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Das Weib schweige …!?

Dieser Eintrag stammt von Lisa Holtzheimer Am 23.10.2008 @ 22:49 In Theologie | Keine Kommentare


Über das Thema der Stellung der Frau in der Gemeinde habe ich mir lange Gedanken gemacht. Ich selbst habe 20 Jahre lang auch in dem traditionellen Schema gedacht, das mir von vielen Seiten her beigebracht wurde. Bis ich anfing, mich selbst mal genauer damit auseinanderzusetzen und manches zu hinterfragen, was zwar die christliche Tradition so sagt, aber nicht unbedingt die Bibel. Darin sehe ich inzwischen an so manchen Stellen einen echten Unterschied - und dieses Thema ist eins davon.

 

Die Stelle, die wohl am häufigsten dazu angeführt wird, dass Frauen in der Gemeinde nicht sprechen dürfen, ist wohl diese:

 

1 Kor 14, 34ff

“Die Frauen sollen in den Gemeindeversammlungen schweigen (griechisch: sigao).
Es gehört sich nicht, dass sie sprechen (griechisch: laleo). … Wenn sie Fragen haben, sollen sie zu Hause ihre Ehemänner fragen …”

 


Doch ist die allgemeine evangelikal-konservative und traditionelle Interpretation dieser Stelle ziemlich aus dem Zusammenhang gerissen. Vor allem wird u. a. der kulturelle Hintergrund, in den Paulus dies hineinschreibt, wenig bis gar nicht beachtet.

 

Eigentlich sagt diese Stelle auch auf Deutsch schon aus, worum es wirklich geht, aber im Grundtext wird es noch deutlicher. Dort steht in Vers 34 “sigao” - und dies meint ein freiwilliges Schweigen, ein “sich still/ruhig verhalten”. Es meint aber nicht das erzwungene Schweigen, also ein komplettes Redeverbot. Dies wäre das Verb “phimoo”. Das steht dort aber nicht.

 

“Sigao wird gebraucht, als sich die Jünger entschlossen, über die Verklärung, die sie erlebt hatten, zu schweigen (Luk. 9.36), und als Jesus sagte, die Steine würden schreien, wenn die Jünger schweigen würden.

 

Mit diesem Wort wird auch das Schweigen Jesu während seiner Gerichtsverhandlung (Markus 14.61) und das Schweigen der Apostel und Ältesten beschrieben, als sie den Bericht von Paulus und Barnabas anhörten (APG 15.12). Es bezeichnet eine bewusste und freiwillige Reaktion oder auch eine Bitte um Ruhe, damit eine andere Person reden kann (APG 12.17). Gemeint ist also jene Art von Stille, die inmitten von Unordnung und Tumult nötig ist. (Zitat aus “Ohne Unterschied?” von M. B. Smith & I. Kern S. 85)”

 

Das Wörterbuch zum NT (Bauer/Aland) übersetzt “sigao” mit: schweigen, stillschweigen, stille sein im Sinne von “sich still verhalten”, zu reden aufhören, verstummen, seinen Mund halten.

 

Alle Übersetzungen des Wortes “sigao” sagen also etwas wesentlich Schwächeres aus als das, was viele Christen in das Wort hineinlegen. Keine Übersetzung des Wortes hat die harte, unwiderlegbare Befehls-Bedeutung des Wortes “schweigen”, so wie es in der aktuellen deutschen Sprache gemeint ist.

 

Wenn man dazu den kulturellen Hintergrund der Zeit damals sieht und auch die relativ chaotischen Zustände in der Gemeinde in Korinth, an die dieser Brief ja geschrieben ist, ergibt sich eine ganz andere Aufforderung aus der Stelle, als wenn man (wie es leider getan wurde) dieses Wort nur mit “schweigen müssen” (als absoluten Befehl) übersetzt und damit meint: niemals, zu keiner Zeit, in keiner Situation und überhaupt jemals etwas zu sagen.

 

Das würde dem Kontext des gesamten Neuen Testaments diametral gegenüberstehen und dem, was Jesus gelehrt und gelebt hat, komplett widersprechen.

 

Vielmehr war es ja so, dass zur damaligen Zeit die Frauen meistens einen sehr viel geringeren Bildungsstandard hatten als die Männer. Sie hatten kaum “Allgemeinbildung”, hatten im öffentlichen gesellschaftlichen Leben keinen Stellenwert und waren zumeist völlig abhängig von ihren Ehemännern. Auch im religiös-geistlichen Bereich waren Frauen damals ungebildeter. Deshalb haben in den sich neu bildenden Gemeinden (sicherlich nicht nur in Korinth) die Frauen oft nicht viel von dem verstanden, was der Redner erzählt hat.


