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Gottessöhne und Riesen??
Dieser Eintrag stammt von Lisa Holtzheimer Am 24.11.2008 @ 20:45 In Theologie | 1 Kommentar
“Und es geschah, als die Menschen begannen, sich zu vermehren auf der Fläche des Erdbodens, und ihnen Töchter geboren wurden, da sahen die Söhne Gottes die Töchter der Menschen, dass sie gut waren, und sie nahmen sich von allen zu Frauen, welche sie wollten. Da sprach der HERR: Mein Geist soll nicht ewig im Menschen bleiben, da er ja auch Fleisch ist. Seine Tage sollen 120 Jahre betragen. In jenen Tagen waren die Riesen auf der Erde, und auch danach, als die Söhne Gottes zu den Töchtern der Menschen eingingen. Das sind die Helden, die in der Vorzeit waren, die berühmten Männer.“
[1. Mose 6, 1 - 4]
Gottessöhne sind keine leiblichen Söhne Gottes, sondern gehören zum „Umfeld“ Gottes, so wie das „Gefolge“ zu einem König gehört. Beide Wörter sind in unserer heutigen modernen Sprache nicht mehr so bekannt, wir sprechen auch heute bei Königshäusern nicht mehr von Gefolge, sondern von Angestellten. Das trifft natürlich den Kern der Sache bei Gott auch nicht so ganz, denn Gott hat keine Angestellten
. Was aber klar werden soll, ist, dass wir auch hier die Wandlung der Sprache mit einbeziehen müssen.
In früheren Zeiten wurden als Söhne nicht immer nur die leiblichen Kinder bezeichnet, sondern oft auch Personen, die von jemandem ausgebildet wurden und evtl. später mit ihm zusammen auch den Dienst taten. In 1. Tim 1,2 spricht Paulus von Onesimus, den er „gezeugt“ habe. Das bedeutet auch hier keinesfalls, dass Onesimus Paulus’ leibliches Kind war, sondern dass Paulus ihn im Glauben unterrichtet hat und ihm dabei geistlich so nahe gekommen ist, dass sie geistlich eine Einheit bilden, so wie es Vater und Sohn tun. Und wie der leibliche Sohn die Arbeit des alt gewordenen Vaters normalerweise weiterführte, so führte ein „geistlicher“ Sohn die geistliche Arbeit seines Lehrers weiter. In der Bibel finden sich eine Reihe von Beispielen dieser Art, z. B. Elia und Elisa (2 Könige).
Auf diese Weise sind auch die Gottessöhne zu verstehen. Sie sind keine von Gott leiblich gezeugten Söhne, sondern Engelwesen, die um Gott herum als sein Gefolge sind und die nach seinen Anweisungen handeln. Zu ihnen gehörte auch der Satan (vgl. Hiob 1, 6). Das zeigt uns, dass auch himmlische Geschöpfe, die keine echten „Nachfolger“ Gottes mehr sind, sondern gegen Gott rebelliert haben und ihren eigenen Weg gegangen sind, trotzdem noch zu den Gottessöhnen gerechnet werden. Die meisten Ausleger sind sich darüber einig, dass Satan ein gefallener Engel ist. Im Ursprung waren alle Engel in Einheit, im Einklang mit Gott. Aber wie alle geschaffenen Wesen verfügen auch Engel über einen eigenen freien Willen und können in diesem freien Willen die Entscheidung treffen, Gott zu vertrauen und zu gehorchen oder gegen ihn zu rebellieren.
Wahrscheinlich war Satan der erste Engel, der gegen Gott rebelliert hat und sich entschieden hat, seinen eigenen Weg zu gehen. Satan war vorher einer hochrangiger Engel gewesen, der Anbetungsleiter – d. h., der Engel, der die anderen Engel darin anleitete, Gott anzubeten. In Jesaja 14, 12ff finden wir Hinweise darauf, dass Satan sich gegen Gott erhoben hat und ihm gleich werden wollte. Dafür wurde er aus dem Himmel ausgestoßen. Doch das blieb nicht ohne Folgen. Satan hatte auch andere Engel mit seiner Rebellion angesteckt.
Wenn nun in 1 Mose 6 von Gottessöhnen gesprochen wird, ist die Rede von ungehorsamen – also gefallenen – Engeln. Hilfreich ist auch noch zu wissen, dass vor allem das Alte Testament nicht chronologisch geschrieben ist – also nicht alles, was weiter hinten im Alten Testament steht, ist auch zwangsläufig erst viel später geschehen als etwas, das weiter vorne steht. Der Fall Satans und weiterer Engel muss auf jeden Fall lange vor der Erschaffung des Menschen gewesen sein, denn schon die ersten beiden Menschen wurden ja von Satan verführt. Und das konnte nur passieren, weil Satan sich schon von Gott abgewandt hatte und zu seinem Feind geworden war.
