greifen wir auf unsere begrenzten menschlichen Möglichkeiten zurück, um uns vermeintlich in Sicherheit zu wiegen.

Doch was tut Jesus? Der Vers geht noch weiter:

Matthäus 8, 26 b

Dann stand er auf und befahl den Winden und dem See; und es entstand eine große Stille.

Jesus macht den Jüngern keine Vorwürfe, sondern er steht auf und befiehlt dem Sturm und dem See. Und sofort ist es ruhig. Kein Windhauch mehr. Keine Welle. In einer Sekunde gehorchen ihm der Wind und die Wellen!

Und alle, die dies mitgekriegt haben, kriegten den Mund nicht mehr zu:

Matthäus 8, 27

Die Menschen aber verwunderten sich und sprachen: Wer ist dieser, dass ihm selbst die Winde und der See gehorchen?

Dieser ist Gott. Der Gott, der sagt:

Jesaja 45, 5 a

„Ich bin der Herr und sonst keiner mehr;

kein Gott ist außer mir.“

Dieser Gott ist es wert, ihm zu vertrauen. Dieser Gott rettet. Derselbe Gott, der Daniel in der Löwengrube bewahrte, stillte den Sturm auf dem See Genezareth. Und derselbe Gott stillt auch heute noch die Stürme in unserem persönlichen Leben.

Wenn wir diesem Gott vertrauen, werden wir am Ziel ankommen. So wie Zoe auf dem Weg nach Remira. Der Umschlag, den ihr der Bote des Königs übergab, enthielt eine persönliche, liebevoll geschriebene Einladung des Königs nach Remira. In dem Bündel war eine Landkarte, auf der der Weg nach Remira genau eingezeichnet war. Nach einigem Abwägen entschloss Zoe sich, dem König zu vertrauen und diesen Weg zu gehen. Auf dem Weg gab es viele Herausforderungen, Gefahren und Kämpfe. Aber Zoe erfährt immer wieder die übernatürliche Hilfe von wunderbaren Freunden und kommt schließlich am Ziel an.

Unser König hat uns auch eine Landkarte in die Hand gegeben. In seinem Wort gibt er uns alle nötigen Anweisungen und Hilfestellungen, die uns den Weg zum Ziel zeigen. Auch unser Weg durch das Leben geht durch viele Herausforderungen und Kämpfe. Und auch wir können immer wieder die übernatürliche Hilfe erfahren, die Gott uns schenkt. Das einzige, was wir tun müssen – wir müssen mit ihm im Kontakt bleiben. So wie Daniel. Für Daniel war es selbstverständlich, mehrmals täglich mit Gott zu sprechen. Wenn wir das tun, erkennen wir Gottes Wegweisung für unser ganz persönliches Leben. Dann müssen uns Gefahren und Stürme nicht schrecken, denn wir kennen den, der die Macht über diese Dinge hat. Und weil wir ihn kennen, vertrauen wir ihm.

Weil ich diesen Gott kenne, nenne ich ihn gern meinen Herrn und König. Denn er ist kein tyrannischer Herr und König, sondern ein gerechter und liebevoller. Er hat die Macht, doch er missbraucht sie nicht. Deshalb schließe ich mich David an, der in Psalm 95 sagt:

Psalm 95,

3 - 6

3. Denn der HERR ist ein großer Gott und ein großer König über alle Götter.

4. In seiner Hand sind die Tiefen der Erde, und die Höhen der Berge sind auch sein.

5. Sein ist das Meer, und er hat’s gemacht, und seine Hände haben das Trockene bereitet.

6. Kommt, lasst uns anbeten und knien und niederfallen vor dem HERRN, der uns gemacht hat.

Amen

© Lisa Holtzheimer

Dialog mit Gott

Diese Predigt hier hören

Ich bin schon ziemlich lange Christ. Ich habe vor über 15 Jahren eine theologische Ausbildung an einer Bibelschule gemacht und dort viel gelernt. Ich habe gelernt, wie ich die Bibel auslegen kann, ich habe gelernt, wann bestimmte Menschen gelebt haben, ich habe viel über die historischen Hintergründe gelernt. Ich habe wirklich viel gelernt. … und auch vieles wieder vergessen …

Das ist jetzt mehr als 15 Jahre her, und Christ bin ich noch viel länger. Man sollte also meinen, ich müsste in allem, was Glauben und Gott betrifft, eine Art Profi sein. Vielleicht wirkt es nach außen manchmal so, aber ich selbst empfinde mich überhaupt nicht als „Profi-Christ“. Beinahe im Gegenteil … Denn ich habe zwar in meiner Ausbildung viel theoretisches Bibelwissen, Auslegungswissen usw. gelernt – eins aber fehlte mir lange Zeit, und das habe ich in dieser Ausbildung nicht gelernt – nämlich, was es heißt, eine wirkliche persönliche Beziehung zu Jesus zu haben.

Klar, dass man als Christ betet, musste man mir nicht sagen – und natürlich habe ich das auch getan. Aber viele Jahre lang hatte ich keine Vorstellung davon, was das wirklich heißt. In der Gemeinde, in der ich war, habe ich auch eher „sachliche“ Gebete gehört, und diese Art zu beten, kam auch mir sehr nahe. Meine Gebete hätten auch Geschäftsbriefe sein können, Anrede: Sehr geehrter Herr Jesus …

Zu einem Geschäftspartner hat man nun aber im Allgemeinen keine persönliche, freundschaftliche Beziehung – schon gar keine lebensverändernde. So aber sollte die Beziehung zu Jesus doch eigentlich aussehen … Das Schlimmste aber war vielleicht, dass ich viele Jahre lang selbst gar nicht gemerkt habe, wie sachlich meine Beziehung zu Jesus war – sachlich wie zu einem Fremden.

