Sie befinden sich aktuell in den Theologie-Blog Blog-Archiven für den folgenden Tag 3.6.2007.
3.6.2007 von Lisa Holtzheimer.
Diese Predigt hier hören
(Grundlage: Daniel 6 – „Daniel in der Löwengrube“)
„Zoe setzte sich zum Essen, als es plötzlich an der Tür klopfte. Sie spähte durchs Fenster und entdeckte einen Fremden, der seltsam gekleidet war. Seine Kleider sahen ganz anders aus als die der Leute in ihrem Dorf Brennmoor.
Als Zoe ihm ins Gesicht blickte, setzte ihr Herzschlag für einen Moment aus. Es war der Mann aus ihrem Traum. Er hatte sogar den gleichen wilden, weißen Haarschopf und die Kleider aus Schaffell. Er klopfte erneut. Sie zögerte noch, die Tür zu öffnen, aber dann war ihre Neugier größer als ihre Vorsicht – sie musste einfach wissen, wer er war und was er wollte.
„Guten Tag“, sagte er mit einem Lächeln. „Ich bin Kieran, ein Bote des Königs. Seid Ihr Zoe Hirschfeld?“
Ihre Stirn legte sich in Falten, während sie nervös mit ihren langen, braunen Locken spielte. „Ja, das bin ich.“
„Ich habe etwas für Euch vom König.“ Er hielt ihr ein säuberlich eingewickeltes braunes Bündel entgegen, an dem vorne ein Umschlag befestigt war.
Mit großen, verwunderten Augen öffnete sie die Tür ein wenig weiter, um das Bündel entgegenzunehmen. „Vom König – für m… mich?““
********
Okay, das steht nicht in der Bibel, wie euch sicherlich schon aufgefallen ist
.
Wenn wir von einem König hören, haben wir meistens auch nicht solche romantischen Assoziationen – da kommt ein Fremder in merkwürdigen Kleidern und überbringt persönlich ein Geschenk und eine Nachricht vom König. Wow! Wie würden wir reagieren? Wie würden wir uns fühlen?
Vielleicht fällt uns alleine diese Vorstellung schwer, denn wir Deutschen kennen Könige ja nur aus dem Ausland – und wir bekommen in den meisten Fällen nur dann etwas über sie zu hören, wenn in irgendeinem Königshaus mal wieder jemand geheiratet hat, ein Kind bekommen oder gestorben ist. Was ein König ansonsten zu tun hat, darüber wissen wir eher wenig.
Was aber immer er zu tun hat – im Normalfall schickt er keine Boten in Schaffellen zu uns, um uns eine persönliche Einladung in sein Reich zu überbringen, so wie der König von Remira in Deborah Joyners Buch.
Heutzutage haben Könige auch in den meisten Monarchien nicht mehr wirklich etwas zu sagen. Sie dürfen repräsentieren, Sie dürfen das unterschreiben, was ihre Minister & Co. ausgebrütet haben – aber Macht haben sie im Allgemeinen nicht mehr wirklich.
Allerdings lassen sich manche Könige auch heute noch beinahe anbeten und als eine Art Gott verehren – nun weniger in Europa, aber in anderen Kontinenten kommt das auch heute noch vor, ebenso wie es in der Zeit Daniels gang und gäbe war und wie es Lukas in seinem Evangelium schreibt:
|
Lukas 22, 25 |
Die Könige herrschen über ihre Völker, und ihre Machthaber lassen sich Wohltäter nennen. |
Daran hat sich seit damals nicht viel geändert. Sie lassen sich „Wohltäter“ nennen – doch in vielen Fällen sind sie genau das Gegenteil.
Menschen, die das nicht so sehen und es wagen, dies öffentlich zu sagen, leben in manchen Ländern auch heute noch gefährlich. Zwar sind die Strafen heute nicht mehr ganz so drastisch wie zur Zeit Daniels – von Löwengruben und Feueröfen hört man nicht mehr so oft … Aber von Menschen, die sich wie ein Gott verehren lassen, hört man immer wieder – und wird man immer wieder hören, solange diese Erde steht. Und ebenso lange wird man von Menschen hören, die sich dem widersetzt haben und deshalb Gefängnis, Folter oder im schlimmsten Fall Tod zu erwarten haben.
So lange ist es noch nicht her, dass in einem Teil Deutschlands Menschen durchaus auch wegen ihres Glaubens benachteiligt oder ins Gefängnis geworfen wurden. Nein, niemand hat dort den Anspruch gestellt, als Gott verehrt zu werden – und doch ähnelt es dem ein bisschen. Denn überall da, wo der wahre Gott abgelehnt wird und der Glaube an ihn unter Strafe gestellt wird, ist dieser Anspruch zumindest im Verborgenen eben doch da – und es wird eifersüchtig darüber gewacht, dass „Untertanen“ nicht jemand anders höher achten als eben diese – meist selbsternannte – höchste Instanz.