Hinweise auf den Fall Satans und anderer Engel finden wir aber erst viel später in der Bibel. Das lässt sich dadurch erklären, dass die Bibel in erster Linie Gottes Weg mit den Menschen beschreibt und die Dinge im übernatürlichen Bereich nur insoweit mit hineinbringt, wie es für diesen Zusammenhang wichtig ist und verstehbar ist. Doch sowohl Gott als auch die Engel – und damit auch Satan und sein Gefolge – gibt es schon sehr viel länger als die Erde und die Menschen. Gott hat keinen Anfang und kein Ende – er ist von Ewigkeit zu Ewigkeit. Unser menschliches Denken kann das nicht mehr fassen, darum können wir es „nur noch“ glauben.
Engel sind von Gott geschaffene Wesen und natürlich „jünger“ als Gott selbst – aber sie sind auf jeden Fall älter als die Menschheit. Wann genau Engel geschaffen wurden, warum Gott später „trotzdem“ noch Menschen schuf usw., darauf finden keine bzw. nur spärliche Hinweise in der Bibel. Engel sind „Diener“ Gottes, während Gott die Menschen zu seinem Abbild als seine Kinder, sein Gegenüber schuf. Mit dieser Beziehungsbasis hängt die Erschaffung der Menschen zusammen – Gott wollte nicht nur Diener um sich herum, sondern Kinder, mit denen er eine echte liebevolle Beziehung eingehen kann. Warum dies mit Engeln offenbar anders ist, darüber sagt die Bibel nichts, aber dass es einen Unterschied in Gottes Beziehung zu Menschen und zu Engeln gibt, ist deutlich.
Der „normale“ Lebensraum von Engeln und Engelwesen ist der Himmel. Im übrigen gibt es nicht nur den einen Himmel, sondern mindestens drei Himmel (vgl. 2 Korinther 12, 2). Im griechischen Urtext des Neuen Testamentes werden unterschiedliche Wörter für „Himmel“ gebraucht, während wir in der deutschen Sprache mit „Himmel“ sowohl den für uns sichtbaren Himmel als auch den unsichtbaren Himmel, den Wohnsitz Gottes, meinen. Die englische Sprache unterscheidet hier auch schon zwischen „sky“ und „heaven“.
Nach Ansicht von glaubwürdigen Bibellehrern ist der dritte Himmel der Wohnsitz Gottes und seiner Heiligen. Dort lebt auch seine Gefolgschaft, die gehorsamen und treuen Engel Gottes.
Der zweite Himmel ist der Aufenthaltsort Satans und seiner Anhänger. Satan wohnt nicht – wie oft angenommen – in der Hölle. Das ist der Ort, an den er einst ganz verbannt sein wird und wo schon jetzt die ungläubigen Verstorbenen sich aufhalten. Von dort gibt es keine Verbindung mehr zum Himmel, dem Wohnsitz Gottes, wie wir aus dem Bericht über den reichen Mann und den armen Lazarus (Lukas 16, 19 - 31 – hier genau Vers 26) wissen. Doch der derzeitige „Wohnort“ Satans und seiner Engel – die wir heute als Dämonen kennen – ist dieser zweite Himmel. Und von dort gibt es offenbar eine Möglichkeit, auch den dritten Himmel zu betreten, denn sonst hätte Satan in Hiob 1 nicht unter den Gottessöhnen vor Gott erscheinen können. Auch Daniel 10, 12ff gibt uns Hinweise darauf, dass zwischen dem göttlichen Himmel (dem Aufenthaltsort Gottes und seiner Engel) und der Erde, ein anderes Reich liegt – nämlich das Reich Satans und seiner Dämonen. Als Daniel gebetet hatte, dauerte es ganze drei Wochen, bis sein Gebet aus seiner Sicht erhört wurde. Doch als der von Gott geschickte Engel bei ihm eintraf, sagte er zu Daniel, dass sein Gebet sofort am ersten Tag erhört wurde und er auch sofort von Gott losgeschickt wurde mit der Erhörung. Doch auf seinem Weg aus dem „göttlichen Himmel“ haben sich ihm Dämonen in den Weg gestellt und er musste 21 Tage lang gegen sie kämpfen. Erst dann konnte er seinen Weg auf die Erde fortsetzen. Er musste also das satanische Reich – den zweiten Himmel – durchqueren.
Der erste Himmel ist die Atmosphäre um uns herum, die wir sehen, wenn wir in die Wolken schauen.
Dass Engel ihren Lebensraum im Umfeld Gottes verlassen, um den Menschen Botschaften zu bringen u. ä., passiert vermutlich täglich. In der Bibel gibt es neben der o. g. unzählige Stellen, an denen Engel im Auftrag Gottes zu Menschen kommen, um ihnen zu dienen. Dies passiert heute noch genauso wie in der Zeit, in der die Bibel geschrieben wurde bzw. zu den Zeiten, von denen die Bibel uns berichtet. Entscheidend dabei ist aber, dass Engel ihren normalen Lebensraum nur dann verlassen sollen, wenn Gott sie dazu beauftragt.