Vor ein paar Jahren kam ich mit Leuten in Berührung, die eine ganz andere Form von Kontakt mit Jesus hatten. Zuerst habe ich das nur gespürt und konnte es nicht wirklich einordnen. Mit der Zeit hat sich genau dieses Gespür aber mehr und mehr in Unzufriedenheit geäußert. Ich würde unzufrieden mit meinem eigenen Umgang mit Gott – vielleicht sollte ich auch besser sagen, mit meinem „Nicht-Umgang“, denn die sachliche Art und Weise, aus der mein Gebetsleben bestand, war eigentlich kein echter Umgang. Stille Zeit ist bei mir häufiger unter den Tisch gefallen, als dass ich mich dazu aufraffen konnte – das schlechte Gewissen deshalb aber hat sich ständig gemeldet.

Nun lernte ich Menschen kennen, die mit Jesus ganz anders umgingen als ich es kannte. Schon die Wortwahl ihrer Gebete war vollkommen anders als das, was ich so im Laufe meines Christenlebens meistens gehört und eben auch mir angeeignet hatte. Die Gebete, die ich jetzt hörte, klangen oft genug ganz und gar nicht „fromm“. Dafür aber persönlich. Ich habe sehr schnell sehr genau gespürt, dass diese Leute ganz selbstverständlich davon ausgingen, dass Jesus jetzt und hier neben ihnen steht oder sitzt, und dementsprechend haben sie mit ihm gesprochen, als wenn ein Freund neben ihnen sitzt. Zuerst hat mich das nur erstaunt, aber ziemlich schnell auch sehr fasziniert. Und in mir ist eine große Sehnsucht geweckt worden – so eine Beziehung zu Jesus will ich – endlich – auch!

Nun ging das nicht von jetzt auf gleich – meine Beziehung und mein Gespräch mit Gott war nicht plötzlich auf einen Schlag neu und anders. Schön wär’s gewesen … Nein, das ging – und geht immer noch – ganz langsam. Es ist, als wenn ich ein neues, bisher völlig unbekanntes Land, entdeckt hätte, das ich langsam und nach und nach immer mehr erkunde – jeden Tag einen Schritt weiter mit der Neugier, was ich heute entdecken werde. Es ist ein riesengroßes Land, und ich habe die Grenze gerade erst überschritten. Um an die Grenze am anderen Ende zu gelangen, werde ich mein ganzes Leben brauchen. Jeder wird sein ganzes Leben dazu brauchen, dieses Land zu erkunden, alle seine Geheimnisse zu entdecken und die Schönheiten der Natur und die Sonne darin zu genießen.

Jesus sagt zu uns: Kommt her zu mir, alle ihr Mühseligen und Beladenen! Und ich werde euch Ruhe geben (Mt 11, 28).

Das ist genau die Erfahrung, die ich mehr und mehr mache, seitdem ich mich auf eine ganz neue Beziehung zu Jesus eingelassen habe. Das klappt längst noch nicht immer so, wie ich mir das wünschen würde – und wie Jesus es sich wünscht. Aber ich lerne und komme vorwärts in diesem neuen Land.

Jesus möchte, dass wir jeden Tag zu ihm kommen. Zu ihm kommen – das weiß ich inzwischen – heißt nicht, sich morgens mal kurz hinzusetzen, 10 min. Stille Zeit machen, ein paar Bibelverse lesen, noch zwei Minuten beten (Jesus, hilf mir durch diesen Tag – oder so ähnlich …). Zu Jesus kommen heißt vielmehr, ihn in alles mit einbeziehen. Ihn um Rat zu fragen und auch auf seine Antworten hören! Das ist es, was mir – immer noch – am schwersten fällt. Hören auf Jesus – ihn wirklich verstehen und wahrnehmen. Aber es wird besser.

Als ich anfing, mich ganz neu auf diese Beziehung mit Jesus einzulassen, war mir überhaupt nicht klar, wie ich Jesus wirklich hören kann. Ich meine jetzt nicht das, was wir wahrscheinlich alle kennen, in der Bibel lesen und hier Antworten auf vieles zu finden. Das ist natürlich legitim, richtig und wichtig. Aber es gibt noch mehr! Jesus will nicht nur durch sein Wort zu uns sprechen, sondern er will ganz persönlich mit uns sprechen.

Als ich diese Erfahrung zum ersten Mal gemacht habe, war ich fasziniert und überwältigt. Dass Jesus tatsächlich ganz persönlich mit mir spricht, direkt in mein Leben hinein, in meine persönlichsten Situationen hinein (die eben nicht immer alle detailliert in der Bibel stehen …) – das hat mich beinahe umgehauen.

Nun bin ich jemand, der sehr aktiv ist, immer 100 Dinge gleichzeitig tut und sich sehr schwer tut, sich einfach mal hinzusetzen und auf Gott zu hören. Das klappt bei mir beinahe nie, auch beim Spazierengehen funktioniert das nicht wirklich. Meine Gedanken lassen sich noch zu leicht ablenken, und schneller als mir lieb ist, bin ich ganz woanders und nicht mehr bei Jesus. Das verletzt ihn zwar, aber er wird niemals jemanden zwingen, mit ihm zu sprechen. Ich selber aber bin höchst unbefriedigt, wenn es so läuft, denn das ist ja nicht das, was ich will. Vielleicht bin ich auch einfach noch nicht geübt genug darin, seine Stimme wirklich auch dann zu hören, wenn um mich herum viel passiert.

