Judas

Frage: War es nicht Gottes Absicht, dass Judas mit seinem Verrat alles ins Rollen brachte?

 

 


 

Antwort:


Ich vermute jetzt einmal, dass die „Frage hinter deiner Frage“ die ist, warum Judas dann verworfen wurde (Matthäus 26, 24 b: „Wehe aber jenem Menschen, durch den der Sohn des Menschen überliefert wird! Es wäre jenem Menschen gut, wenn er nicht geboren wäre.“). Wenn die Bibel hier sagt, es wäre besser für den Menschen, der Jesus verraten hat, er wäre gar nicht erst geboren, dann steckt darin in der Tat eine beängstigende Aussage für eben diesen Menschen – also Judas. Denn das kann nur heißen, dass er die Ewigkeit eines Tages nicht im Himmel, sondern in der Hölle verbringen wird. Wegen ein paar Jahren Leben hier auf der Erde würde Jesus eine solch dramatische Aussage nicht treffen.

 

Judas ist also auf dem Weg in die ewige Gottesferne. Und das erscheint auf den ersten Blick wirklich ungerecht zu sein. Denn – wie du ganz richtig erkannt hast – es musste durchaus jemand Jesus verraten an die Römer, also die Besatzungsmacht Israels der damaligen Zeit. Das war „geplant“ und aus dieser Sicht hat Judas nichts anderes getan, als Gottes Willen erfüllt – man könnte auch sagen, er tat das, was für ihn von vornherein vorgesehen war. Das wird auch dadurch deutlich, dass Jesus während des sogenannten letzten Abendmahls nicht nur vorhersagt, dass ihn jemand verraten wird (Markus 14, 20: „Er aber sprach zu ihnen: Einer von den Zwölfen, der mit mir das Brot in die Schüssel eintaucht“),  sondern auch, wer das sein wird (Matthäus 26, 25: „Judas aber, der ihn überlieferte, antwortete und sprach: Ich bin es doch nicht, Rabbi? Er spricht zu ihm: Du hast es gesagt“).    

Warum also droht Judas trotzdem die „ewige Strafe“? Diese Konsequenz hat ihren Grund nicht darin, dass er Jesus verraten hat. Das haben auch andere Jünger vorher und hinterher getan (vgl. z. B. Johannes 18, 12 – 27 – hier verleugnet Petrus dreimal, dass er Jesus jemals begegnet sei – das ist auch ein Verrat). Wenn also alleine der Verrat diese ewige und schreckliche Konsequenz für einen Jünger Jesu hätte, dann gäbe es weder für die ersten Jünger, die damals mit Jesus drei Jahre lang unterwegs waren, noch für seine Jünger danach bis in unsere Tage (also uns) eine Chance auf die Ewigkeit bei Gott. Denn die Bibel sagt uns an vielen Stellen sehr deutlich, dass schon viel kleinere Vergehen uns von Gott trennen.         

Wo liegt nun der wahre Grund für Jesu Aussage, dass der Mensch, der ihn verrät, besser gar nicht erst geboren wäre? Hier müssen wir ein geistliches Prinzip ansetzen, das heute noch genauso gilt wie zur Zeit des Neuen Testamentes. Ganz klar – denn Gott ändert sich nicht und die geistlichen Gesetzmäßigkeiten ändern sich auch nicht.

Judas hat Jesus verraten – das war, obwohl es geschehen musste, eine klare Sünde. Wenn wir heute als Christen, die Jesus kennen, unseren Herrn verleugnen, ist das genau so eine Sünde. Und was tut Sünde? Sünde trennt von Gott. Dabei kommt es gar nicht auf die „Art“ der Sünde, besser gesagt, des Vergehens, an. Jede Sünde – ob riesengroß oder winzig klein – trennt auf ewig und für alle Zeiten von Gott. Da gibt es keine Ausnahme.


Damit aber wir Menschen trotzdem eine Chance haben, die Ewigkeit mit Gott in seiner ewigen Herrlichkeit verbringen zu können, hat Gott eine Lösung geschaffen – Jesu Tod am Kreuz. Damit ist die Trennung von Gott aufgehoben und alle Menschen haben die Möglichkeit, direkt zu Gott zu kommen. Niemand muss also mehr auf ewig von Gott getrennt bleiben. Es gibt nur eine einzige Voraussetzung dafür. Wir müssen unser Leben Jesus anvertrauen, unsere Sünden bekennen und Vergebung empfangen.     

Genau an diesem Punkt ist Judas stehen geblieben. Nachdem Jesus von den Soldaten gefangen genommen worden war, ist Judas wieder „zu sich gekommen“. Und sehr schnell wurde ihm klar, dass er so richtig Mist gebaut hatte. War er nicht drei Jahre lang mit Jesus durch die Lande gezogen, hatte von ihm unendlich viel gelernt und seine Liebe erfahren? Gehörte er nicht zum engsten Freundeskreis des Meisters? Und plötzlich ließ er sich mit ein paar Silberstücken bestechen, diesen Freund und Meister zu verraten. Was war nur in ihn gefahren?? Matthäus 27, 3 – 4: „Als nun Judas, der ihn überliefert hatte, sah, dass er verurteilt wurde, reute es ihn, und er brachte die dreißig Silberlinge den Hohenpriestern und den Ältesten zurück und sagte: Ich habe gesündigt, denn ich habe schuldloses Blut überliefert. Sie aber sagten: Was geht das uns an? Sieh du zu!“        

Als er nun auch noch merkte, dass die, die ihn geködert hatten, ihn fallen ließen wie eine heiße Kartoffel, nachdem sie das hatten, was sie wollten (= Jesus), war Judas „fertig mit der Welt“. Matthäus 27, 5: „Und er warf die Silberlinge in den Tempel und machte sich davon und ging hin und erhängte sich.“ 

Nun war er also tot. Und leider hatte er etwas Wichtiges vergessen. Er hat zwar denen, für die er Jesus verraten hatte, gesagt, dass er einen Fehler gemacht hat. Doch das Wichtigere hat er nicht getan. Er hat seine Schuld nicht vor Gott bekannt und sich Vergebung geholt. Das, was hier jetzt ein wenig platt klingt, ist genau der Knackpunkt der Geschichte. Judas hat seine Sünde nicht vor Gott bekannt und sie wurde ihm deshalb nicht vergeben.

Der „Fehler“ lag also nicht bei Gott, sondern bei Judas. Gott in seiner Güte, Liebe und Gnade hätte ihm vergeben – so wie er jedem Menschen vergibt, der seine Sünden bekennt, von ganzem Herzen bereut und ihn um Vergebung bittet. Aber Vergebung ist kein Automatismus – das Bekennen und Bereuen gehört dazu. Gott sieht die Sünde und den Sünder – und er wartet nur darauf, vergeben zu können. Doch die geistlichen Gesetzmäßigkeiten brauchen die Aktion des Menschen – das Bekennen und Bitten um Vergebung. Darauf folgt Gottes Reaktion – die Vergebung – nur zu gerne.

 

 

 

© Lisa Holtzheimer

www.herz-toene.de

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