Verkehrte Welt

Jetzt stehen sie wieder vor der Tür – die sogenannten „tollen Tage“, je nach Region Karneval oder Fasching genannt. Für mich als gebürtiges Nordlicht ist dieser Ausnahmezustand auch nach 20 Jahren in den Ausläufern des Rheinlandes immer noch gewöhnungsbedürftig – und um ehrlich zu sein, will ich mich gar nicht daran gewöhnen.

 

Jedes Jahr wieder staune ich darüber, wie unendlich viele intelligente, seriöse, kluge Menschen sich freiwillig zu Narren machen. Inzwischen vermeide ich es in der Woche rund um den Rosenmontag möglichst, Einkäufe oder andere Erledigungen tätigen zu müssen. Mehr als einmal fand ich mich in dieser Jahreszeit schon in einem Autohaus, in einer Sparkasse oder einem Friseursalon wieder, wo ich plötzlich von Indianern, Clowns, Pumuckels oder ähnlichen Gestalten bedient wurde – und ich gebe offen zu, dass ich mich dabei alles andere als wohl gefühlt habe.

 

Warum habe ich mich dabei so unwohl gefühlt? Nicht einmal, weil die entsprechenden Gestalten anzüglich, frech oder gar betrunken waren. Nein – sie befanden sich ja trotz aller Verkleidung im Dienst und hatten sich natürlich auch die entsprechenden Verhaltensregeln zu halten. Doch wenn man als einzige Person ohne Kostüm in einer Bank steht, in der sich statt seriöser Bankkaufleute Orang-Utans, Cowboys oder Riesenbabys hinter den Schaltern befinden, kommt man sich einfach merkwürdig vor. Und von nicht wenigen wird man auch genauso angesehen – man kann doch nicht ganz normal sein, wenn man in diesen Tagen nicht wenigstens ein schiefes Hütchen auf dem Kopf hat oder Luftschlangen um den Hals hängen.

 

Verkehrte Welt. Plötzlich werden die Narren zu den Normalen und die Normalen werden als Narren angesehen – als die, die irgendetwas nicht ganz kapiert haben.

 

Ein Narr ist ein dummer Mensch; jemand, der es entweder nicht besser weiß oder sich mit der Wahrheit, der eigentlichen Realität nicht identifizieren will. Wikipedia definiert den Begriff so:

 

„Als Narr (von Althochdeutsch Narro), aber auch als Tor (davon hergeleitet töricht als Eigenschaft), wurde im Mittelalter ein Spaßmacher bezeichnet, der für Unterhaltung und Belustigung sorgen sollte und dabei meist auffällig gekleidet war. Als Tor oder Narr werden auch Personen bezeichnet, die sich sehr unreif, dumm, tollpatschig, voreingenommen, vorurteilsbehaftet und ignorant verhalten und die sich auf Basis ihrer Unwissenheit als Gelehrte aufplustern, ohne ihre Unwissenheit zu erkennen, weil sie denken, ihre Unwissenheit sei großes Wissen.

 

Außer Gebrauch gekommen ist die allgemeine Bedeutung eines „Narren“, der „närrische“, verdrehte, einfältige Dinge tut, halb mutwillig, halb wahnsinnig. Der Ausdruck wurde verunglimpfend gebraucht; allenfalls die Bezeichnung „Närrchen“, für ein Kind oder einen Jugendlichen, drückte gemischte Sympathie aus.

 

Eigentlich also eine in jeder Hinsicht abschreckende Bezeichnung. Man sollte denken, niemand möchte gerne so gesehen und definiert werden. Aber unzählige Menschen können sich nichts Schöneres vorstellen, als genau als das bezeichnet zu werden – als Narr / neudeutsch dann in der weiblichen Form auch noch als Närrin.

 

Ich finde das erschreckend. Gleichzeitig finde ich darin aber auch ein gutes Gleichnis für die Christen in dieser Welt. Die Bibel hat keine gute Meinung über Narren.

 

Aber Jesus sagt uns u. a. in Johannes 17, dass wir zwar „in der Welt, aber nicht von dieser Welt“ sind.