Darum habe ich für mich eine Weise herausgefunden, die mir hilft, dran zu bleiben am Gespräch mit Jesus. Meine Leidenschaft ist der Computer. Den Großteil des Tages verbringe ich am Rechner – beruflich ebenso wie privat. Und diese Leidenschaft habe ich mir zunutze gemacht. Das ist nun natürlich mein Weg, der mir hilft – das heißt nicht, dass dieser Weg der einzige und richtige ist. Aber mir hilft es ungemein, mich an den Computer zu setzen und mit Jesus zu „chatten“. Wahrscheinlich weiß jeder, was chatten ist – normalerweise kann man auf diese Weise im Internet mit jemand anders direkt kommunizieren, ohne auf den „Umweg“ eMail zurückgreifen zu müssen.

Und ähnlich mache ich es mit Jesus. Natürlich nicht im Internet, das braucht es dazu nicht, sondern ganz normal in einem Textverarbeitungsprogramm. Ich setze mich an den Rechner und fange einfach an, meine Gedanken aufzuschreiben – als würde ich Tagebuch schreiben. Ist es ja auch irgendwie. Man könnte es auch Gebetstagebuch nennen. Ich nenne es aber lieber „Chat“, weil es letztlich eben nicht nur beim Aufschreiben meiner Gedanken bleibt. Entweder formuliere ich irgendwann auch direkt Fragen an Jesus, oder er schaltet sich auch ohne direkte Frage ein.

Und dann wird aus dem reinen Gedanken aufschreiben ein Dialog. Plötzlich formieren sich Gedanken in mir, die nicht mehr meine Gedanken sind. Plötzlich schreibe ich Dinge, die unmöglich aus meinem Denken entsprungen sein können.

Als mir das das erste Mal „passierte“, war ich fasziniert und verunsichert zugleich. Mir war klar, dass das, was ich schreibe, eigentlich nicht das ist, was ich normalerweise denke. Gleichzeitig war es aber auch total meine „eigene“ Sprache. Mit anderen Worten – die Form war meine, der Inhalt aber nicht. Konnte es wirklich sein, dass Jesus hier anfing, auf diese Weise mit mir zu reden? Anfangs war ich da nicht so sicher, es klang mir vieles eben zu sehr nach mir selbst.

Einen Vorteil hat aber dieses Chatten eben auch – alles ist aufgeschrieben und man kann es nachlesen. Und als ich dann einen Tag später genau das getan habe, erschien es mir schon nicht mehr so ganz unwirklich. Und ich bin dran geblieben. Nicht jeden Tag – leider klappt das immer noch nicht so, wie ich es mir wünsche, aber immer öfter und immer besser. Anfangs waren die Teile im „Jesus-Chat“, die seine Antworten waren, noch sehr kurz. Inzwischen sind meine eigenen Gedankenanteile immer kürzer und sein Reden wird immer mehr.

Möglich, dass mein Hören einfach besser wird – aber auch sein Umgang mit mir passt sich meinen persönlichen Möglichkeiten an. Jesus überfordert niemanden, und am Anfang hätte es mich überfordert, wenn ich plötzlich drei Seiten geschrieben hätte, die nicht meine eigenen Gedanken gewesen wären. Jesus geht sanft und vorsichtig mit uns um. Als ich ihn ganz am Anfang mal gefragt habe, ob das denn wirklich sein könnte, dass dies wirklich seine Worte sind und dass ich mir eher vorkäme, als würde ich in einem Buch einen Dialog zwischen zwei Personen schreiben, war seine Antwort: „Genau das ist es doch. Ein Dialog zwischen zwei Personen. Ich nehme sogar Rücksicht auf deine Tippfehler und rede so langsam, dass du mitschreiben kannst. Es ist ein Dialog, denn ich bin eine Person!“

Inzwischen kommt mir das nicht mehr so komisch vor und ich lerne langsam, seine Stimme besser zu hören und zu verstehen.

Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie, und sie folgen mir (Joh 10, 27).

Genauso geht es mir. Ich lerne die Stimme meines Hirten immer besser kennen, lerne, sie zu unterscheiden von vielen anderen Stimmen, die in mir sind und auch etwas zu sagen haben wollen. Immer noch bin ich oft unsicher, ob es denn wirklich sein kann … Dazu hat Jesus mir gesagt, dass ich auch mir selber besser vertrauen darf und soll. Er redet in meine Gedanken, er hat diese Gedanken in mich hineingelegt, und wenn ich immer und immer wieder daran zweifle, ob das denn überhaupt möglich ist (weil ich mich nicht als würdig genug dafür empfinde), dann beleidige ich ihn damit auch ein Stückweit. Er aber will, dass wir als seine Kinder ein gesundes Selbstbewusstsein haben – kein arrogantes, überhebliches Selbstbewusstsein, sondern ein gesundes. Denn in uns lebt der König, wir sind die Wohnung seines Heiligen Geistes, und durch diesen spricht er zu uns – direkt in unsere Herzen, in unsere Gedanken.

