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Gott, der Retter
Dieser Eintrag stammt von Lisa Holtzheimer Am 26.5.2007 @ 16:11 In Predigten | Keine Kommentare
Diese Predigt [1] hier hören
Vor ein paar Tagen habe ich mir eine alte Serie auf Video angeguckt. Eine Szene spielte um die Weihnachtszeit in einer kleinen Kirche in Österreich. Dort sang ein Chor adventliche Lieder. Dagegen ist im Prinzip nichts einzuwenden – zur entsprechenden Jahreszeit und im passenden Rahmen kann das ja auch sehr schön sein. Aber als ich so auf meiner Couch lag und dabei plötzlich weniger die Handlung des Films, als viel mehr den Text dieses Liedes, das der Chor da sang, vor Augen hatte, fand ich die ganze Szenerie plötzlich nicht mehr so schön. Schön alpenländisch-musikalisch untermalt, wurden da „den Hirten die Grüße dargebracht und die Kunde vom lieben Jesulein“ weitergesagt.
Keine Angst, ich halte euch jetzt keine Weihnachtspredigt. Aber es bleibt gar nicht aus, dass man in solchen Momenten – selbst bei 25 ° im Schatten - auch anfängt, über die Weihnachtslieder nachzudenken, die man von Kindheit an kennt. In fast allen – sofern sie nicht gerade von immergrünen Bäumen handeln – ist in irgendeiner Form von Jesus die Rede. Aber in ebenso vielen ist die Rede eben nur von diesem niedlichen, armen, kleinen Baby, das in einem Stall zur Welt kommen musste (und nicht in einem schönen, warmen, freundlichen Kreißsaal) – dem süßen Jesulein. Das wollen dann auch fast alle hören – es ist so stimmungsvoll und rundet die Erwartung an diese Jahreszeit ab.
Mir allerdings ist beim näheren Nachdenken darüber – Verzeihung – beinahe schlecht geworden. Ich habe mich gefragt, wie Jesus sich wohl fühlen mag, wenn alle Menschen in Verzückung geraten über die Kitsch-Darstellung seiner Geburt – und vor allem wie er sich dabei fühlen mag, dass die meisten Menschen genau da stehen bleiben. Den erwachsenen Jesus will unsere Gesellschaft nicht mehr, in unserer postmodernen Zeit „braucht“ man keinen Jesus, der einem Vorschriften macht, wie man zu leben hat - und auch keinen mehr, der einen rettet. Man rettet sich – vermeintlich – selbst.
Doch genau das ist der fatale Irrtum unserer Zeit – na ja, nicht nur unserer, aber vielleicht vor allem unserer. Und darin sind wir den Menschen aus der alttestamentlichen Zeit gar nicht so unähnlich. Damals – als Jesus noch nicht gekommen und gestorben war – war eine der Grundvoraussetzungen, um von Gott angenommen zu werden, das Einhalten der Gesetze. Und da gab es viele … Und sie alle einzuhalten, war nicht nur beinahe unmöglich, es war gänzlich unmöglich. Darum sagt Paulus in seinem Brief an die Galater:
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Gal 3, [2] 10 |
Denn alle, die aus Werken des Gesetzes sind, die sind unter dem Fluch, denn es steht geschrieben: “Verflucht ist jeder, der nicht bleibt in allem, was im Buch des Gesetzes geschrieben ist, um es zu tun!” |
Das bedeutet, dass alle, die versuchen, ihre Errettung durch das Einhalten von Gesetzen zu „verdienen“, unter dem Fluch sind, durch den allerkleinsten Fehler – ein einziges Mal – das Gericht Gottes und die Verdammnis auf sich zu ziehen.
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Jak 2, [3] 10 |
Denn wer das ganze Gesetz hält, aber in einem strauchelt, ist aller Gebote schuldig geworden. |
Ein einziges Mal in einem langen Leben einen winzigkleinen Fehler machen – und du bist für alle Ewigkeit verloren. Das ist wahrhaftig ein Fluch, denn niemand, kein Mensch, ist in der Lage, das Gesetz vollständig einzuhalten. Das Gesetz zu damaliger Zeit war ja nicht nur ein politisches Gesetz wie unsere deutsche Verfassung, sondern es waren die 10 Gebote. Und obwohl es so scheint, als ob es gar nicht so schwer sei, diese einzuhalten, hat sich doch erwiesen, dass es schier unmöglich ist, jedes einzelne dieser Gebote in seiner umfassenden Form ein ganzes Leben lang bis auf I-Tüpfelchen einzuhalten. Nicht mal die Phariäser in Israel haben das geschafft – und die waren so etwas wie die „Aufseher des Glaubens“, sie haben penibel darauf geachtet, dass niemand irgendein Gesetz übertritt – oder sagen wir besser, sie versuchten, darauf zu achten, dass niemand ein Gesetz übertreten würde. Denn wie gesagt, niemand konnte das schaffen – auch sie selbst nicht. Weil sie das aber vorgaben und dies vor allem auch vom Volk verlangten, waren sie nicht sehr beliebt und wurden – zu Recht – oft als Heuchler beschimpft.