Und sicherlich gilt das alles auch nicht nur für die Gemeinde in Korinth - aber an diese ist der Brief halt verfasst, und diese Gemeinde gilt auch als ziemlich chaotisch und ungeordnet (bekannter ist diese Tatsache u. a. durch die Anweisungen zum Abendmahl (1 Kor 11, 20ff) - die Gründe liegen ganz ähnlich). Die Frauen, die sich nun bekehrt hatten und mit ihren Männern zusammen den Gottesdienst besuchten (der vermutlich in Privathäusern stattfand), saßen nun plötzlich mittendrin im Geschehen und wussten aber aufgrund ihrer mangelnden Bildung nicht wirklich, um was es ging. Und weil sie es nicht besser wussten und kannten und vielleicht auch nicht eben gelernt hatten, wie man sich in öffentlichen Veranstaltungen benimmt, haben sie ihre Fragen, die sie hatten, direkt gestellt - und damit den Sprecher ständig unterbrochen. Zwischenrufe in diesen Gottesdiensten waren aus diesem Grunde nicht die Ausnahme, sondern die Regel.

 

Dass das aber natürlich nicht geht, sondern die Versammlung stört, ist klar, denn so kommt man mit einem Thema nie zu Ende und alle anderen werden auch nur noch verwirrt. Denn es war sicher nicht nur eine Frau in diesen Gottesdiensten, sondern viele - und der größte Teil von ihnen hatte dieselbe “Problematik”: mangelnde Bildung, deshalb ein Nichtverstehen von vielen Dingen und ein direktes, sofortiges Nachfragen beim Sitz-Nachbarn.

 

Deshalb sagt Paulus, die Frauen sollen sich in der Gemeinde still verhalten und wenn sie Fragen zu dem Gesagten haben, später ihre Ehemänner fragen. Und das ist absolut gut und richtig - denn ansonsten ist keine vernünftige Lehre möglich.

 

“BRISTOW führt aus, dass die griechische Sprache dreißig verschiedene Wörter kennt, die mit “reden” übersetzt werden können - einige davon bedeuten verkündigen, sagen, sprechen, lehren. Wenn aber jemand sagen wollte: “Bitte stört das Gebet nicht durch lautes Reden”, so mußte er das Verb “laleo” wählen, und genau dieses Wort gebraucht Paulus hier. Da es in den Anweisungen von Paulus um Ordnung im Gottesdienst geht, ist es vollkommen einleuchtend, dass er darum bittet, keine Privatgespräche zu führen, so dass der Gottesdienst nicht durch lautes Gerede gestört wird. (Zitat aus “Ohne Unterschied” S. 86)”

 

Dass die Frauen mit ihren Fragen nun nicht jede Veranstaltung unterbrechen sollen, heißt aber nicht, dass sie zu keinem Zeitpunkt jemals etwas sagen dürfen - erst recht nicht, wenn sie selbst eine geistliche Bildung erworben haben. DANN dürfen auch sie sprechen, lehren und Gottes Wort weitergeben. An anderen Stellen spricht derselbe Paulus ja z. B. davon, dass Frauen ebenso wie Männer prophetische Worte von Gott bekommen, er spricht davon, wie Frauen sich verhalten sollen, wenn sie beten oder in der Gemeinde sprechen.

 

All das würde ja diesem “Befehl”, immer, zu jeder Zeit und für alle Zeiten zu schweigen, völlig widersprechen. Mehr dazu liest du in dem Artikel.

 

Nicht zuletzt sollten wir mal genauer analysieren, wie Jesus eigentlich die Frauen gesehen hat, wie er sie behandelt hat und welche Stellung er ihnen gegeben hat. Gegenüber den damaligen Gebräuchen und kulturellen Gepflogenheiten hat er jede Struktur und jedes System durchbrochen und “auf den Kopf gestellt” und Frauen in einer Art und Weise behandelt (positiv), die zu der damaligen Zeit und in dem damaligen (religiösen) System absolut undenkbar war.

 

Es gibt dazu auch einen sehr guten Artikel von Frank Viola, den man hier abrufen kann: [1] http://www.hisman.de/pdf/die-frau-in-der-gemeinde.pdf  . Dort wir noch genauer anhand der Bibel geprüft, warum die sich mit den Jahren eingeschlichene traditionelle Verständnisweise dieser Stelle nicht haltbar ist.

 


© Lisa Holtzheimer     [2] www.herz-toene.de      [3] www.holtzwurm.de

 

 


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