Ich möchte euch ermutigen, euren ganz persönlichen Weg zu finden, mit Jesus zu sprechen. Nicht für jeden ist das Chatten die beste Methode, aber für jeden gibt es eine beste Methode. Mach dich auf – ganz persönlich – und finde diesen Weg, der für dich der beste ist, mit Jesus ins Gespräch zu kommen. Und vergiss nicht, ihn zu fragen, welcher Weg für dich der beste ist. Und wenn du auf einmal einen Gedanken hast, der dir seltsam bekannt und gleichzeitig merkwürdig fremd vorkommt – dann höre noch einmal genauer hin, denn dann spricht Jesus mit dir!

© Lisa Holtzheimer

Gott, der Retter

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Vor ein paar Tagen habe ich mir eine alte Serie auf Video angeguckt. Eine Szene spielte um die Weihnachtszeit in einer kleinen Kirche in Österreich. Dort sang ein Chor adventliche Lieder. Dagegen ist im Prinzip nichts einzuwenden – zur entsprechenden Jahreszeit und im passenden Rahmen kann das ja auch sehr schön sein. Aber als ich so auf meiner Couch lag und dabei plötzlich weniger die Handlung des Films, als viel mehr den Text dieses Liedes, das der Chor da sang, vor Augen hatte, fand ich die ganze Szenerie plötzlich nicht mehr so schön. Schön alpenländisch-musikalisch untermalt, wurden da „den Hirten die Grüße dargebracht und die Kunde vom lieben Jesulein“ weitergesagt.

Keine Angst, ich halte euch jetzt keine Weihnachtspredigt. Aber es bleibt gar nicht aus, dass man in solchen Momenten – selbst bei 25 ° im Schatten - auch anfängt, über die Weihnachtslieder nachzudenken, die man von Kindheit an kennt. In fast allen – sofern sie nicht gerade von immergrünen Bäumen handeln – ist in irgendeiner Form von Jesus die Rede. Aber in ebenso vielen ist die Rede eben nur von diesem niedlichen, armen, kleinen Baby, das in einem Stall zur Welt kommen musste (und nicht in einem schönen, warmen, freundlichen Kreißsaal) – dem süßen Jesulein. Das wollen dann auch fast alle hören – es ist so stimmungsvoll und rundet die Erwartung an diese Jahreszeit ab.

Mir allerdings ist beim näheren Nachdenken darüber – Verzeihung – beinahe schlecht geworden. Ich habe mich gefragt, wie Jesus sich wohl fühlen mag, wenn alle Menschen in Verzückung geraten über die Kitsch-Darstellung seiner Geburt – und vor allem wie er sich dabei fühlen mag, dass die meisten Menschen genau da stehen bleiben. Den erwachsenen Jesus will unsere Gesellschaft nicht mehr, in unserer postmodernen Zeit „braucht“ man keinen Jesus, der einem Vorschriften macht, wie man zu leben hat - und auch keinen mehr, der einen rettet. Man rettet sich – vermeintlich – selbst.

Doch genau das ist der fatale Irrtum unserer Zeit – na ja, nicht nur unserer, aber vielleicht vor allem unserer. Und darin sind wir den Menschen aus der alttestamentlichen Zeit gar nicht so unähnlich. Damals – als Jesus noch nicht gekommen und gestorben war – war eine der Grundvoraussetzungen, um von Gott angenommen zu werden, das Einhalten der Gesetze. Und da gab es viele … Und sie alle einzuhalten, war nicht nur beinahe unmöglich, es war gänzlich unmöglich. Darum sagt Paulus in seinem Brief an die Galater:

Gal 3, 10

Denn alle, die aus Werken des Gesetzes sind, die sind unter dem Fluch, denn es steht geschrieben: “Verflucht ist jeder, der nicht bleibt in allem, was im Buch des Gesetzes geschrieben ist, um es zu tun!”

Das bedeutet, dass alle, die versuchen, ihre Errettung durch das Einhalten von Gesetzen zu „verdienen“, unter dem Fluch sind, durch den allerkleinsten Fehler – ein einziges Mal – das Gericht Gottes und die Verdammnis auf sich zu ziehen.

Jak 2, 10

Denn wer das ganze Gesetz hält, aber in einem strauchelt, ist aller Gebote schuldig geworden.

Ein einziges Mal in einem langen Leben einen winzigkleinen Fehler machen – und du bist für alle Ewigkeit verloren. Das ist wahrhaftig ein Fluch, denn niemand, kein Mensch, ist in der Lage, das Gesetz vollständig einzuhalten. Das Gesetz zu damaliger Zeit war ja nicht nur ein politisches Gesetz wie unsere deutsche Verfassung, sondern es waren die 10 Gebote. Und obwohl es so scheint, als ob es gar nicht so schwer sei, diese einzuhalten, hat sich doch erwiesen, dass es schier unmöglich ist, jedes einzelne dieser Gebote in seiner umfassenden Form ein ganzes Leben lang bis auf I-Tüpfelchen einzuhalten. Nicht mal die Phariäser in Israel haben das geschafft – und die waren so etwas wie die „Aufseher des Glaubens“, sie haben penibel darauf geachtet, dass niemand irgendein Gesetz übertritt – oder sagen wir besser, sie versuchten, darauf zu achten, dass niemand ein Gesetz übertreten würde. Denn wie gesagt, niemand konnte das schaffen – auch sie selbst nicht. Weil sie das aber vorgaben und dies vor allem auch vom Volk verlangten, waren sie nicht sehr beliebt und wurden – zu Recht – oft als Heuchler beschimpft.