Die Menschen heute haben aber trotzdem ein ganz ähnliches Denkschema. „Ich habe ja niemanden umgebracht.“ „Ich habe noch nie das Finanzamt betrogen.“ „Ich halte mich an alle Geschwindigkeitsbeschränkungen.“ „Ich tue nichts Ungesetzliches, also brauche ich auch nichts zu befürchten.“ Nicht zu vergessen: „Ich gehe regelmäßig zur Kirche.“ Vielleicht kann man auch noch das „Vaterunser“ auswendig oder das Glaubensbekenntnis aufsagen. Mein Leben ist doch im Großen und Ganzen richtig in Ordnung. Beinahe perfekt. Über die eine oder andere kleine Notlüge wird Gott – an den ich selbstverständlich irgendwie glaube – schon beiden Augen zudrücken. Wozu also brauche ich einen Retter?
Wozu brauchen wir einen Retter? Wovor oder wovon müssen wir denn gerettet werden? Die Aussage aus dem Galaterbrief geht noch weiter:
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Gal 3, 11 |
Dass aber durch das Gesetz niemand vor Gott gerechtfertigt wird, ist offenbar, denn “der Gerechte wird aus Glauben leben”. |
Aha. Wer die Dinge des Gesetzes getan hat, wird tatsächlich durch sie leben. Wohlgemerkt, es geht nicht darum, alle Geschwindigkeitsbeschränkungen einzuhalten oder niemanden umzubringen. Es geht immer noch um die religiösen Vorschriften, um die Gesetze Gottes, um die 10 Gebote.
Keinem Menschen ist es möglich, diese Gesetze bis ins Letzte einzuhalten. Halten wir sie aber nicht ein, stehen wir unter dem Fluch, der unweigerlich in die Hölle führt. Klingt nach einem echten Teufelskreis …
Also brauchen wir doch einen Retter.
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Gal 3, 13 |
Christus hat uns losgekauft von dem Fluch des Gesetzes, indem er ein Fluch für uns geworden ist um unsertwillen. |
Losgekauft kann man auch mit „erlösen“ übersetzen. Gemeint ist damit das Freikaufen eines Sklaven. Wenn der Sklave selbst oder jemand anders für ihn einen bestimmten Betrag an den Besitzer des Sklaven bezahlte, war dieser ein freier Mann. Weil ein Sklave in den allermeisten Fällen überhaupt nie die Gelegenheit hatte, selbst zu so viel Geld zu kommen (denn er verdiente ja meistens überhaupt nichts oder nur sehr wenig), war er normalerweise darauf angewiesen, dass jemand kam und dieses Geld für ihn bezahlte. Nur so konnte er jemals darauf hoffen, die Freiheit zu bekommen.
Ganz genauso geht es uns. Wir haben von uns aus nicht die geringste Möglichkeit, uns selbst zu retten, zu erlösen. Wir sind vollkommen darauf angewiesen, dass jemand anders kommt und uns freikauft. Ohne dies sind wir auch Sklaven – Sklaven der Sünde, nicht das ganze Gesetz bis auf’s I-Tüpfelchen gehalten zu haben. Ich brauche nur an die letzte Woche, noch nicht mal – es reichen ein paar Stunden – zu denken, dann fallen mir schon genügend Dinge ein, wegen denen ich für alle Ewigkeit verloren wäre, weil ich nicht in der Lage war, das Gesetz – die 10 Gebote – zu halten. Jeder, der ehrlich mit sich selbst ist, wird dasselbe von sich sagen.
Darum brauche ich einen Retter. Ich brauche jemanden, der kommt und mich loskauft von meiner Sünde. Ich habe das Gesetz millionenmal übertreten – die Konsequenz daraus mag ich mir gar nicht vor Augen halten …
Als ich mir Gedanken über dieses Thema gemacht habe, habe ich Jesus gefragt, was ich dazu sagen könnte. Die meisten, die hier sitzen, wissen, dass Jesus uns vor einer Ewigkeit in der Hölle gerettet hat, weil er für uns gestorben ist und uns damit aus der Sklavenschaft der Sünde, der Trennung von Gott, freigekauft hat. Wer sich darüber nicht im klaren ist, darf nachher gerne mich oder jemanden aus der Gemeinde ansprechen.
Aber ich habe Jesus gefragt, was denn seine Rettung durch seinen Tod noch bedeutet. Als Christen leben wir ja nicht nur in der Hoffnung auf eine „gute Ewigkeit“, sondern wir leben im Hier und Jetzt. Wir leben in der Welt, aber wir sind nicht „von der Welt“, steht im Johannes-Evangelium.
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Joh 15,16 |
Sie sind nicht von der Welt, wie ich nicht von der Welt bin. |
Und deshalb muss es auch schon im Hier und Jetzt irgendeinen Unterschied geben zu den Menschen, die nicht mit Jesus leben und auch zu unserem früheren Leben – denn wir alle sind ja nicht als Christen geboren.