Gott sagt von sich:
|
Jesaja 45, 5 a |
„Ich bin der Herr und sonst keiner mehr; kein Gott ist außer mir.“ |
Eine ganz schöne Herausforderung – für Christen in Ländern mit weniger Meinungs- und Religionsfreiheit als bei uns allemal. Aber auch für uns bleibt es eine Herausforderung.
Wir leben in einer Demokratie, niemand in unserer Regierung erwartet, als „letzte Instanz“ gottähnlich gesehen zu werden.
Das ist auch gar nicht nötig. Denn wir basteln uns unsere Götter problemlos selbst. Einer der größten in unserer Kultur und Gesellschaft heißt „Geld“. Die Bibel nennt das „Mammon“. Geld an sich ist nicht Schlechtes. Völlig wertneutral. Der Wert aber, den wir ihm zugestehen, hebt es in höchste Höhen. Der Gott Geld bestimmt über unser Leben – und oft genug auch über unseren Glauben.
Gott sagt:
|
Jesaja 45, 5 a |
„Ich bin der Herr und sonst keiner mehr; kein Gott ist außer mir.“ |
Auch in unserer postmodernen Zeit, aufgeklärt über alles Mögliche und Unmögliche, erheben wir Menschen zu Göttern. Wir hier in Europa. Wir hier in Deutschland. Wir als Christen genauso wie unsere nichtchristlichen Nachbarn.
Je nach Alter, Interessengebiet oder Glaubensausrichtung heißen diese Götter Filmstars, Musiker, Politiker, Buch-Autoren, Pastoren – manchmal auch Eltern oder Kinder.
Wir richten unsere Ansichten nach den Meinungen von Menschen, die wir bewundern – und leider vergessen wir dann oft, danach zu fragen, ob diese Meinungen es wirklich wert sind, sich danach zu richten.
Damit will ich nicht sagen, dass es falsch ist, sich Rat zu holen oder sich an – guten – Ansichten zu orientieren. Aber wenn die Ansicht eines Menschen das „Non-plus-Ultra“ wird, über dem nichts mehr steht, dann wird es gefährlich.
Gott sagt:
|
Jesaja 45, 5 a |
„Ich bin der Herr und sonst keiner mehr; kein Gott ist außer mir.“ |
Man kann diese Aussage Gottes als „Warnung“ empfinden – nämlich dann, wenn man dem Sog der eben genannten oder ähnlichen Götter verfallen ist. Ganz frei kann sich sicherlich niemand davon sprechen – ich auch nicht.
Darum ist eine „Warnung“ auch manchmal gut und hilfreich, um bestimmte Dinge wieder ins richtige Licht zu rücken.
Aus einer anderen Perspektive aber ist diese Aussage von Gott eine der Mut machendsten überhaupt!
Lasst es euch mal einen Moment lang „auf der Zunge“ – oder besser im Herzen – zergehen:
|
Jesaja 45, 5 a |
„Ich bin der Herr und sonst keiner mehr; kein Gott ist außer mir.“ |
Wie geht es euch jetzt mit dieser Tatsache? Habt ihr ein wenig davon gespürt, welche Bedeutung hierin steckt?
Gott alleine ist der Herr – es gibt keinen anderen Gott außer ihm! Er hat alle Macht – alle Macht aller weltlichen Herrscher und Könige zusammengenommen dagegen ist wie ein einzelnes Sandkörnchen am Strand. Verschwindend gering. Ohne Bedeutung. Ein Windhauch, und es ward nie wieder gesehen.
Gott hat alle Macht. Und die gute Nachricht darin ist – er hat wirklich alle Macht, aber er missbraucht diese Macht nicht. Das hat er weder nötig, noch liegt es in seinem Interesse.
Gott spielt seine Macht nicht aus, indem er uns Menschen zu etwas zwingt, was wir nicht wollen. Wenn er das täte, könnte er sehr leicht alle Menschen „zwangsbekehren“, denn er hat ja in seinem Wort festgelegt, dass er will, dass alle Menschen gerettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit kommen (1 Tim 2,4). Aber er tut es nicht. Gott spielt seine Macht nicht aus, auch nicht im positiven Sinn.
Dennoch hat er alle Macht.