Die Menschen heute haben aber trotzdem ein ganz ähnliches Denkschema. „Ich habe ja niemanden umgebracht.“ „Ich habe noch nie das Finanzamt betrogen.“ „Ich halte mich an alle Geschwindigkeitsbeschränkungen.“ „Ich tue nichts Ungesetzliches, also brauche ich auch nichts zu befürchten.“ Nicht zu vergessen: „Ich gehe regelmäßig zur Kirche.“ Vielleicht kann man auch noch das „Vaterunser“ auswendig oder das Glaubensbekenntnis aufsagen. Mein Leben ist doch im Großen und Ganzen richtig in Ordnung. Beinahe perfekt. Über die eine oder andere kleine Notlüge wird Gott – an den ich selbstverständlich irgendwie glaube – schon beiden Augen zudrücken. Wozu also brauche ich einen Retter?

Wozu brauchen wir einen Retter? Wovor oder wovon müssen wir denn gerettet werden? Die Aussage aus dem Galaterbrief geht noch weiter:

Gal 3, 11

Dass aber durch das Gesetz niemand vor Gott gerechtfertigt wird, ist offenbar, denn “der Gerechte wird aus Glauben leben”.

Aha. Wer die Dinge des Gesetzes getan hat, wird tatsächlich durch sie leben. Wohlgemerkt, es geht nicht darum, alle Geschwindigkeitsbeschränkungen einzuhalten oder niemanden umzubringen. Es geht immer noch um die religiösen Vorschriften, um die Gesetze Gottes, um die 10 Gebote.

Keinem Menschen ist es möglich, diese Gesetze bis ins Letzte einzuhalten. Halten wir sie aber nicht ein, stehen wir unter dem Fluch, der unweigerlich in die Hölle führt. Klingt nach einem echten Teufelskreis …

Also brauchen wir doch einen Retter.

Gal 3, 13

Christus hat uns losgekauft von dem Fluch des Gesetzes, indem er ein Fluch für uns geworden ist um unsertwillen.

Losgekauft kann man auch mit „erlösen“ übersetzen. Gemeint ist damit das Freikaufen eines Sklaven. Wenn der Sklave selbst oder jemand anders für ihn einen bestimmten Betrag an den Besitzer des Sklaven bezahlte, war dieser ein freier Mann. Weil ein Sklave in den allermeisten Fällen überhaupt nie die Gelegenheit hatte, selbst zu so viel Geld zu kommen (denn er verdiente ja meistens überhaupt nichts oder nur sehr wenig), war er normalerweise darauf angewiesen, dass jemand kam und dieses Geld für ihn bezahlte. Nur so konnte er jemals darauf hoffen, die Freiheit zu bekommen.

Ganz genauso geht es uns. Wir haben von uns aus nicht die geringste Möglichkeit, uns selbst zu retten, zu erlösen. Wir sind vollkommen darauf angewiesen, dass jemand anders kommt und uns freikauft. Ohne dies sind wir auch Sklaven – Sklaven der Sünde, nicht das ganze Gesetz bis auf’s I-Tüpfelchen gehalten zu haben. Ich brauche nur an die letzte Woche, noch nicht mal – es reichen ein paar Stunden – zu denken, dann fallen mir schon genügend Dinge ein, wegen denen ich für alle Ewigkeit verloren wäre, weil ich nicht in der Lage war, das Gesetz – die 10 Gebote – zu halten. Jeder, der ehrlich mit sich selbst ist, wird dasselbe von sich sagen.

Darum brauche ich einen Retter. Ich brauche jemanden, der kommt und mich loskauft von meiner Sünde. Ich habe das Gesetz millionenmal übertreten – die Konsequenz daraus mag ich mir gar nicht vor Augen halten …

Als ich mir Gedanken über dieses Thema gemacht habe, habe ich Jesus gefragt, was ich dazu sagen könnte. Die meisten, die hier sitzen, wissen, dass Jesus uns vor einer Ewigkeit in der Hölle gerettet hat, weil er für uns gestorben ist und uns damit aus der Sklavenschaft der Sünde, der Trennung von Gott, freigekauft hat. Wer sich darüber nicht im klaren ist, darf nachher gerne mich oder jemanden aus der Gemeinde ansprechen.

Aber ich habe Jesus gefragt, was denn seine Rettung durch seinen Tod noch bedeutet. Als Christen leben wir ja nicht nur in der Hoffnung auf eine „gute Ewigkeit“, sondern wir leben im Hier und Jetzt. Wir leben in der Welt, aber wir sind nicht „von der Welt“, steht im Johannes-Evangelium.

Joh 15,16

Sie sind nicht von der Welt, wie ich nicht von der Welt bin.

Und deshalb muss es auch schon im Hier und Jetzt irgendeinen Unterschied geben zu den Menschen, die nicht mit Jesus leben und auch zu unserem früheren Leben – denn wir alle sind ja nicht als Christen geboren.

Jesus rettet uns nicht nur vor der Ewigkeit in der Hölle – wenn das vielleicht auch vom Ziel her betrachtet das Entscheidendste sein mag. Aber er will uns von weit mehr erretten, als wir es in unserem christlichen Denken eingeplant haben. Unsere Theologie hat Jesus „zusammengeschrumpft“ allein auf die Rettung vor der Hölle. Aber im Grunde ist dies letztlich nur das Fazit der Rettung.

Die Rettung selbst fängt hier und jetzt in diesem Leben an. Jesus will uns nicht nur vor der Hölle retten. Er will uns retten aus unserem ich-süchtigen Leben. Er will uns retten aus einem Leben in Sinnlosigkeit, aus einem Leben in der Sucht nach Macht und Geld. Er will uns retten von unserem Egoismus. Wir alle sind restlos egoistisch, ich-süchtig. Wir alle streben nach Macht und Geld – in irgendeiner Form. Der eine hat Angst um seine Existenz, der andere findet, er wird nicht genügend anerkannt.