Wenn Engel den Himmel verlassen, ohne dafür von Gott beauftragt zu sein, dann sind sie ungehorsam. Ein anderes Wort dafür ist „abgefallen“. In 1 Mose 6 ist genau das passiert. Ob diese Engel schon vorher abgefallen waren oder sich erst zu diesem Zweck – nämlich, um sich mit den schönen Menschentöchtern einzulassen – entschieden haben, Gott den Gehorsam zu verweigern, geht aus meiner Sicht nicht ganz klar aus der Stelle hervor – wenn auch in 2 Petrus 2, 4 noch einmal darauf Bezug genommen wird und man daraus entnehmen könnte, dass diese Tat ihre erste Sünde war und sie erst dann die Strafe traf, die sie aus dem Himmel Gottes verwies.
Das, was die Engel mit den Frauen taten, nennt Gott Hurerei. Das ist in seinen Augen ein Gräuel – und nicht nur unter Menschen, sondern auch unter Menschen und Engeln. Ganz offensichtlich sind Engel in der Lage, sich fortzupflanzen. Matthäus 22, 30 erklärt, dass Engel nicht heiraten können – aber wie auch unter Menschen, macht nicht erst eine Heirat eine Person fortpflanzungsfähig. „Biologisch“ ist dazu keine Heirat nötig. Ohne Heirat aber ist es Hurerei.
Dies war die zweite Sünde dieser Gottessöhne. Sie hatten in ihrem eigenen Willen ihren normalen Lebensraum verlassen, um auf die Erde zu gehen, weil sie dort Frauen gesehen hatten und offenbar sexuelle Lust verspürt hatten. Dann sind sie dieser Lust nachgegangen und haben die Frauen verführt, vielleicht sogar gegen deren Willen. Das lesen wir hier nicht, aber unmöglich ist es nicht.
Aus dieser unnatürlichen sexuellen Begegnung nun – Mutter = Mensch; Vater = Engel – sind Kinder entstanden. Weil Gott diese Praxis nicht gefiel, hat er auch für die Menschen die Konsequenz gezogen, nämlich eine Altersbeschränkung eingeführt. Vorher wurden Menschen viele hundert Jahre alt, manche von ihnen beinahe 1000. Doch von nun an sollten das natürliche Alter der Menschen auf 120 Jahre beschränkt sein.
Ob nun die Riesen, von denen im gleichen Atemzug (1 Mose 6, 4) die Rede ist, die Kinder, die aus der unnatürlichen Begegnung Engel – Mensch entstanden sind, ist nicht eindeutig. Die „Riesen“ werden auch als zeitliche Beschreibung ins Spiel gebracht. „In jenen Tagen … und auch später noch, als die Gottessöhne zu den Menschen kamen …“. Möglich ist aber auch, dass auch diese Kinder als Riesen bezeichnet werden. Klar scheint zu sein, dass es auch vorher schon sogenannte „Riesen“ gab. Dort, wo in vielen deutschen Bibelübersetzungen „Riesen“ steht, steht im hebräischen Urtext das Wort „nephilim“. Dies bedeutet einmal „Fehl- bzw. Missgeburten“ und könnte darauf hinweisen, dass diese Kinder aus der unnatürlichen sexuellen Begegnung keine normalen Kinder waren, sondern besonders groß wurden. Eine zweite Bedeutung von nephilim ist „fallen oder gefallen“, was darauf hindeuten kann, dass diese Männer besonders stark (und besonders groß) waren und über andere herfielen und sie überwältigten. Deshalb sind sie als die berühmten Helden der Vorzeit bekannt geblieben.
Auch in 4 Mose 13, 33 ist noch einmal von Riesen die Rede, als das Volk Israel aus Ägypten ausgezogen war und in das ihnen von Gott verheißene Land Kanaan gehen wollten. Die Kundschafter dort trafen auf starke und große Männer und flüchteten voller Angst. Dem Volk Israel erzählen sie dann, sie hätten Riesen getroffen (die aber mit denen in dem Bericht in 1 Mose 6 nichts zu tun haben – denn dazwischen lag die Sintflut) und das Land wäre uneinnehmbar. Dieses Misstrauen gegenüber Gott hat dem Volk Israel letztlich 40 Jahre Wüstenwanderung eingehandelt, denn ab diesem Zeitpunkt erst ist das Volk 40 Jahre durch die Wüste gezogen. Der Weg aus Ägypten nach Kanaan war nicht wo weit, dass es 40 Jahre gedauert hätte.
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