Und für uns als Christen, als Kinder dieses Gottes, bedeutet die Tatsache, dass Gott alle Macht hat, eine riesengroße Erleichterung. Wenn ich mir diese Tatsache wirklich „auf der Zunge“ zergehen lasse, ändern sich die Perspektiven. Wenn ich mir bewusst mache, dass Gott alle Macht hat, wirklich alle Macht, und nichts, aber auch gar nichts, über ihm steht, dann werden selbst ganz große Probleme ganz klein. Für Gott ist auch unser größtes Problem überhaupt kein Problem, denn seine Blickrichtung ist eine andere. Ihm muss alles gehorchen. Ein Wort von ihm, und alles ist anders.
Wir kennen alle die Geschichte von der Stillung des Sturmes. Jesus ist mit seinen Jüngern auf den See Genezareth gefahren. Sie hatten schon einen ziemlich aufregenden Tag hinter sich, Jesus hatte ein paar Leute geheilt, Geister ausgetrieben und obwohl es schon Abend war, waren immer noch Mengen von Menschen um ihn und wollten etwas von ihm. Er aber brauchte Erholung und Ruhe. Somit ging er mit seinen Jüngern in ein Boot und befahl ihnen, ans andere Ufer zu rudern. Der See Generzareth ist ziemlich groß, eine solche Aktion dauerte länger als eine halbe Stunde … Im Boot legte Jesus sich in eine Ecke und schlief. Und dann – mitten auf dem See – kam ein Sturm auf. Es war abends, also vermutlich schon dunkel, und die Stürme auf dem See Genezareth sind berühmt-berüchtigt. Die Jünger hatten alle Hände voll zu tun, das Boot vor dem Untergehen zu bewahren – von „auf Kurs halten“ war wahrscheinlich erst Recht keine Rede mehr. Meterhohe Wellen. Und Jesus schläft.
Vermutlich würde selbst der unempfindlichste Mensch in dieser Situation irgendwann wach. Aber Jesus schläft.
Als ich mir diese Situation deutlicher vor Augen geführt habe, ist mir bewusst geworden, welche Souveränität in dieser Aussage liegt. Während die Jünger mit allen menschlichen Mitteln um das Boot und um ihr Leben kämpfen, liegt Jesus ruhig in der Ecke und schläft. Bis die Jünger ihn wecken mit dem Satz:
|
Matthäus 8, 25 |
„Herr, rette uns, wir kommen um!“ |
Es muss wirklich dramatisch gewesen sein auf dem See, denn die Jünger waren Fischer und von Kindesbeinen an gewohnt, mit dem Boot auf dem See zu sein. Das war ihr Terrain, so leicht ließen sie sich dort nicht einschüchtern. Wenn diese gestandenen Männer dort, wo sie sich vielleicht am besten auskannten, so weit waren, dass sie ihr Leben schon aufgegeben hatten, dann muss der Sturm sehr heftig gewesen sein. Vielleicht ähnlich wie Kyrill im Januar 2007 …
Und Jesus schläft immer noch. Erst, als seine Jünger ihn wecken, wacht er auf. Und was sagt er ihnen?
„Entschuldigt, dass ich einfach verschlafen habe. Tut mir wirklich Leid, dass ihr euch hier so gequält habt und ich euch nicht geholfen habe. Was kann ich tun?“
Nicht ganz … Seine Antwort klingt ein klein wenig anders:
|
Matthäus 8, 26 a |
„Was seid ihr so furchtsam, ihr Kleingläubigen?“ |
Das klingt im ersten Moment nicht wirklich freundlich. Eher nach: „Könnt ihr mich wegen so einem bisschen Wind nicht schlafen lassen? Ihr wisst doch, was ich für einen Tag hinter mir habe. Ich bin echt fertig und brauche meinen Schlaf dringend. Und nun pustet es hier ein bisschen und schon weckt ihr mich auf. Ein bisschen mehr Vertrauen könntet ihr schon haben. Habt ihr immer noch nicht kapiert, wer ich bin?“
Ich muss zumindest zugeben, dass ich solche Aussagen zuerst schnell mal auf diese Weise verstehe.
Aber beim näheren Nachdenken darüber ändert sich auch hier die Perspektive. Jesus schläft, weil ihn der Sturm kein bisschen beeindruckt. Aber den Hilferuf seiner Jünger hört er sofort. Während der Sturm tobt, schläft er friedlich, doch als seine Jünger ihn um Hilfe bitten, ist er in einem Moment hellwach.