Wir machen uns Sorgen ums Geld, weil wir uns davon Sicherheit versprechen. Wir wollen einen gewissen Grad an Macht, weil wir uns nach Anerkennung sehnen. Jesus hat mir gesagt, dass diese Rettung bei uns noch nicht angekommen ist. Denn er ist unsere Sicherheit. Er ist auch unsere Anerkennung. Auch das ist Rettung, dass er all dies für uns ist.

Die Rettung ist das neue Leben, das wir im Glauben angezogen haben:

Eph 4, 21

Ihr habt ihn doch gehört und seid in ihm gelehrt worden, wie es Wahrheit in Jesus ist:

Die Rettung ist, dass wir in der Lage sind, den alten Lebenswandel abzulegen und den neuen Menschen anzuziehen. Das ist Transformation – wie eine Raupe ihre Haut ablegt und eine neue Haut anzieht. Plötzlich kann sie fliegen. Sie wusste vorher nicht, wie das geht, und bestimmt hat sie sich keine Gedanken darüber gemacht, wie sie das tun könnte. Sie ist einfach in der Lage dazu.

Ebenso sind wir einfach in der Lage dazu, den alten Lebenswandel abzulegen und den neuen anzuziehen, sagt Gott. In Epheser 4 ab Vers 25 wird ein wenig näher ausgeführt, was dieser neue Lebenswandel ist:

Eph 4, 25

Deshalb legt die Lüge ab und redet Wahrheit, ein jeder mit seinem Nächsten! Denn wir sind untereinander Glieder.

Das klingt schon wieder nach viel Anforderung und Mühe. Ist es auch, wenn wir dies aus uns selbst heraus schaffen sollen. Uns diese Mühe zu geben, können wir uns sparen, denn wir können es nicht aus uns selbst heraus. Dass wir dennoch dazu in der Lage sind, bewirkt die Rettung durch Jesus.

Wir müssen dazu nur eins tun. Das Einzige, das Jesus uns nicht abnehmen kann.

Der Sklave hat von seiner Befreiung überhaupt nichts, wenn er nicht glaubt, dass ein anderer das Lösegeld für ihn bezahlt hat. Wenn er davon keinen Gebrauch macht, bleibt er ein Sklave. Er muss es glauben und annehmen, dass er nun frei ist. Dann wird er nicht wieder zu seinem ehemaligen Herrn, dem Sklavenhalter, gehen, sondern einen neuen Weg in die Freiheit gehen.

Wir müssen glauben und annehmen, dass Jesus uns nicht nur vor einer Ewigkeit in der Hölle, sondern auch für ein „Leben in Gerechtigkeit und Heiligkeit“ im Hier und Jetzt gerettet hat. Wir müssen ihm vertrauen – blind vertrauen.

Wenn ich eine Bergwanderung mache und dabei abstürze, vertraue ich der Bergrettung, dass sie mich rettet. Ich lasse sie ihre Rettungsmaßnahmen tun und werde mich hüten, ihnen zu sagen: „Lasst mich mal selbst das Seil anlegen – ich will lieber ganz sicher gehen“. Das könnte fatal enden – wahrscheinlich werde ich ein zweites Mal abstürzen, und mich dann schwerer verletzen als beim ersten Mal. Ich muss – und werde – der Bergrettung blind vertrauen, weil ich davon ausgehe, dass sie ihr Geschäft verstehen.

Wenn ich aber wildfremden Menschen schon blind vertraue, mich in einer Situation wie dieser ihnen sogar bedingungslos ausliefere – wie viel mehr kann ich dann Jesus blind vertrauen und mich ihm voll und ganz ausliefern!

Er ist der Retter! Er versteht sein Geschäft! Er hat alles getan, damit ich mich schon in diesem Leben ganz und gar auf ihn verlassen und berufen kann.

Er hat mich gerettet, um in diesem Leben bestehen zu können. Danke, Jesus!

Amen

© Lisa Holtzheimer

Der gute Hirte

Vor einiger Zeit hatte ich eine „Begegnung der besonderen Art“. Ich wohnte damals in einem Dorf mitten im Westerwald, und dort im ersten - oder letzten, je nachdem - Haus im Dorf. Neben meinem Haus jedenfalls ist nur noch Wiese, und die geht über einen Berg. An dem Tag sitze ich an meinem Schreibtisch und denke nicht Besonderes, als ich plötzlich merkwürdige Geräusche höre - bääh, määh … Zuerst hab ich aus dem Fenster geguckt, da war aber noch nichts zu sehen. Als das Mäh und Bäh aber immer lauter wurde, hat mich nichts mehr gehalten, ich bin hinten auf meine Terrasse und sehe auf der Wiese neben meinem Haus - vor lauter Schafen keinen Grashalm mehr …

Ich bin dann schnell wieder ins Haus gesprintet und habe meinen Fotoapparat geholt - so etwas sieht man nicht alle Tage, selbst, wenn man in einem 199-Seelen-Dorf wohnt wie ich. Irgendwo am Rande der Schafherde konnte ich auch einen Menschen ausmachen (vielleicht waren es auch zwei oder drei, das weiß ich nicht mehr) - aber bei der Menge weißer Wolle - soweit das Auge reichte - wirkte der verschwindend klein - der Hirte, oder Schäfer, würden wir wahrscheinlich sagen.