Jesus rettet uns nicht nur vor der Ewigkeit in der Hölle – wenn das vielleicht auch vom Ziel her betrachtet das Entscheidendste sein mag. Aber er will uns von weit mehr erretten, als wir es in unserem christlichen Denken eingeplant haben. Unsere Theologie hat Jesus „zusammengeschrumpft“ allein auf die Rettung vor der Hölle. Aber im Grunde ist dies letztlich nur das Fazit der Rettung.
Die Rettung selbst fängt hier und jetzt in diesem Leben an. Jesus will uns nicht nur vor der Hölle retten. Er will uns retten aus unserem ich-süchtigen Leben. Er will uns retten aus einem Leben in Sinnlosigkeit, aus einem Leben in der Sucht nach Macht und Geld. Er will uns retten von unserem Egoismus. Wir alle sind restlos egoistisch, ich-süchtig. Wir alle streben nach Macht und Geld – in irgendeiner Form. Der eine hat Angst um seine Existenz, der andere findet, er wird nicht genügend anerkannt.
Wir machen uns Sorgen ums Geld, weil wir uns davon Sicherheit versprechen. Wir wollen einen gewissen Grad an Macht, weil wir uns nach Anerkennung sehnen. Jesus hat mir gesagt, dass diese Rettung bei uns noch nicht angekommen ist. Denn er ist unsere Sicherheit. Er ist auch unsere Anerkennung. Auch das ist Rettung, dass er all dies für uns ist.
Die Rettung ist das neue Leben, das wir im Glauben angezogen haben:
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Eph 4, 21 |
Ihr habt ihn doch gehört und seid in ihm gelehrt worden, wie es Wahrheit in Jesus ist: |
Die Rettung ist, dass wir in der Lage sind, den alten Lebenswandel abzulegen und den neuen Menschen anzuziehen. Das ist Transformation – wie eine Raupe ihre Haut ablegt und eine neue Haut anzieht. Plötzlich kann sie fliegen. Sie wusste vorher nicht, wie das geht, und bestimmt hat sie sich keine Gedanken darüber gemacht, wie sie das tun könnte. Sie ist einfach in der Lage dazu.
Ebenso sind wir einfach in der Lage dazu, den alten Lebenswandel abzulegen und den neuen anzuziehen, sagt Gott. In Epheser 4 ab Vers 25 wird ein wenig näher ausgeführt, was dieser neue Lebenswandel ist:
Eph 4, 25 |
Deshalb legt die Lüge ab und redet Wahrheit, ein jeder mit seinem Nächsten! Denn wir sind untereinander Glieder. |
Das klingt schon wieder nach viel Anforderung und Mühe. Ist es auch, wenn wir dies aus uns selbst heraus schaffen sollen. Uns diese Mühe zu geben, können wir uns sparen, denn wir können es nicht aus uns selbst heraus. Dass wir dennoch dazu in der Lage sind, bewirkt die Rettung durch Jesus.
Wir müssen dazu nur eins tun. Das Einzige, das Jesus uns nicht abnehmen kann.
Der Sklave hat von seiner Befreiung überhaupt nichts, wenn er nicht glaubt, dass ein anderer das Lösegeld für ihn bezahlt hat. Wenn er davon keinen Gebrauch macht, bleibt er ein Sklave. Er muss es glauben und annehmen, dass er nun frei ist. Dann wird er nicht wieder zu seinem ehemaligen Herrn, dem Sklavenhalter, gehen, sondern einen neuen Weg in die Freiheit gehen.
Wir müssen glauben und annehmen, dass Jesus uns nicht nur vor einer Ewigkeit in der Hölle, sondern auch für ein „Leben in Gerechtigkeit und Heiligkeit“ im Hier und Jetzt gerettet hat. Wir müssen ihm vertrauen – blind vertrauen.
Wenn ich eine Bergwanderung mache und dabei abstürze, vertraue ich der Bergrettung, dass sie mich rettet. Ich lasse sie ihre Rettungsmaßnahmen tun und werde mich hüten, ihnen zu sagen: „Lasst mich mal selbst das Seil anlegen – ich will lieber ganz sicher gehen“. Das könnte fatal enden – wahrscheinlich werde ich ein zweites Mal abstürzen, und mich dann schwerer verletzen als beim ersten Mal. Ich muss – und werde – der Bergrettung blind vertrauen, weil ich davon ausgehe, dass sie ihr Geschäft verstehen.
Wenn ich aber wildfremden Menschen schon blind vertraue, mich in einer Situation wie dieser ihnen sogar bedingungslos ausliefere – wie viel mehr kann ich dann Jesus blind vertrauen und mich ihm voll und ganz ausliefern!
Er ist der Retter! Er versteht sein Geschäft! Er hat alles getan, damit ich mich schon in diesem Leben ganz und gar auf ihn verlassen und berufen kann.
Er hat mich gerettet, um in diesem Leben bestehen zu können. Danke, Jesus!
Amen
© Lisa Holtzheimer
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