Auch als Christ fühle ich mich manchmal wie in einer „verkehrten Welt“. So viele Absurditäten werden „heute“ als normal angesehen – und das war auch schon vor Generationen  und vor Hunderten von Jahren nicht anders. Doch die Absurditäten nehmen täglich zu. Manchmal, wenn ich Nachrichten schaue und dort wieder in absoluter Ernsthaftigkeit ein völlig absurder Beschluss als neues Gesetz verkündet wird, sträuben sich mir oft genug die Nackenhaare.

 

Wenn ich sehe, wie sehr nicht nur die Menschen, sondern auch die Medien – auch die seriösen – Veranstaltungen wie die „Love Parade“ oder den „Christopher Street Day“ protegieren, wenn ich zuschauen muss, wie in großen Kirchen homosexuelle Partnerschaften als Ehe anerkannt werden und vermeintlich mit Gottes Segen versehen werden, wenn immer deutlicher wird, dass christliche Symbole, Meinungen und Ansichten von höchster Stelle aus immer mehr verdrängt oder als intolerant bezeichnet werden, während gleichzeitig islamischen Werten, Symbolen und Zeichen immer höhere Wertschätzung entgegengebracht wird – dann fühle ich mich mehr und mehr verkehrt in dieser Welt. Ich bin der Narr, die anderen sind die Normalen – scheinbar.

 

Doch in Wirklichkeit ist es ganz anders. In Wirklichkeit bin ich nicht der Narr, sondern das Kind des Königs.

 

Als Christ lebe ich zwar in dieser Welt – aber ich gehöre nicht mehr zu ihr. Ich gehöre längst zu einer anderen Welt – zu der eigentlichen Realität. Alles um mich herum will mir weismachen, dass diese Welt die Wirklichkeit ist – die einzige Wahrheit. Das Schreckliche ist – unendlich viele Menschen wissen es nicht besser und sind von ganzem Herzen überzeugt davon.

 

Ich aber weiß es besser. Ich bin ein Kind Gottes – und meine wirkliche Realität, die einzige Wahrheit, ist das Reich Gottes. Ich lebe – auch – noch auf dieser „falschen“ Welt, aber ich lebe vor allem in der eigentlichen Welt. Als Kind des höchsten Königs habe ich ungehinderten Zugang zu diesem Reich – ohne jede Einschränkung. Als Königskind lebe ich selbstverständlich im Reich des Königs – und nicht außerhalb in einem anderen Land.

 

Ich will mir das noch viel mehr bewusst machen – ich lebe nicht mehr in der Scheinwelt, in der „Matrix“, sondern ich habe jederzeit ungehinderten Zugang zum Reich meines himmlischen Vaters. Ich gehöre in dieses Reich – nicht in die Matrix. Alles, was dem Vater gehört, gehört auch seinen Kindern. Wenn wir das immer mehr verinnerlichen, leben und in die Tat umsetzen – dann leben wir nicht mehr in der verkehrten Welt, sondern in der einzig wahren Realität unseres himmlischen Vaters.

 

 

 

© Lisa Holtzheimer

www.herz-toene.de

www.holtzwurm.de

One thought on “Verkehrte Welt

  1. Sehr guter Blog, Lisa !

    Ich finde deine Ausführungen zum lächerlichen Karnevals- und Narren-Unwesen absolut zutreffend. Auf mich wirken die Narren und Närrinnen ebenso verkehrt und unreif wie auf dich.
    Indem ich die Verkleidungen einfach unkommentiert ignoriere und ein sachliches Gespräch führe, sorge ich von ganz alleine für eine gewisse Beklemmung durch meine Weigerung, auf die kindlich-naiven Verkleidungen mit Anerkennung oder einem Lächeln zu reagieren. Statt dessen bin ich dann ganz besonders locker und witzig zu all den Personen, die wie ich unmaskiert und natürlich herumlaufen.
    Wenn es sein muss, sage ich auch jemandem meine wahren Gedanken ins Gesicht – aber das muss äußerst liebevoll und demütig geschehen – und möglichst nur unter vier Augen.
    Wer einigermaßen authentisch leben will, dem kann man mit konstruktiver Kritik am besten helfen.

    Außerdem gefallen mir deine Ausführungen zur Gotteskindschaft und zum Reich Gottes auf Erden.
    Da sprichst du absolut wichtige biblische Wahrheiten aus!
    Danke für deine Klarheit und Offenheit!

    Falls du in Facebook unterwegs bist, findest du mich unter:
    „Michael Wolfgang Krug“

    Be Blessed
    Michael

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