Der Anblick hat mich fasziniert - und manchmal wünsche ich mir, sie kämen mal wieder vorbei.

Was für eine Vorstellung haben wir eigentlich, wenn wir das Wort „Hirte“ hören? Was assoziieren wir damit?

Wenn wir mal einen Moment die Augen schließen und uns eine Schafherde vorstellen, fällt uns die Antwort bestimmt nicht schwer - ein Hirte ist jemand, der mit einer mehr oder weniger großen Herde - meistens- weißgelockter, niedlicher und friedlicher Tiere durch die Landschaft zieht, hier und da mal Halt macht, bis das Gras abgefressen ist und ein neuer Futterplatz für die Tiere gefunden werden muss. Um das Bild zu vervollständigen, gehört noch ein Hund dazu - ein Schäferhund natürlich - und vielleicht ein Hirtenstab.

All das ist wohl auch richtig - und doch sind es nur die Äußerlichkeiten. Wenn mich jemand in einen langen Mantel steckt, mir einen Hirtenstab in die Hand drückt und einen Hund zur Seite stellt - dann sehe ich zwar äußerlich aus wie ein Schäfer - naja, wie eine Schäferin - aber je nach meinen schauspielerischen Fähigkeiten würde sich das bestenfalls für einen Film eignen. Denn ich könnte höchstens eine Schäferin spielen, auch mit dem besten Outfit bin ich noch lange keine. Die Schafherde würde vermutlich nicht mal auf mich reagieren, wenn ich sie rufen würde - vielleicht würden noch einige besonders neugierige Tiere den Kopf heben - so nach dem Motto: Wer bist du denn?, ein paar mutige mich vielleicht beschnuppern. Aber folgen würden sie mir bestimmt nicht, wenn ich mich in Bewegung setze. Wenn der Hund gut ist und die Schafe ihn kennen - vielleicht würde er das noch schaffen - aber ich sicher nicht.

Warum nicht? Warum würden die Tiere nicht mit mir gehen? Ich bin ein absolut tierlieber Mensch, und die meisten Tiere spüren das und erwidern meine Freundschaft freudig. Warum würden die Schafe trotzdem nicht mit mir gehen?

Die Antwort finden wir in der Bibel. In Johannes 10, 2 - 4 steht: „Der aber zur Tür hineingeht, der ist der Hirte der Schafe. Dem macht der Torhüter auf, und die Schafe hören seine Stimme und er ruft seine Schafe mit Namen und führt sie hinaus. Und wenn er alle seine Schafe hinausgelassen hat, geht er vor ihnen her, und die Schafe folgen ihm, denn sie kennen seine Stimme.“

Aha - die Schafe hören seine Stimme. Meine kennen sie nicht, darum gehen sie nicht mit mir. Sie kennen die Stimme dessen, von dem sie aus Erfahrung wissen, dass er es gut mit ihnen meint. Er wird sie dorthin führen, wo sie genug zu fressen haben an diesem Tag. Er wird aufpassen, dass sie nicht in Gefahr geraten - hierzulande stehen die Chancen, von einem Wolf gefressen zu werden, nicht so gut, aber die Schafe unserer Zeit müssen Straßen überqueren, mit Stacheldrahtzäunen kämpfen oder vielleicht auch gegen bösartige Menschen, die ihnen statt gutem Futter Gift verabreichen - alles leider schon dagewesen. Schafe können so etwas nicht unterscheiden und sich nicht selbst schützen. Ohne ihren Hirten, der sie liebt und es ohne Einschränkung gut mit ihnen meint, wären sie bei solchen Attacken verloren.

Von den Schafen können wir echt was lernen. Ich glaube nicht, dass ein Schaf sich die Frage stellt, ob es der Hirte wirklich gut meint. „Vielleicht - es könnte ja sein, dass heute nicht so sein Tag ist - vielleicht führt er mich heute nicht auf eine saftige Wiese, sondern auf eine betonierte Straße? Ob ich da nicht vielleicht mal besser vorsorge und gleich auf eigene Faust losziehe und mir lieber selbst eine Wiese suche, auf der es saftiges Gras gibt? Nur so zur Sicherheit …“

Interessante Vorstellung, nicht wahr? Wir lachen - denn uns ist vollkommen klar, dass kein Schaf auf der Welt solche Gedankengänge hat. Ein Schaf vertraut seinem Hirten - ohne Wenn und Aber.

Aber wie ist das mit uns? Wir kennen ja auch jemanden, der von sich selbst sagt: „Ich bin der gute Hirte und kenne meine Schafe und sie kennen mich“ (Joh 10, 14). Der das sagt, ist Jesus Christus. Wenn wir ihm unser Leben anvertraut haben, gehören wir zu seiner Herde. Wir sind die „Schafe Jesu“ - ich finde, das ist ein nettes Bild.

Und? Haben wir dieses blinde, absolut unerschütterliche Vertrauen in Jesus? Dass er es wirklich bedingungslos gut mit uns meint? Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass das eben oft doch nicht ganz so ist - darum wage ich hier mal zu unterstellen, dass jeder von euch auch Punkte in seinem Leben hat, wo es ihm ähnlich geht.

Es geht mir gar nicht um das generelle Vertrauen in Jesus - das haben wir wohl alle. Aber in so manchen Einzelsituationen neigen wir menschlichen Schafe doch auch recht schnell mal dazu, „vorsichtshalber schon mal selbst unsere eigene saftige Wiese zu suchen“. Die kann bei jedem ganz anders aussehen.