Und tatsächlich ist seine Frage keine Anklage, sondern erinnert sie daran, dass sie eben noch große Wunder live erlebt haben, und jetzt – nur ein paar Stunden später – völlig vergessen zu haben scheinen, mit wem sie hier im Boot sitzen. Mit demselben nämlich, der kurz vorher vor ihren Augen Kranke geheilt und Dämonen ausgetrieben hat. Wie muss das ihren Glauben gestärkt haben! Doch jetzt, in dieser Situation, war ihr Glaube nur noch sandkorngroß.
Das kennen wir doch auch gut. Wenn alles gut läuft, fällt es leicht zu sagen, wir vertrauen auf Gott, er hat alles in der Hand, alles im Griff. Aber wenn dann plötzlich irgendwelche Sicherheiten einstürzen, läuft auch unser Glaube schnell ein wie zu heiß gewaschen …
Ob Gott hier wirklich noch eingreifen kann? Ich suche lieber nach einer eigenen Lösung. Und schon greifen wir auf unsere begrenzten menschlichen Möglichkeiten zurück, um uns vermeintlich in Sicherheit zu wiegen.
Doch was tut Jesus? Der Vers geht noch weiter:
|
Matthäus 8, 26 b |
Dann stand er auf und befahl den Winden und dem See; und es entstand eine große Stille. |
Jesus macht den Jüngern keine Vorwürfe, sondern er steht auf und befiehlt dem Sturm und dem See. Und sofort ist es ruhig. Kein Windhauch mehr. Keine Welle. In einer Sekunde gehorchen ihm der Wind und die Wellen!
Und alle, die dies mitgekriegt haben, kriegten den Mund nicht mehr zu:
|
Matthäus 8, 27 |
Die Menschen aber verwunderten sich und sprachen: Wer ist dieser, dass ihm selbst die Winde und der See gehorchen? |
Dieser ist Gott. Der Gott, der sagt:
|
Jesaja 45, 5 a |
„Ich bin der Herr und sonst keiner mehr; kein Gott ist außer mir.“ |
Dieser Gott ist es wert, ihm zu vertrauen. Dieser Gott rettet. Derselbe Gott, der Daniel in der Löwengrube bewahrte, stillte den Sturm auf dem See Genezareth. Und derselbe Gott stillt auch heute noch die Stürme in unserem persönlichen Leben.
Wenn wir diesem Gott vertrauen, werden wir am Ziel ankommen. So wie Zoe auf dem Weg nach Remira. Der Umschlag, den ihr der Bote des Königs übergab, enthielt eine persönliche, liebevoll geschriebene Einladung des Königs nach Remira. In dem Bündel war eine Landkarte, auf der der Weg nach Remira genau eingezeichnet war. Nach einigem Abwägen entschloss Zoe sich, dem König zu vertrauen und diesen Weg zu gehen. Auf dem Weg gab es viele Herausforderungen, Gefahren und Kämpfe. Aber Zoe erfährt immer wieder die übernatürliche Hilfe von wunderbaren Freunden und kommt schließlich am Ziel an.
Unser König hat uns auch eine Landkarte in die Hand gegeben. In seinem Wort gibt er uns alle nötigen Anweisungen und Hilfestellungen, die uns den Weg zum Ziel zeigen. Auch unser Weg durch das Leben geht durch viele Herausforderungen und Kämpfe. Und auch wir können immer wieder die übernatürliche Hilfe erfahren, die Gott uns schenkt. Das einzige, was wir tun müssen – wir müssen mit ihm im Kontakt bleiben. So wie Daniel. Für Daniel war es selbstverständlich, mehrmals täglich mit Gott zu sprechen. Wenn wir das tun, erkennen wir Gottes Wegweisung für unser ganz persönliches Leben. Dann müssen uns Gefahren und Stürme nicht schrecken, denn wir kennen den, der die Macht über diese Dinge hat. Und weil wir ihn kennen, vertrauen wir ihm.
Weil ich diesen Gott kenne, nenne ich ihn gern meinen Herrn und König. Denn er ist kein tyrannischer Herr und König, sondern ein gerechter und liebevoller. Er hat die Macht, doch er missbraucht sie nicht. Deshalb schließe ich mich David an, der in Psalm 95 sagt:
|
Psalm 95, 3 - 6 |
3. Denn der HERR ist ein großer Gott und ein großer König über alle Götter. 4. In seiner Hand sind die Tiefen der Erde, und die Höhen der Berge sind auch sein. 5. Sein ist das Meer, und er hat’s gemacht, und seine Hände haben das Trockene bereitet. 6. Kommt, lasst uns anbeten und knien und niederfallen vor dem HERRN, der uns gemacht hat. |
Amen
© Lisa Holtzheimer
Geschrieben in Predigten | Drucken | Keine Kommentare »