  • Vielleicht bist du arbeitslos und weißt nicht mehr, woher das Geld kommen soll, um den nächsten Monat, das nächste Jahr zu überstehen. Keine leichte Situation, ganz bestimmt nicht
  • Vielleicht suchst du schon lange nach dem Partner für’s Leben und denkst dir: wenn ich doch keinen Christen finde, warum soll ich denn nicht einen lieben, netten Menschen heiraten, nur weil er nicht an Gott glaubt?
  • Vielleicht kämpfst du schon lange mit einer Krankheit, wo die Medizin nicht weiter kommt - und jemand hat dir erzählt, dass es einen Wunderheiler gibt, der mit seinem Pendel anderen Menschen in genau derselben Situation geholfen hat. Ausprobieren kann doch nicht schaden … oder doch??

Ich möchte dich ermutigen - wo immer deine saftige Wiese ist, die dir gerade fehlt, mach es wie ein Schaf. Vertraue blind auf deinen Hirten. Der meint es grenzenlos gut mit dir.

Jesus meint es gut! Wenn wir in den Evangelien nachlesen, wie er mit den Menschen, die ihm begegnet sind, umgegangen ist, dann gibt es letztendlich nur einen Konsens: liebevoll, gut meinend, helfend.

Jesus hat niemanden im Stich gelassen, der sich in seiner Not an ihn gewandt hat. Und das waren wirklich viele Leute. Sein Ruf hatte sich ja in kürzester Zeit über das ganze Land verbreitet, und überall, wo er auftauchte, wollten Menschen Hilfe von ihm. Und was tat er? Hat er jemals zu jemandem gesagt: „Sorry, ich bin gerade müde und abgespannt. Kommt doch morgen wieder.“ Lesen wir auch nur einmal in der Bibel, dass Jesus zu einem Menschen sagte: „Dein Problem ist für mich nicht ‘groß genug’ - versuch dir selbst zu helfen.“?

Im Gegenteil. Überall lesen wir, dass Jesus den Menschen geholfen hat. Wir kennen alle die Geschichte von der Speisung der 5000. Das allein schon ist nicht nur ein Wunder, sondern die reinste Fürsorge. Er hätte auch zu den Menschen sagen können, nachdem er ihnen - wir würden heute sagen - eine Predigt gehalten hat: „Liebe Leute, es war schön, euch zu treffen, danke, dass ihr mir zugehört habt. Aber nun wird es Abend - und wir haben alle Hunger. Ich wünsche euch noch einen schönen Abend - und ich gehe jetzt in den nächsten Fischimbiss und kaufe mir einen Räucheraal.“

Nein, Jesus fragt seine Jünger, ob sie eine Idee hätten, wie diese Riesenmenge Menschen satt gemacht werden kann. Wie es weitergeht, wissen wir alle. Da war ein Junge, der hatte 5 Brote und zwei Fische - die nahm Jesus, dankte seinem Vater im Himmel und ließ sie dann an 8 - 10.000 Menschen verteilen. Und alle wurden satt, und es blieben sogar noch 12 Körbe mit Resten.

Was mich aber „am Rande“ dieser Geschichte noch viel mehr fasziniert, ist ein Satz, der nur ein ganz kleiner Einschub in der Hinführung zu diesem allseits bekannten Wunder ist:

Und er ließ sie zu sich und sprach zu ihnen vom Reich Gottes und machte gesund, die der Heilung bedurften (Lk 9, 11b).

Hier ist noch nicht mal die Rede davon, dass jemand ihn angesprochen oder darum gebeten hätte, dass Jesus ihn doch bitte heilen möge. Nein, Jesus machte gesund, die der Heilung bedurften. Einfach so.

Jesus sieht deine Not! Er sieht sie, bevor du ihn darauf ansprichst! Er sieht sie sogar schon, bevor du selbst sie vielleicht bemerkst.

Nöte gibt es so viele. Nicht nur körperliche Krankheit. Jesus sieht sie alle - er kennt sie alle. Er weiß um deine Geldsorgen. Er weiß um deine Einsamkeit. Er weiß um deine Krankheit. Er weiß um deine Ängste um deine Kinder. Und er will helfen! Er will eingreifen, er will heilen!

Nicht immer passiert das genauso, wie wir uns das vorstellen. Nicht immer passiert es sofort, wenn wir beten. Und manchmal erhört Jesus unsere Gebete ganz anders, als wir das eigentlich gerne gehabt hätten - und wie oft schon habe ich im Nachhinein festgestellt, dass es ganz genau richtig war, wie „es dann gekommen ist“ - Jesus hat es gewusst und alle Fäden so zusammengeführt, dass „unter dem Strich“ genau das herausgekommen ist, das für mich das Beste war.

Ich möchte dich ermutigen, alles, was dich bewegt, bedrängt, ängstigt, an Jesus abzugeben. „Alle eure Sorge werft auf ihn; denn er sorgt für euch“ (1 Petrus 5, 7). Das gilt auch heute noch - jeden Tag, für jeden Menschen in jeder Situation!

Jesus ist der gute Hirte, der für all das sorgt, was seine Schafe brauchen, damit es ihnen gut geht. Er wird sie nicht im Stich lassen, er wird sie nicht in die Irre führen, er wird nicht genervt sein von unseren Bitten und Sorgen - er will für uns sorgen. Lassen wir ihn das tun!

© Lisa Holtzheimer

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